Schweres Erdbeben in Chile

Jahrhundertbeben: Tsunami-Wellen treffen auf Hawaii

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Foto: Reuters / Reuters/REUTERS

Die ersten von einem schweren Erdbeben vor Chile ausgelösten Tsunami-Wellen haben Hawaii getroffen. Alle Straßen in Strand- und Küstennähe wurden von der Polizei gesperrt. Aktuelle Fernsehaufnahmen, wie sich das Wasser zurückzieht und immer wieder zurückkehrt. Zwei Abendblatt-Reporterinnen sind vor Ort und berichten.

Hilo. Nach dem Erdbeben in Chile sind die ersten Tsunamiwellen auf die Inseln des US-Bundesstaates Hawaii getroffen. Eine erste Welle, die die Hauptinsel erreichte, sei rund einem Meter hoch gewesen, berichtete der TV-Sender CNN. Die Behörden hatten bereits vor mehreren Stunden zuvor Alarm geschlagen. Die Menschen aus flachen Küstenregionen zogen sich in höhergelegene Zonen zurück.

Abendblatt-Reporterin Maike Schiller, die sich derzeit die sich derzeit auf der Insel Kauai aufhält, berichtete, dass Sirenen vor den Tsunami-Wellen warnten. Zunächst habe sich das Wasser zurückgezogen, so wie es für einen Tsunami typisch sei. Das Wetter sei zwar sehr schön, aber die Situation unheimlich. Viele Menschen verfolgten in Bars und Cafes am Fernsehen das Naturereignis. Allerdings seien die Menschen sehr ruhigund gefasst. Einwohner berichteten, dass die Wale vor der Küste der Insel verschwunden seien. Noch vor wenigen Tagen habe es reichlich Delfine und Wale gegeben.

Auch Abendblatt-Reporterin Sophie Laufer berichtete von gespannter Ruhe. Alle Straßen in tiefer gelegenen Bereichen - Strand- und Küstennähe seien von der Polizei gesperrt. Die Ankunft der Wellen wurden im Internet live übertragen . Nach Angaben von Laufer, die sich derzeit auf der Insel "Big Island" aufhält, wurden seit dem frühen Morgen gefährdete Gebiete evakuiert. "Die Sirenen heulen in bestimmten Abständen und warnen die Menschen", sagte sie. Inzwischen seien die Abstände der Sirenenwarnung kürzer.

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"Strände wurden gesperrt und viele in Strandnähe gelegene Golfplätze geschlossen", sagte Laufer. Vor allem Surfer hielten sich hier auch nachts an den Stränden auf. Besonders gefährdet sei Honolulu, da die Stadt in Meeresspiegelhöhe liege. "Zudem bildeten sich an den Tankstellen lange Schlagen, weil die Leute in Höhe gelegene Gebiete der Inselgruppen fliehen wollen", berichtet die Abendblatt-Reporterin.

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Ferner seien viele Menschen in Supermärkte gefahren, um sich dort mit Wasser, Lebensmittel, Batterien und anderen lebensnotwendigen Dingen einzudecken. Der unweit des Hotels gelegene Supermarkt habe bereits seit 5.30 Uhr geöffnet, um den Menschen das Einkaufen zu ermöglichen., berichtet Laufer. Inzwischen seien auf Big Island alle Shops geschlossen worden.

Die Menschen selbst würden die Tsunamiwarnung mit Ruhe und Gelassenheit aufnehmen, berichtet Schiller weiter. Sie sei in der Nacht vom Hotelpersonal geweckt und über die Tsunamiwarnung informiert worden. Allerdings gebe es keine Panik. Hawaii verfügt seit längeren über detaillierte Tsunami-Notpläne, die vorsehen, aus welchen Gebieten die Menschen fliehen müssen. Besonders gefährdet seien die Küstenstreifen im Süden und Osten.

Der Tsunami wurden durch eines der schwersten jemals gemessenen Erdbeben vor der Küste von Chile ausgelöst. Die Naturkastastrophe stürzte das südamerikanische Land ins Chaos und kostete mindestens 147 Menschen das Leben. Das Jahrhundertbeben am frühen Sonnabend erreichte die Stärke 8,8. Für nahezu die gesamte Pazifik-Region wurde eine Warnung vor einem Tsunami ausgerufen.

Die Zahl der Opfer stieg im Verlauf des Tages immer weiter. Unter einem eingestürzten Wohnhaus in der besonders betroffenen Stadt Concepción wurden 100 bis 150 Menschen vermutet. Auf der chilenischen Pazifik-Insel Robinson Crusoe starben mindestens fünf Menschen in den Wassermassen und elf weitere wurden vermisst. Die Europäische Union, die Vereinten Nationen, die USA und mehrere Nachbarländer boten dem südamerikanischen Land Hilfe an.

„Die UN, insbesondere der Nothilfekoordinator, stehen bereit“, sagte Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. „Wir bieten schnelle Unterstützung, wenn das chilenische Volk und die Regierung das wünschen.“ Er verfolge die Berichte aus Chile sehr genau, insbesondere nach den Tsunami-Warnungen im Pazifik. Hawaii, wo bereits Sirenengeheul zu hören war, sowie Japan und Neuseeland bereiteten sich auf einen möglichen Tsunami vor. Die ersten Wellen in Hawaii waren jedoch relativ harmlos. Wesentlich schlimmer erging es den Menschen in dem kleinen chilenischen Küstenort Boyecura. „Das Wasser hat alles, aber auch alles fortgerissen“, sagte einer der Überlebenden. Die Menschen hätten sich jedoch rechtzeitig in höher gelegene Gebiete flüchten können.

Chiles Präsidentin Michelle Bachelet rief für die besonders vom Beben betroffenen Regionen im Süden der Hauptstadt Katastrophenalarm aus. Der gewählte Präsident Sebastián Piñera, der das Amt am 11. März übernehmen soll, rief die ganze Gesellschaft zur Solidarität mit den Opfern auf. „Das Erdbeben ist ein schwerer Schlag für die chilenische Gesellschaft“, räumte der konservative Politiker ein.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. „Mit großer Betroffenheit und Sorge haben wir die Nachricht von dem schweren Erdbeben vor der chilenischen Küste erhalten“, sagte Westerwelle nach Angaben des Auswärtigen Amtes. In Chile gibt es zahlreiche deutsche Institutionen, und in der besonders betroffenen Region um Concepción leben besonders viele Nachfahren deutscher Auswanderer. Über mögliche deutsche Opfer wurde jedoch zunächst nichts bekannt.

Die mächtigen Erdstöße um 3.34 Uhr Ortszeit hatten die Menschen im Schlaf überrascht. Hunderttausende rannten in Panik aus ihren Häusern und kampierten aus Angst vor den mittlerweile 58 Nachbeben von Stärken bis zu 6,9 im Freien. Das Epizentrum lag nach Angaben der US- Erdbebenwarte etwa 92 Kilometer nordwestlich der Stadt Concepción. Die Erde bebte in fast 60 Kilometern Tiefe. Hunderte unter Trümmern vermutet

Hunderte Menschen wurden noch unter den Trümmern vermutet. „Die Opferzahlen werden leider sicher noch steigen“, sagte Piñera. Das ganze Ausmaß der Zerstörung war auch Stunden nach dem Beben unklar. In Concepción wurde unter anderem der Sitz der Regionalregierung zerstört. Mehrstöckige Gebäude und Mauern von Gefängnissen stürzten ein, etwa 260 Häftlingen gelang die Flucht.

„So etwas habe ich noch niemals zuvor gesehen“, sagte eine fassungslose Frau, die mit einer Wolldecke um den Schultern auf der Straße stand. Ein TV-Reporter berichtete: „Es gibt keine Straße in Concepción, wo kein Schutt liegt. Man hört Kinder unter den Trümmer schreien.“ Das Beben galt als das siebenstärkste in der Geschichte der Aufzeichnung von Bebenstärken. Das heftigste je auf der Erde gemessene Beben hatte eine Stärke von 9,5 und ereignete sich 1960 ebenfalls in Chile. Damals starben 1655 Menschen. Flughafen in Santiago geschlossen

Der internationale Flughafen von Santiago wurde erheblich beschädigt und für mindestens eine Woche geschlossen. Dies könnte auch die für den 11. März vorgesehene Amtseinführung von Piñera behindern. Auch aus dem benachbarten Argentinien wurde ein Erdbeben der Stärke 6,3 gemeldet. Dabei sei ein Kind ums Leben gekommen. heimgesucht worden. Das Epizentrum befand sich nach Angaben der US- Erdbebenwarte etwa 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt Salta. Die südjapanische Inselprovinz Okinawa war ebenfalls am frühen Samstag von einem Erdbeben der Stärke 6,9 heimgesucht worden. Das Beben verlief jedoch glimpflich. Zwei Menschen wurden leicht verletzt.

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( (dpa/rtr/ap/afp/abendblatt.de) )