Der Fall Jaycee Lee Dugard

Polizei durchsucht erneut Grundstück von Dugard-Entführer

Philipp Garrido im Visier des FBI: Jaycee Lee Dugard ist zwar frei, aber zwei weitere Mädchen werden immer noch vermisst.

Antioch/Los Angeles. Die kalifornische Polizei hat erneut das Grundstück des mutmaßlichen Kidnappers der vor 18 Jahren entführten Jaycee Lee Dugard durchsucht. Sie erhofft sich nach eigenen Angaben Hinweise auf das Schicksal zweier weiterer Mädchen, die seit Ende der 1980er Jahre vermisst werden. Die Ermittler vermuten wegen der Ähnlichkeit der Fälle, dass Philipp Garrido auch darin verwickelt sein könnte.

Michaela Garecht aus Hayward und Ilene Misheloff aus dem kleinen Ort Dublin werden seit 1988 und 1989 vermisst. Ihre Wohnorte sind rund hundert Kilometer von Antioch entfernt, wo Garrido Jaycee im Hinterhof seines Hauses gefangen gehalten und zwei Kinder mit ihr gezeugt hatte. Die damals Elfjährige war 1991 verschleppt worden.

An der Durchsuchung von Garridos Anwesen und dem Nachbargrundstück beteiligten sich rund 60 Beamte mit Spürhunden. Die Ermittler wurden zunächst nicht fündig. Nach fast eintägiger Durchsuchung von etwa der Hälfte von Garridos Grundstück sagte eine Sprecherin der Polizei von Hayward, bislang sei nichts entdeckt worden, was auf eine direkte Verwicklung Garridos und seiner Frau Nancy in das Verschwinden der beiden Mädchen hindeutete. Nach ihren Angaben sollen die Durchsuchungen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.

Ihr Polizeikollege aus Dublin sagte, dennoch käme das Paar als Verdächtige in Frage: Als die beiden Mädchen verschwanden, sei der verurteilte Sexualstraftäter bereits vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Der Spercher wies zudem auf eine Reihe von Ähnlichkeiten mit dem Fall Jaycee Dugard hin: Beide Mädchen hätten eine ähnliche Statur wie Jaycee gehabt, seien ähnlich alt gewesen wie sie und ebenfalls am helllichten Tag und an einem belebten Ort verschwunden. Zudem passe die Beschreibung des Fahrzeugs, in das Ilene Misheloff am Tag ihres Verschwindens 1989 auf dem Rückweg von der Schule eingestiegen sein soll, zu einer auf Garridos Grundstück gefundenen Wagen.

Michaela Garechts Mutter glaubt ebenfalls, dass Garrido hinter dem Verschwinden ihrer Tochter stecken könnte. Sie gebe die Hoffnung nicht auf, dass ihre Tochter noch am Leben sei, sagte Sharon Murch. Sie fügte hinzu: „Michaela, wenn du da irgendwo bist, wir lieben und vermissen dich und es gibt nichts in den vergangenen 20 Jahren, was daran etwas geändert hat.“ Die damals Neunjährige war zuletzt in einem Lebensmittelgeschäft gesehen worden.

Von den Durchsuchungen erhoffen sich die Ermittler zudem Aufschluss über einen Knochen, der am 30. August auf Garridos Nachbargrundrundstück entdeckt wurde. 1972 hatte Garrido eine 14-Jährige vergewaltigt, doch wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt. 1977 wurde er dann wegen Entführung und Vergewaltigung einer Angestellten des Casinos in Reno zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt, kam jedoch 1988 unter Auflagen vorzeitig frei.