Mord: Sechs Italiener sterben im Kugelhagel in Duisburg - einer feierte zuvor Geburtstag

War es eine Hinrichtung der Mafia?

Die Täter hatten ihren Opfern in einem dunklen Seitenweg aufgelauert.

Duisburg. Für Tomaso-Francesco V. (18) hätte es ein Festtag werden sollen. Mit Kollegen des Duisburger Restaurants Da Bruno hatte der Lehrling in der Nacht zu gestern in seinen Geburtstag hineingefeiert - bis kurz nach 2 Uhr morgens. Wenige Minuten später war der junge Mann tot. Er ist eines von sechs Opfern eines Blutbades in Duisburg, dessen Spuren offenbar zur Mafia führen.

Nach ersten Ermittlungen der Polizei hatten die Täter ihren Opfern nach dem Verlassen des Lokals in einem dunklen Seitenweg neben dem Lokal im Stadtteil Neudorf aufgelauert und gewartet, bis sie in ihre Autos eingestiegen waren. Die Opfer seien regelrecht hingerichtet worden. "Es ist wahllos in die im Wagen sitzenden Menschen hineingeschossen worden", sagte Heinz Sprenger, Chef der Mordkommission.

Fünf der Opfer waren Mitglieder einer Großfamilie aus dem kalabrischen San Luca. Einige waren der Polizei bekannt, einer wegen Geldfälschung, berichtet Einsatzleiter Ronald Bäumler. Andere waren wegen kleinerer Delikte vorbestraft. Nur Tomaso-Francesco gehörte nicht zur Familie. "So etwas hat es in Duisburg noch nicht gegeben", sagte Polizeisprecher Hermann-Josef Helmich. Hinter ihm sind die Wagen der Opfer zu sehen, ein weißer Opel-Kleinlieferwagen und ein fast neuer schwarzer Golf. Die Kugeln der Killer haben das Blech des Lieferwagens durchschlagen und kleine Krater in den Wagen gerissen. Drei Löcher sind es allein an der Fahrertür, zwei weitere in der Frontscheibe. Und die Seitenscheiben sind von Kugeln völlig zerschmettert. Auch im Golf sind die Seitenscheiben zerborsten.

Schnell richtete sich der Verdacht auf die Mafia. Der italienische Innenminister Giulio Amato erklärt am Mittag in Rom, es handele sich wohl um eine Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Mafia-Clans. Eines der Duisburger Opfer war offenbar unter den Drahtziehern für eine Fehde, die bereits im Jahr 1991 in der kalabrischen Stadt San Luca begann und schon vor den Duisburger Ereignissen neun Todesopfer forderte.

Wie die Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf italienische Ermittler berichtete, gehörten die Opfer dem Pelle-Romeo-Clan an, die Täter werden im Strangio-Nirta-Clan vermutet. "Es ist eine beispiellose Abrechnung, auch deshalb, weil sie erstmals im Ausland stattfand", so der stellvertretende Leiter der Polizei der Region Kalabrien, Luigi De Sena. Fahnder aus Italien machten sich auf den Weg nach Deutschland. Die Polizei in Duisburg wollte die Mafia-Spur zunächst nicht bestätigen. Die Ermittlungen gingen in alle Richtungen. Auch eine Beziehungstat sei nicht auszuschließen.

Es spricht aber vieles für Profis - nicht zuletzt die Kaltblütigkeit der Killer und die Präzision, mit der sie zuschlugen. Alle Opfer erlitten nach Angaben der Polizei Kopfschüsse. Einem Notarzt war es zwar zunächst gelungen, ein 16 Jahre altes Opfer wiederzubeleben. Der Junge starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Auch der Tatort war gut gewählt: ein dunkler Durchgang zwischen zwei Bürogebäuden, zentral gelegen, aber unbelebt und nur schwer einsehbar. Augenzeugen der Tat gibt es deshalb offenbar nicht.

In der Duisburger Bevölkerung sorgt die Tat für Entsetzen. Vita Porcelli, die Inhaberin eines Schuhladens in der Innenstadt: "Da bekommt man richtig Angst."