Duisburg: Nach mutmaßlichen Mafia-Morden

Italienische Ermittler eingetroffen

Die erfahrenen Fahnder aus Kalabrien sollen die deutsche Polizei unterstützen. Indessen hoffen die Behörden auf neue Erkenntnisse durch die Überwachungsvideos, die in der Nähe des Tatorts aufgezeichnet wurden. Als Motiv für die Morde wird Rache vermutet.

Duisburg. Zwei Ermittler aus Kalabrien sind in Duisburg eingetroffen, um die Polizei der Ruhrgebietsstadt bei der Aufklärung der Mordes an sechs Italienern zu helfen. Polizeisprecher Reinhard Pape sagte am Donnerstag, die Behörde gehe dem Verdacht nach, dass es sich um ein Verbrechen der Mafia handele. Allerdings sei dies nur eine der Möglichkeiten, die geprüft würden.

Weitere Hinweise auf die Täter erhofft sich die Polizei von der Auswertung von Überwachungsvideos, die in der Nähe des Tatorts aufgezeichnet wurden. Allerdings seien die Aufnahmen von sehr schlechter Qualität. Derzeit versuche man sie durch technische Tricks aufzubessern. Allerdings stehe noch nicht fest, ob dies gelingen werde.

Bei dem blutigen Massaker in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofes waren in der Nacht zum Mittwoch sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 39 Jahren ermordet worden. Nach Einschätzung der italienischen Behörden handelte es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Mafia-Clans aus dem kalabresischen San Luca. Bei der seit 1991 schwelenden Fehde seien bereits vor dem Duisburger Blutbad neun Menschen getötet worden.

Als Motiv scheint sich Rache abzuzeichnen. Demnach soll Marco M., eines der Opfer, das Hauptziel der Killer gewesen sein. Dies hätten die bisherigen Ermittlungen ergeben, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag. Er werde vom Clan der Strangio-Nirta als einer der Hauptverantwortlichen für die Ermordung von Maria Strangio angesehen, der Ehefrau vom mutmaßlichen Clan-Chef Giovanni Nirta. Sie war im vergangenen Dezember ermordet worden. Dabei war auch ein fünfjähriges Kind verletzt worden.

Unterdessen wurden die Spitzen der kalabrischen Polizei aus dem Urlaub zurückgerufen. Sie alle sollen sich an den Ermittlungen beteiligen. In der Geschichte der 'Ndrangheta habe es noch nie einen einzigen Vergeltungsschlag mit so vielen Toten gegeben, hieß es. Warum neben Marco M. fünf weitere Menschen getötet wurden, sei noch unklar.

Die Fehde zwischen den Familien Strangio-Nirta und Pelle-Romeo dauert seit 16 Jahren und wurde durch einen Karnevalsscherz ausgelöst: Damals hatten sich Mitglieder beider Familien mit Eiern beworfen, was in eine wüste Schlägerei ausartete. Aus Angst vor zahlreichen Racheakten nach den Morden von Duisburg wurden die Kontrollen rund um das Dorf San Luca, in dem die Familien leben, drastisch verschärft.