Das Phänomen Jackson: Sex, Rassismus, Klischees

Kein anderer Star in der Popmusik hat die Welt so geteilt wie er - nicht Elvis, nicht Mick Jagger und nicht John Lennon. Seit dem ersten Kindersex-Skandal 1993 wollen ihn seine Gegner im Gefängnis sehen, doch seine Fans vergöttern ihn unbeirrt. Das Phänomen Michael Jackson beschäftigt sogar die Wissenschaft. "Was ihn so besonders macht", sagt Professor Seth Clark Silberman von der renommierten Yale Universität, "sind Sex und Rassismus. Er ist als Kinderstar vor unseren Augen aufgewachsen. Wir haben in ihn investiert, ihn mitgeformt." Und dennoch wisse niemand wirklich, wer Michael Jackson ist. "Er war zweimal verheiratet und hat drei Kinder, dennoch halten Millionen Menschen ihn für homosexuell", sagt Silberman. Jackson habe seinen Teil dazu beigetragen. Er habe sich ein Image aufgebaut, das den Erwartungen widerspreche. Dies gelte sowohl für sein Sexleben als auch für seine Hautfarbe. Seine Plattenfirma wollte ihn männlich darstellen. Doch Jackson bevorzugte es, mit Tieren zu schmusen und Mickey-Mouse-Figuren zu umarmen. Soziologin Nora Morrison von der Harvard-Universität unterstreicht: "Jackson scheint sich als versöhnendes Mittelstück zwischen Schwarz und Weiß zu sehen." Ähnlich wie beim Sex. Jackson wolle weder Mann noch Frau sein. "Er will nicht Teil von dem sein, was uns unterscheidet und immer wieder zu Konflikten führt." Was blieb, war die Flucht zu Tieren und Kindern.