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Fifa ermittelt gegen Mexiko – Özil meldet sich zu Wort

Deutschland gegen Mexiko – die Analyse

Funke-Sport-Chefredakteur Pit Gottschalk über den deutschen WM-Fehlstart.

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Grindel redet Spielern ins Gewissen. Ellenlange Kritikerliste nach 0:1. Mentalcoach sieht "gleichgültige" Weltmeister. Druck auf Löw.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft musste am Sonntag mit dem 0:1 (0:1) gegen Mexiko eine historische Niederlage hinnehmen. Ihr Auftaktspiel bei einer WM hatte eine deutsche Mannschaft nur 1982 in Spanien verloren – damals 1:2 gegen Algerien.

Im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden am Sonnabend in Sotschi (20 Uhr) steht die deutsche Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw somit bereits stark unter Zugzwang.

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Fan-Gesänge: Fifa ermittelt gegen Mexiko

Dem mexikanischen Verband FEMEXFUT droht eine Strafe wegen homophober Rufe seiner Fans im Spiel gegen Deutschland. Die Fifa eröffnete ein Disziplinarverfahren gegen den FEMEXFUT, wie der Weltverband am Montag mitteilte. Die Anhänger rufen „Puto“ bei Abschlägen oder Freistößen des Gegners – so auch mehrfach beim 1:0-Sieg über das Team von Bundestrainer Joachim Löw im Moskauer Luschniki-Stadion.

Schon beim Confederations Cup im Vorjahr hatte die Fifa wegen derartiger Vorfälle eine Warnung an den mexikanischen Verband ausgesprochen. Da sich die Vorfälle nun wiederholten, könnte im weiteren Verlauf der WM auch beispielsweise eine Geldstrafe drohen.

Der mexikanische Verband hatte seine Fans bereits mehrfach aufgefordert, die homophoben Rufe zu unterlassen. „Verhindere in Russland, dass man dir die Fan-ID wegnimmt oder dass du festgenommen wirst“, schrieb der Verband am Montag bei Twitter. „Denk daran, dass du ein Repräsentant der besten Fangemeinde der Welt bist.“ Die Fan-ID ersetzt bei der Weltmeisterschaft für Ausländer das Visum und ist für den Eintritt ins Stadion obligatorisch.

Schon vor Beginn des Turniers hatte der mexikanische Verband einen Verhaltenskodex für seine Fans veröffentlicht. Zahlreiche Mexikaner sind nach Russland gereist und unterstützen dort ihre Mannschaft. Beim und nach dem Triumph gegen den Weltmeister feierten sie in der russischen Hauptstadt eine große Party.

Das bedeutet der Schweden-Sieg für Deutschland

Nach dem 1:0 von Schweden gegen Südkorea bleibt die Situation für Deutschland in der Gruppe F prekär. Im Falle einer Niederlage gegen Schweden am kommenden Sonnabend wäre der Titelverteidiger sicher in der Gruppenphase gescheitert, wenn Mexiko zuvor gegen Südkorea gewinnt. Dann hätten Mexiko und Schweden je sechs Punkte und wären beide im Achtelfinale.

Gleiches gilt, wenn Mexiko zuvor gegen Südkorea unentschieden spielt. Dann hätte Schweden sechs Punkte und wäre sicher im Achtelfinale. Mexiko hätte vier Punkte und könnte noch von Südkorea (1 Punkt) eingeholt werden, nicht aber von den dann weiter punktlosen Deutschen.

Spielt Deutschland gegen Schweden unentschieden, kann die DFB-Elf unabhängig vom Ergebnis zwischen Mexiko und Südkorea noch das Achtelfinale erreichen. Sollte allerdings Mexiko auch gegen Südkorea gewinnen, bräuchte Deutschland auch bei einem Erfolg gegen Südkorea am letzten Gruppenspieltag die Hilfe der Lateinamerikaner in deren Spiel gegen Schweden. Bei einem Remis beider Kontrahenten am letzten Spieltag oder einem schwedischen Sieg wäre Deutschland raus.

Gewinnt Deutschland gegen Schweden, ist die Qualifikation für das Achtelfinale aus eigener Kraft gegen Südkorea möglich.

Özil sieht Schweden-Spiel als "Finale"

Mesut Özil sieht die deutsche Nationalmannschaft in der zweiten WM-Begegnung mit Schweden vor einem echten Endspiel. "Das wird bereits unser erstes Finale", schrieb Özil auf seinen Profilen in den sozialen Netzwerken.

Bei der Auftaktniederlage gegen Mexiko habe die Mannschaft "sicher zu viele Fehler gemacht", kritisierte der 29-Jährige: "Wir müssen uns jetzt verbessern."

Özil hatte im Luschniki-Stadion sein 91. Länderspiel bestritten, das 26. bei einem großen Turnier seit 2010 hintereinander. Zuvor hatte er mit Kollege Ilkay Gündogan im Mittelpunkt der Erdogan-Affäre gestanden.

Morgen weiter nach Sotschi

Der DFB-Tross wird am Dienstag sein Quartier wechseln. Von Watutinki geht es nach Sotschi, wo das Team bereits während des Confed Cups gewohnt hat. In der Olympiastadt von 2014 steht am Sonnabend das zweite Gruppenspiel gegen Schweden an.

Vor dem Flug am Dienstag ist noch einmal ein Training auf dem Gelände von ZSKA Moskau in Watutinki geplant. Dort fand auch am Montag eine nicht-öffentliche Einheit statt. Dabei stattete auch DFB-Präsident Reinhard Grindel der Mannschaft einen Besuch ab.

Auch Hamann und Calmund schlagen Alarm

Auch die beiden Sky-Experten Dietmar Hamann und Reiner Calmund reagieren besorgt auf die deutsche Leistung. "Wenn wir keine andere Mannschaft sehen, dann habe ich große Bedenken, dass wir die nächste Runde erreichen", sagte der 59-malige Nationalspieler Hamann: "Du kannst reden über Taktik und Mannschaftsaufstellungen, aber wenn du den Kampf nicht annimmst, wenn du in Sachen Laufbereitschaft, Einsatzbereitschaft so unterlegen bist wie gegen Mexiko, dann ist es egal wer spielt, dann werden wir keine Spiele gewinnen."

Auch der frühere Leverkusen-Manager Calmund hält ein Aus in der Gruppenphase nicht für ausgeschlossen. "Da muss jetzt der Wecker klingeln. Die Schweden sind ein gefährlicher Außenseiter. Wir müssen gewinnen, alles andere zählt nicht mehr, sonst fahren wir nach Hause", sagte Calmund. Für den 69-Jährigen war der Auftritt von Joachim Löws Elf "nicht zu erklären. Wir hatten acht Weltmeister am Start, aber eine nicht annähernd weltmeisterliche Leistung geboten", so Calmund: "Das war eines der schwächsten Spiele, das ich von unserer Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft je gesehen habe."

Grindel besucht geheimes DFB-Training

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat am Tag nach dem WM-Fehlstart gegen Mexiko das Training der Nationalmannschaft besucht und den Spielern ins Gewissen geredet. Gemeinsam mit Teammanager Oliver Bierhoff beobachtete der Verbandschef am Montag die für Medien komplett geschlossene Einheit.

Zehn Gründe für die Titelverteidigung

"Mexiko war kein K.o.-Spiel. Jetzt gegen Schweden und Südkorea die richtige Reaktion zeigen“, übermittelte der Präsident via Twitter. Zu dem kurzen Text, der auch das WM-Motto der Mannschaft (#zsmmn) enthielt, stellte Grindel zwei Fotos. Das eine zeigt ihn an der Seite von DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius beim Beobachten des Trainings, das andere eine Spielsituation bei der Einheit mit Bundestrainer Joachim Löw im Hintergrund.

Ballack: "In der Mannschaft stimmt etwas nicht"

Ex-Kapitän Michael Ballack macht sich nach dem schwachen Auftritt gegen Mexiko große Sorgen um die deutsche Auswahl. "Was für eine Enttäuschung. Da stimmt etwas nicht in der Mannschaft", sagte der 41-Jährige am Montag in einem Video bei Twitter: "Die Balance zwischen Offensive und Defensive muss wieder her."

Ballack lobte Innenverteidiger Mats Hummels für seine Kritik an den Teamkollegen. "Mir gefällt das, was Mats Hummels gesagt hat. Er spricht öffentlich das an, was nicht in Ordnung ist. Und er sollte damit weitermachen", äußert der Capitano: "Er sollte mit den Spielern reden. Die Spieler müssen miteinander reden, um die Dinge zu klären. Manchmal kann der Trainer nicht alles regeln. Die Spieler müssen verantwortlich für ihr Auftreten sein."

Direkt nach der Partie hatte Ballack scharfe Kritik geübt. "Kein Teamgeist, kein Hunger, nicht genug Hingabe. Löw ist gefordert", hatte der Ex-Profi geschrieben.

Sechste Auftaktpleite eines Weltmeisters

Durch die 0:1-Pleite gegen Mexiko ist die deutsche Nationalmannschaft erst als sechster von bisher 20 Weltmeistern mit einer Niederlage in eine Titelverteidigung gestartet. Als zuvor letzter Weltmeister hatte Spanien 2014 in Brasilien durch ein 1:5 gegen die Niederlande einen Fehlstart hingelegt.

Zum ersten Mal hatte sich ein Weltmeister 1950 gleich in seinem ersten WM-Spiel nach dem vorherigen Titeltriumph geschlagen geben müssen: Bei der ersten Nachkriegsendrunde ebenfalls in Brasilien unterlag Italien zwölf Jahre nach seinem zweiten WM-Titel Schweden mit 2:3.

Zehn Gründe für ein frühes WM-Aus

32 Jahre später unterlag Argentinien 1982 in Spanien in seinem Auftaktspiel gegen Belgien mit 0:1. Die Südamerikaner gingen auch weitere acht Jahre darauf in Italien durch die legendäre 0:1-Pleite gegen Kamerun leer aus. 2002 in Südkorea und Japan ließ sich Frankreich vom Senegal ebenfalls mit 0:1 düpieren.

Ein Sonderfall ist Premieren-Weltmeister Uruguay: Die Südamerikaner traten 1934 vier Jahre nach ihrem Triumph im eigenen Land nicht zur nächsten WM-Endrunde in Italien an, nachdem viele europäische Nationen die WM-Premiere noch boykottiert hatten.

Adidas verliert durch deutsche Pleite

Der Dax wurde am Montag wieder deutlich unter die Marke von 13.000 Punkten gedrückt. Und auch am Ende des deutschen Leitindex verlor Adidas 2,15 Prozent. Dabei verwiesen Marktbeobachter auf die deutsche WM-Auftaktniederlage gegen Mexiko. Sollte das DFB-Team bereits nach der Vorrunde ausscheiden, drohten Absatzverluste vor allem auf dem Heimatmarkt.

Ballack, Buchwald & Co. hauen drauf

Neben Paul Breitner oder Lothar Matthäus (siehe vorige Einträge) haben weitere ehemalige deutsche Nationalspieler und Weltmeister die deutsche Mannschaft zum Teil heftig kritisiert. Guido Buchwald (57), gemeinsam mit Matthäus 1990 Weltmeister in Rom, sah im Gespräch mit den Stuttgarter Nachrichten Defizite in der Raumaufteilung im Mittelfeld: "Unsere Abwehrspieler konnten am allerwenigsten dafür, dass es im deutschen Strafraum teilweise vogelwild zuging."

Auch die Ex-Nationalspieler Michael Ballack, Manfred Schwabl und Maurizio Gaudino bemängelten die Vorstellung des Mitfavoriten. "Die Balance stimmt nicht, Es gibt keinen Teamgeist, Hunger oder genug Leidenschaft", schrieb Ballack (41) bei Twitter. "Gegen Mexiko hat Deutschland nach dem Motto 'Das läuft schon irgendwie, der Ball fällt schon noch rein' gespielt – so kannst du bei einer WM aber natürlich nicht auflaufen, das geht nirgendwo im Fußball, nicht einmal in der Dritten Liga", sagte Schwabl (52) im Münchner Merkur.

Gaudino (51) wurde persönlich und ging bei Sky Sport News HD den indisponierten Sami Khedira an. "Khedira bietet sich in Schnittstellen an, wo er nichts zu suchen hat", sagte Gaudino: "Das war phlegmatisch. Wir stehen sehr hoch, das war in diesem Spiel aber Harakiri."

Auch Ex-Nationalspieler Hansi Müller (60) vermisst Leidenschaft und Gier. „Es fehlte genau das, was Mexiko an den Tag gelegt hat“, sagte Müller der dpa. Der Europameister von 1980 ist noch „guter Dinge“, dass die Mannschaft die nächsten Spiele gegen Schweden und Südkorea gewinnt, allerdings müsse ein deutlicher Ruck durch das Team gehen, gespickt mit Spielern, die schon so viel erreicht haben: „Jetzt ist die Birne gefragt, und das Geschick von Jogi Löw.“

Müller war 1982 im Kader, als die deutsche Mannschaft zuletzt einen WM-Auftakt vermasselte, damals mit 1:2 gegen Algerien. „Wir kamen als Europameister – und dann diese Schmach“, erinnerte sich Müller. Stolz und Ehre seien angekratzt gewesen. Ein Rezept, wie man dann dennoch Vizeweltmeister wurde, habe er nicht: „Die Situation lässt sich nicht mit heute vergleichen.“ Die Teams lägen heute viele enger zusammen, auch andere Favoriten wie Argentinien oder Brasilien hätten Probleme.

Er traue der deutschen Mannschaft sechs Punkte zu, allerdings könne ein Achtelfinale gegen Brasilien „ganz bitter werden“, da die Südamerikaner nach dem 1:7 vor vier Jahren noch etwas gutzumachen hätten. Blöd sei, dass das nächste Spiel erst am Sonnabend ist. „Die haben jetzt fast eine Woche die Niederlage im Kopf.“

Nur Kinder dürfen Lahm befragen

Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm setzt nach dem Fehlstart in Russland auf die Routine von Bundestrainer Joachim Löw und der Ex-Kollegen. „Die Mannschaft ist erfahren, das Trainerteam ist erfahren. Sie wissen, wie sie mit der Niederlage umgehen müssen. Es ist noch alles möglich“, sagte der 34 Jahre alte Lahm am Montag in der Schule der deutschen Botschaft in Moskau. „Ein kleiner Rückschlag schadet nicht, um noch ein bisschen enger zusammenzurücken.“

Eine für den Montag geplante DFB-Pressekonferenz mit Lahm, der als Botschafter für die deutsche EM-Bewerbung für 2024 zur WM-Delegation des Verbandes gehört, wurde kurzfristig abgesagt. In der Schule waren nur Fragen der Kinder und nicht von Journalisten zugelassen. Neben Fragen zu privaten Dingen wollte ein Schüler wissen, wie Lahm die Probleme in der deutschen Mannschaft nach dem 0:1 gegen Mexiko sieht.

„Mexiko hat das sehr gut gemacht, sie waren sehr aggressiv. Die deutsche Mannschaft hat einfach nicht ihre Leistung abgerufen. Das kann passieren“, sagte der Ehrenspielführer. Der langjährige Bayern-Star war nach dem WM-Triumph 2014 in Brasilien aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Seine Spielerlaufbahn beendete Lahm endgültig vor einem Jahr.

Mentalcoach: Löw muss hungrige Spieler bringen

Die schlechte Leistung der deutschen Weltmeister gegen Mexiko ist möglicherweise zum Teil auch mit der hohen psychischen Belastung zu erklären. "Der Druck, als Weltmeister das Ziel Titelverteidigung anzugehen, scheint einige Spieler zu hemmen", sagte Mentalcoach Matthias Herzog dem SID: "Die hohe Fehleranzahl und fehlenden klaren Chancen sprechen dafür, dass dem deutschen Team aktuell das Selbstvertrauen und die Nervenstärke fehlen."

Dabei sei gerade diese mentale Komponente bei der Mission Titelverteidigung besonders wichtig, so Herzog: "Jeder Gegner will den Weltmeister schlagen – vor allem bei einer WM." Diesen bedingungslosen Einsatz und Willen hat der Mentalcoach nicht bei allen deutschen Spielern gesehen. Stattdessen herrsche bei den Spielern, die bereits 2014 Weltmeister geworden waren, "schnell eine gewisse Gleichgültigkeit, wenn es nicht so läuft, da im Hinterkopf immer der Gedanke ist: 'Ich bin ja schon Weltmeister. Den Titel kann mir keiner nehmen.'"

Daher nahm Herzog Bundestrainer Joachim Löw in die Pflicht, "nicht stur an etwas festzuhalten, das nicht funktioniert". Vielmehr, so der Mentalcoach, sollte Löw den neuen Akteuren mehr Spielanteile geben: "Sie sind heiß auf die WM."

Matthäus kritisiert Özil und fordert Reus

Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus hat nach dem deutschen Fehlstart personelle Konsequenzen gefordert. „Marco Reus, der zunächst auf der Bank saß, hätte bei mir eine Stammplatzgarantie und müsste immer spielen“, schrieb der 57-Jährige in der „Bild“-Zeitung. Scharfe Kritik übte Matthäus an Mittelfeldspieler Mesut Özil: „Bei Mesut Özil vermisse ich die Geschwindigkeit und Körpersprache. Er hat so viele Freiheiten von Jogi Löw, aber es kommt nichts zurück.“ Auch Thomas Müller habe in seiner Rolle auf der rechten Seite enttäuscht.

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„Ich würde Müller als zweite hängende Spitze aufstellen, Reus über außen kommen lassen“, riet Matthäus. Für den Auftritt des Titelverteidigers zum Auftakt des Turniers in Russland fand der 150-malige Nationalspieler harte Worte: „Ich habe die deutsche Mannschaft bei einem großen Turnier lange nicht mehr so schwach gesehen.“

Pressestimmen: Spott aus anderen Ländern

Die internationalen Pressestimmen sind für die Mannschaft von Joachim Löw ein weiterer Nackenschlag Aus Mexiko schrieb "El Universal“: „Der 17. Juni 2018 wird in die Geschichte des mexikanischen Fußballs eingehen, und man wird schwer vergessen, was im Luschniki-Stadion passiert ist.“ „Record“ schwelgte: "Mexiko war besser, weil es das wollte, weil man mit Willen und Herz alles kann, egal was.“

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Spaniens "Marca" fragte bereits: "Achtelfinale ohne Deutschland?“ Englands "Sun" meinte: „Von den Titelverteidigern wurde erwartet, dass sie ihre mittelamerikanischen Gegner im Luschniki-Stadion niederwalzen würden. Aber Mexiko verblüffte die Zuschauer, indem sie einen 1:0-Sieg einfuhren.“

Brandt verteidigt sein Lächel-Selfie

Julian Brandt hat seine vereinzelt auf Kritik gestoßene Selfie-Aktion nach der Auftaktpleite gegen Mexiko (0:1) verteidigt. "Ich wollte in den Spielertunnel, da kam der kleine Junge und hat geschrien. In der Sekunde denkst du gar nicht darüber nach. Du tust dem Kleinen den Gefallen oder halt nicht", sagte der Leverkusener der "Bild"-Zeitung.

Grundsätzlich versuche er, "möglichst viele Wünsche zu erfüllen", äußerte der WM-Debütant (22) bei Sport1: "Ich habe das Handy genommen und das Selfie gemacht." Fotos von der Aktion, bei der Brandt unmittelbar nach der Niederlage breit in die Kamera lächelt, sorgten vor allem in sozialen Netzwerken für Kritik.

Für Wirbel positiver Art hatte Brandt zuvor nach seiner späten Einwechslung (87.) gesorgt. In der Schlussphase traf er mit einem Distanzschuss den Außenpfosten. "Wir müssen klarer sein, wenn wir in Ballbesitz sind, und gemeinsam besser verteidigen, alle elf Spieler", sagte er.

Breitner sieht "deprimierende Hilflosigkeit"

Paul Breitner vermisst „Problemlöser“ in der deutschen Nationalmannschaft. „Kein Spieler ist in der Lage, ein Problem zu lösen, wenn es schwierig ist“, sagte der Weltmeister von 1974 im Interview der Münchner Zeitung „tz“. Nach dem 0:1 gegen Mexiko bemängelte der 66-Jährige: „Es plätschert alles vor sich hin, jeder wartet auf irgendeine Idee des anderen und jeder weiß, dass sie nicht kommt, weil der andere ja auch auf Ideen wartet. Es war deprimierend, wie hilflos unsere Mannschaft war und nicht wusste, wie sie eine Abwehr knacken soll.“

Breitner übte Kritik am Angriff: „Unser Problem ist auch, dass wir im Moment keinen Stürmer haben, der im Strafraum eine Szene verwerten kann. Nichts gegen Timo Werners Spiel, aber mit einer falschen Neun wirst du nicht Weltmeister. Wenn du hinten bist, braucht du einen Stürmer, bei dem du weißt: Der dreht sich, presst sich dazwischen und brennt auch mal einen rein. Den haben wir im Moment nicht.“ Breitner gehörte 1982 in Spanien zum Team, das zuletzt ein WM-Auftaktspiel verloren hatte (1:2 gegen Algerien).

TV-Quote: 81 Prozent Marktanteil

Das ZDF schalteten am Sonntag beim Mexiko-Spiel 25,97 Millionen Zuschauer ein, der Marktanteil lag bei 81,6 Prozent. Das sind sehr gute Werte. Zum Vergleich: Beim WM-Finale (!) 2014 schauten 34,65 Millionen Fans zu, der Marktanteil betrug damit 86,3 Prozent.

Das erste deutsche Spiel 2014 (4:0 gegen Portugal) verfolgten damals 26,36 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 81,8 Prozent. Nun haben also wieder etwa acht von zehn TV-Guckern die 0:1-Niederlage gesehen. Zwei wichtige Fragen: Was haben die anderen geguckt? Und fuhren sie damit besser?

DFB schließt die Medien aus

Die Aufarbeitung der 0:1-Pleite wird am Montag hinter geschlossenen Türen stattfinden. Der DFB kündigte einen medienfreien Tag im Quartier in Watutinki vor den Toren Moskaus an.

Eine angekündigte Pressekonferenz mit dem ehemaligen Kapitän Philipp Lahm, der jetzt Botschafter für die deutsche EM-Bewerbung für 2024 ist, gibt es nicht. Auch das Training wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen.

Deutschland gegen Mexiko – Highlights, Aufreger, Tor(e)
Deutschland vs. Mexiko - Highlights, Aufreger, Tor(e)

Schicksal von Italien und Spanien droht

Das 0:1 von Moskau ist ein schlechtes Omen: Die Weltmeister von 2006 (Italien) und 2010 (Spanien) schieden bei den darauffolgenden WM-Turnieren jeweils in der Vorrunde aus. Gleiches blüht der deutschen Mannschaft, sollte sie sich nicht zunächst gegen Schweden am Sonnabend (20 Uhr/ARD) in Sotschi deutlich steigern.

Thomas Müller: Zwei Endspiele mehr

Er war bedient. Doch das war auch kein Wunder nach dem 0:1 gegen Mexiko. Bundestrainer Joachim Löw hat sich auf seine Weltmeister verlassen – aber damit war er verlassen zum Auftakt der WM 2018 in Russland. "Das ist für uns eine absolut ungewohnte Situation, weil wir bei vielen Turnieren das erste Spiel gewonnen haben. Aber das ist eine Situation, die wir jetzt annehmen müssen", sagte Löw.

Thomas Müller meinte lapidar, dass zu den üblichen K.o.-Spielen jetzt eben noch zwei dazugekommen seien. Die beiden Partien gegen Schweden und Südkorea müssen gewonnen werden, vor allem um in einem (immer noch möglichen) Achtelfinale den Brasilianern aus dem Weg zu gehen. Löw meinte: "Unsere Mannschaft hat genug Erfahrung, um auch mal mit so einer Niederlage umzugehen. Wir werden wieder aufstehen."

Marco Reus verplappert sich

Marco Reus verriet, dass ihm Löw im Trainingslager in Eppan gesagt habe, dass er beim Start nicht beginnen würde, "weil wir davon ausgehen, dass das Turnier sehr lang geht und ich vor allem in den wichtigen Spielen...", dann unterbrach sich Reus selbst. Joachim Löw hatte dem formstarken Dortmunder, der das deutsche Spiel bei seiner Einwechslung nach einer Stunde belebte, auf der linken Offensivseite Weltmeister Julian Draxler vorgezogen. In der Zentrale spielte Mesut Özil. Hat sich Löw verzockt?

Die großen drei enttäuschen

Zum ersten Mal haben sowohl Deutschland als auch Brasilien und Argentinien bei einer Fußball-Weltmeisterschaft ihr Auftaktspiel nicht gewonnen. Das Trio ist bereits das 16. Mal bei derselben WM am Start - und erwischte in Russland nun einen denkbar schlechten Auftakt. Brasilien gegen Schweiz und Argentinien gegen Island kamen jeweils nicht über ein 1:1 hinaus, Weltmeister Deutschland musste sogar ein 0:1 gegen Mexiko hinnehmen. Die drei Fußball-Nationen haben insgesamt elfmal die WM-Trophäe errungen. Erst zum sechsten Mal startete ein Titelverteidiger mit einer Niederlage ins Folgeturnier.

ZDF blendet falsches Zwischenergebnis ein

Panne bei den Mainzelmännchen: Das ZDF hat zu Beginn der Übertragung des WM-Spiels Deutschland gegen Mexiko kurzzeitig eine 3:0-Führung der deutschen Nationalmannschaft angezeigt. Auf Twitter zeigte der Sender ein Video mit der falschen Ergebnisangabe, die nach wenigen Sekunden korrigiert wurde. In den sozialen Netzwerken spekulierten einige Nutzer sofort, der Sender kenne das Ergebnis schon vorab.