Schweden – Südkorea 1:0

Ekdal und Berg ringen Son nieder – Druck auf DFB wächst

Marcus Berg (r.) und Albin Ekdal (M.) beim Jubel über das Elfmetertor von Andreas Granqvist

Marcus Berg (r.) und Albin Ekdal (M.) beim Jubel über das Elfmetertor von Andreas Granqvist

Foto: Reuters

Skandinavier bringen sich durch Elfmetertor nach Videobeweis in komfortable Ausgangsposition für das Spiel gegen Deutschland.

Nischni Nowgorod. Schweden hat mit einem Arbeitssieg zum Auftakt den Druck auf den schwer in Bedrängnis geratenen Weltmeister Deutschland erhöht. Im zweiten Spiel der Gruppe F besiegten die grippegeschwächten Skandinavier die erschreckend harmlosen Südkoreaner mit 1:0 (0:0) und könnten am Sonnabend in Sotschi (20 Uhr/ARD und Sky) bereits in die K.-o.-Runde einziehen – auf Kosten der angeschlagenen Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw.

Torschütze für Schweden war Kapitän Anders Granqvist, er traf nach Videobeweis per Foulelfmeter (65.). "Der Elfer war aus meiner Sicht ein ganz klarer Fall", sagte Schwedens Trainer Janne Andersson. Zuvor hatte Blagult bei deutlicher Überlegenheit eine Vielzahl bester Chancen auf bisweilen klägliche Art vergeben. Ein wenig machte sich da die fehlende Abgezocktheit eines Zlatan Ibrahimovic bemerkbar. Der Torjäger hatte nach der EM 2016 seinen Rücktritt erklärt, ist aber immer noch Gesprächsthema. Emil Forsberg von RB Leipzig blieb weitgehend unsichtbar.

Der ehemalige Hamburger Marcus Berg hätte das anhaltende Gerede um Ibrahimovic früh beenden können, vergab freilich gleich zwei Chancen der Kategorie "hunderprozentig". Zunächst schoss er im Fünfmeterraum unbedrängt Torhüter Jo Hyun Woo an (21.). Kurz darauf warf sich in letzter Sekunde noch Kim Young Gwon in den aus kurzer Distanz abgegebenen Schuss von Berg, der bei Al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten gelandet ist (29.).

Schweden vergeben etliche Chancen

Die Schweden, bei denen Noch-HSV-Profi Albin Ekdal in der 71. Minute ausgewechselt wurde, hatten mehr Ballbesitz, sie hatten mehr Chancen, kurzum, sie waren deutlich überlegen, nur im Strafraum oder vor dem Tor der Südkoreaner haperte es arg. Nicht nur bei Berg. Pontus Jansson köpfte knapp vorbei (21.), Granqvist scheiterte an Torhüter Jo, der beinahe fortwährend das Schlimmste verhinderte und deshalb bereits zur Halbzeit von seinen Mitspielern abgeklatscht wurde.

Die Südkoreaner erwiesen sich als weitgehend harmlos. Auch der frühere Hamburger und Leverkusener Heung Min Son, mittlerweile bei Tottenham Hotspur unter Vertrag, trat nicht entscheidend in Erscheinung, obwohl Kapitän Ki Sung Yueng behauptet hatte. "Die Gegner werden ihn fürchten." Die beste Chance besaß freilich Ja Cheol Koo vom FC Augsburg, der, immerhin auf Vorlage Sons, an das Außennetz köpfte (52.).

"Wir hätten besser kontern sollen", sagte Son nach dem Spiel. "Der Elfmeter war sehr ärgerlich. Bis dahin haben wir gut verteidigt." Für die kommenden Aufgaben mahnte der ehemalige HSV-Stürmer eine bessere Mentalität an. "Wir haben mit Mexiko und Deutschland jetzt zwei sehr schwere Gegner, auf die wir uns gut vorbereiten müssen", sagte Son.

Sein Trainer Shin Tag Yong sagte: "Die schwedischen Spieler sind alle sehr groß. Wir hatten den Eindruck, dass wir uns nach der ersten Hälfte besser darauf eingestellt haben. Unser kommender Gegner Mexiko hat im ersten Spiel einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Wir werden das Spiel der Mexikaner gegen Deutschland sehr genau analysieren."

Ex-Dortmunder Park verletzt

In der Regel zogen sich die Südkoreaner mit fünf bis sieben Spielern auf einer Linie an ihren Strafraum zurück und hofften darauf, irgendwann irgendwie kontern zu können. Der große Bum Kun Cha, früher in Darmstadt, Leverkusen und Frankfurt aktiv, 141 Länderspiele, hatte es befürchtet: "Viele Spieler", sagte er betrübt vor dem Spiel, "haben Schwierigkeiten, ihr Potenzial abzurufen."

Einer wird womöglich gar nicht mehr mitspielen können. Der ehemalige Dortmunder Park Joo Ho verletzte sich beim Versuch, einen schlechten Seitenwechsel der Schweden abzufangen, ganz offensichtlich schwer am rechten Oberschenkel (27.) und musste mit einer Trage in die Kabine gebracht werden.