Rothenbaum

Dominik Koepfer: „Ich bin kein Newcomer mehr“

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Dominik Koepfer am Montag beim Training am Rothenbaum.

Dominik Koepfer am Montag beim Training am Rothenbaum.

Foto: Witters

2019 spielte der Schwarzwälder sein erstes Grand-Slam-Turnier. Am Rothenbaum ist er zweitbester Deutscher.

Hamburg.  Verlockend ist es ohne Frage, die Gedanken schon einmal Richtung Achtelfinale schweifen zu lassen. Der Topgesetzte Stefanos Tsitsipas (22) würde dort warten, und natürlich wäre ein Duell mit dem griechischen French-Open-Finalisten auf dem Center-Court am Rothenbaum nicht die schlechteste Aussicht.

„Gegen einen der besten drei Sandplatzspieler der Welt anzutreten, das sind genau die Matches, die ich immer haben wollte“, sagt also Dominik Koepfer. Aber weil er viel gelernt hat in den vergangenen Jahren, weiß der 27 Jahre alte Schwarzwälder aus Furtwangen, dass er die Gedanken an den Weltranglistenvierten zumindest noch bis zum Dienstagabend zurückhalten muss.

Maximilian Marterer hatte sich in zwei Qualifikationsmatches behauptet

Wenn er nämlich nicht aufpasst, dann spielt an seiner statt der Nürnberger Maximilian Marterer bei den Hamburg European Open gegen den Titelfavoriten. Der 26-Jährige, aktuell als Nummer 200 der Weltrangliste 141 Plätze hinter Koepfer notiert, hatte sich in zwei Qualifikationsmatches behauptet und sich damit den Platz im Hauptfeld als Erstrundengegner des zweitbesten deutschen Hamburg-Starters gesichert. „Maxi ist ein unangenehmer Gegner.

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Ich spiele als Linkshänder ungern gegen andere Linkshänder“, sagt der Daviscupspieler, der das bislang einzige Duell mit seinem Landsmann auf Sand im vergangenen Jahr in der Qualifikation von Kitzbühel in drei Sätzen verloren hatte. „Ich denke, dass ich mittlerweile mehr Erfahrung habe, und rechne mir deshalb gute Chancen aus, ihn zu schlagen“, sagt er.

Erfahrung ist das Schlüsselwort

Erfahrung ist das Schlüsselwort, das die vergangenen zwei Jahre im Sportlerleben des Dominik Koepfer umreißt. 2019 schaffte der Mann, der ob seines aggressiven Spielstils den Spitznamen „Pitbull“ verpasst bekam, in Wimbledon erstmals die Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier. Damals war er selbst in der Tenniswelt ein unbeschriebenes Blatt.

Koepfer hatte sich dank seines eisernen Willens parallel zu seinem Finanzmanagement-Studium im Collegeteam der Tulane University in New Orleans behauptet, anstatt in Deutschland den Weg über die Förderung des Deutschen Tennis-Bundes zu gehen.

Koepfer fühlt sich nicht in der Weltspitze angekommen

Seitdem ist er Stammgast in den Hauptfeldern der vier Majorturniere, erreichte 2019 bei den US Open das Achtelfinale, unterlag in diesem Jahr bei den French Open in Runde drei dem Schweizer Maestro Roger Federer (39) und in Wimbledon ebenfalls in der Runde der besten 32 dem Spanier Roberto Bautista Agut (33), der im vergangenen Jahr bei seiner Hamburg-Premiere im Achtelfinale ebenfalls Endstation war. In der Weltspitze angekommen fühlt sich Dominik Koepfer dennoch nicht.

„Das ist ein laufender Prozess. Für mich ist es wichtig, mich Woche für Woche mit den Topleuten messen zu können und zu spüren, dass ich mithalten kann“, sagt er. Ein wenig mehr Konstanz und mentale Härte brauche er, um die Elite auch regelmäßig schlagen zu können. „Aber ich denke, dass der Respekt vor mir mittlerweile da ist. Ich bin kein Newcomer mehr.“

In Hamburg will Koepfer Spielpraxis sammeln

In Hamburg will Koepfer Spielpraxis sammeln, um sich auf seine erste Olympiateilnahme in Tokio, wo am 24. Juli das Tennisturnier startet, vorzubereiten. Vom Wimbledon-Rasen auf Sand zurückzukehren, sei vor einem Hartplatzevent wie dem in Japan zwar nicht optimal, „aber ich spiele einfach gern in Deutschland“. Nach einem Bundesligaeinsatz für GW Mannheim am vergangenen Wochenende fühle er sich bereit für den Rothenbaum. Gegen Marterer wird sich zeigen, ob das stimmt.

( bj )

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