Pyeongchang 2018

Die schönen und die hässlichen Bilder Olympias

Mit einer Pandabären-Choreografie sendeten die Organisatoren der Spiele in Korea bei der Schlussfeier einen Gruß an Peking, den Ausrichter der Winterspiele 2022

Mit einer Pandabären-Choreografie sendeten die Organisatoren der Spiele in Korea bei der Schlussfeier einen Gruß an Peking, den Ausrichter der Winterspiele 2022

Foto: Andreas Rentz / Getty Images

Das Fazit der Winterspiele fällt zwiespältig aus – wegen fehlender Nachhaltigkeit, des Diktats der TV-Sender und des Dopingsumpfs.

Die Olympischen Spiele haben viele Gesichter. An den 17 Tagen zwischen der Eröffnungsfeier und der großen Abschlussparty am Sonntag hat Pyeongchang sie alle gezeigt. Einige waren schön anzusehen, andere verstörten. Welches Gesicht Olympias bleibt also am Ende der Winterspiele in Südkorea in Erinnerung?

Wenn der letzte Eindruck am meisten zählt, muss es das Gesicht von Christian Ehrhoff sein. Und es steht für das Team Deutschland. Der Star der Eishockeymannschaft, 35 Jahre alt, in Moers am Niederrhein geboren und viele Jahre in der NHL in Nordamerika aktiv, presste nach der 3:4-Finalniederlage gegen ein Land, das offiziell gar nicht bei diesen Spielen dabei war, erst die Lippen aufeinander und strahlte dann doch noch mit der Medaille um den Hals. Der deutsche Fahnenträger bei der Schlusszeremonie am Abend vollzog damit noch seine Wandlung vom zutiefst enttäuschten Sportler hin zum stolzen Olympioniken, der mit seinen Kollegen Wertvolles erreicht hatte.

Wir sind wieder führend

Medaillen sind die Essenz des Leistungssports, demnach wiegt Gold am Ende mehr als Silber. Aber diese Eishockeytruppe hat erstaunliche Begeisterung für eine Randsportart ausgelöst und sehr viele Menschen berührt. Genau wie der Dreifachsieg der Nordischen Kombinierer und erst recht der zauberhafte Auftritt der Eiskunstläufer Aljona Savchenko und Bruno Massot, die das erste Paarlauf-Gold seit 66 Jahren für Deutschland holten. „Unsere Sportler haben die Spiele zu einem Spektakel gemacht“, sagte Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig zum deutschen Abschneiden. 14-mal Gold, genauso viel wie Norwegen (14/14/11), die beste Nation im Medaillenspiegel, dazu zehnmal Silber und siebenmal Bronze.

Wir sind wieder eine der führenden Wintersportnationen“, freute sich Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Ein Wintermärchen. Doch man darf die Schwächen nicht übersehen. Im Rodeln, dem Bobsport, bei der Nordischen Kombination und im Biathlon sind Deutsche extrem erfolgreich. Beim Ski Freestyle, Snowboard, Eisschnelllauf, Shorttrack und Skilanglauf, die zusammen etwas mehr als die Hälfte der 102 Goldmedaillen ausmachen, stockt die deutsche Medaillenmanufaktur jedoch.

Nachhaltig waren sie nicht

Für das Fernsehen hat Olympia ausschließlich sein geschminktes Gesicht gezeigt. Atemberaubende Bilder von starken, mutigen, erfolgreichen Athleten. Von Sportstätten mit kurzen Anfahrtswegen und einer perfekten Organisation, die Pyeongchang anfangs zu den Spielen der zufriedenen Sportler gemacht haben. Nicht aber zu den Spielen der Fans. Und nachhaltig waren sie schon gar nicht. Bis es eine Nutzung für die schicke Alpensia-Schanze, das Biathlonzentrum oder die Eisbahn gibt, wird von Olympia nicht mehr viel zu sehen sein. Die Umweltsünden, das Roden von Zigtausenden Bäumen für eine alpine Abfahrtsstrecke, lassen sich auch nicht mehr rückgängig machen.

Olympia hat also auch ein ungeschminktes Gesicht, gar ein schmutziges. Denn sauber ist bei den Winterspielen nur noch der weiße Schnee. Vier Athleten sind des Dopings überführt worden. Zwei von ihnen kommen ausgerechnet aus Russland, dessen Olympisches Komitee wegen des staatlichen Dopingsystems diesmal gesperrt war. Auch bei der Abschlussfeier mussten russische Sportler auf ihre Fahne verzichten. Von Reue und einem Eingeständnis war in Südkorea allerdings nichts zu vernehmen. Und den Bann wird IOC-Präsident Thomas Bach wohl in den nächsten Tagen aufheben, sollten die noch ausstehenden Ergebnisse der übrigen Dopingtests negativ ausfallen.

Kommentar: Um Olympia muss man kämpfen

Überhaupt waren die Spiele in Südkorea sehr politische. Wie auch sonst, nur 80 Kilometer vom kommunistischen Norden entfernt? Die politische Symbolik war enorm: das gemeinsame Einlaufen der koreanischen Athleten aus Nord und Süd ins Olympiastadion, die Spiele des gemeinsamen Frauen-Eishockeyteams, der Besuch von Kim Jong-uns Schwester zur Eröffnung. Dass Olympia am Ende aber zu einer Lösung im Korea-Konflikt beigetragen haben könnte, ist utopisch: Wenn die letzten Athleten am Montag abgereist sein werden, beginnen im Grenzgebiet wieder militärische Übungen.

Und die nächsten Winterspiele in Peking 2022 werfen schon Schatten. Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch forderte das IOC auf, Gespräche aufzunehmen, um Menschenrechtsverstöße zu verhindern. „Alle Planungen müssen sicherstellen, dass ein Erbe der nächsten Winterspiele reale Fortschritte bei Menschenrechten sind“, forderte Minky Worden von Human Rights Watch. Die „unnachgiebige Verfolgung“ in China dauere an. Die Hoffnungen nach den Sommerspielen 2008, dass sich die Menschenrechtslage verbessern könnte, hätten sich nicht bestätigt.