Nordische Kombination

Gold, Silber und Bronze: Das Geheimnis der Dominatoren

Sieger Johannes Rydzek (M), Silbermedaillengewinner Fabian Rießle (r.) und Eric Frenzel freuen sich über den deutsche Dreifachtriumph

Sieger Johannes Rydzek (M), Silbermedaillengewinner Fabian Rießle (r.) und Eric Frenzel freuen sich über den deutsche Dreifachtriumph

Foto: Quinn Rooney / Getty Images

Die Kombinierer Johannes Rydzek, Fabian Rießle und Eric Frenzel feiern den ersten deutschen Dreifachtriumph seit 1976.

Pyeongchang.  Plötzlich fehlte jemand auf dem deutsch-deutsch-deutschen Siegerpodium im Medienzelt des Alpensia Nordic Parks. Dort, wo am Dienstag dem Namensschild zufolge Fabian Rießle sitzen sollte, lugten nur ein Haarbüschel und ein weißer Kopfhörer hervor. Der 27 Jahre alte Breisgauer tauchte einfach unter dem Tisch ab, neben ihm saßen die beiden anderen Nordischen Kombinierer aus dem DSV-Team und lachten. Noch ein Stückchen weiter bekam Hermann Weinbuch von dem vorübergehenden Verschwinden seines Athleten gar nichts mit, als der Bundestrainer über diesen historischen Rennausgang bei den Olympischen Spielen sinnierte.

Rießle rief unterm Tisch vom Handy aus seine Freundin Sandra Ringwald an, teilte der Langläuferin, die ebenfalls in Pyeongchang startet, mit, was sie eigentlich schon längst wusste. Aber egal, es fühlte sich doch so unglaublich schön an, von diesem wunderbaren Moment zu berichten: Platz drei: Eric Frenzel, Deutschland. Platz zwei: er selbst, Fabian Rießle, Deutschland. Platz eins: Johannes Rydzek, Deutschland. Aller guten Dinge sind drei.

Drei deutsche Fahnen bei der Blumenzeremonie im Stadion. Drei junge Männer auf dem Siegerpodest, die sich wenige Augenblicke zuvor in die Arme gefallen waren. Drei Medaillen, mit denen die sonst alles dominierenden Nordischen Kombinierer vor einigen Wochen noch so gar nicht hatten rechnen dürfen. „Ein unglaublicher Tag für uns und unseren Sport“, sagte Olympiasieger Johannes Rydzek.

Am Donnerstag soll in der Staffel das dritte Gold folgen

Was hatten sie zuvor für eine Olympiashow geboten: einen Zielsprint mit drei Deutschen nahezu gleichauf, begonnen am letzten Anstieg der Strecke. Akito Watabe aus Japan, dem Führenden nach dem Skispringen, hatten sie zuvor kontrolliert die rund 30 Sekunden Vorsprung im Langlauf abgenommen. Nur der Norweger Karl Magnus Riiber hielt noch Schritt mit den drei Deutschen, ließ dann aber doch vom schwarzrotgoldenen Trio da vorne ab.

Als das Ziel immer näher kam, hatte Frenzel früh erkennbar das Nachsehen – Bronze. Also Rießle oder Rydzek: Mit einem Ausfallschritt schob der 26 Jahre alte Oberstdorfer seinen Ski über die rote Linie im Schnee, „ich habe alles an Herz und Power reingelegt“, beschrieb Rydzek die letzten Meter in der Loipe. Rießle blieb Silber, er sagte: „Völlig wurscht, wer da Erster, Zweiter, Dritter ist – das ist absolut geil.“ Und man glaubte es ihm.

Drei Deutsche auf den ersten olympischen Plätzen nach Springen und zehn Kilometer Langlauf – das gab es schon einmal: 1976 in Innsbruck. Da rahmten die Ostdeutschen Ulrich Wehling (1.) und Konrad Winkler (3.) den Westdeutschen Urban Hettich in der Siegerliste ein. Rydzek, Frenzel und Rießle standen in ihrer Karriere schon häufig gemeinsam auf dem Treppchen. „Bei der WM im vergangenen Jahr in Lahti waren wir drei auch da oben – bei Olympia ist das aber viel unbeschreiblicher“, sagte Frenzel, der seine zweite Medaille nach dem Sieg auf der kleineren Schanze gewann. „Als ich hierher gekommen bin, war die Situation nicht so, dass ich es erwarten konnte“, sagte Frenzel.

Rießle dachte an Déjà-vu mit Rydzek

Beim Seefeld-Triple, im Januar das Pendant der Kombinierer zur Vierschanzentournee der Springer, stimmte nur die Laufleistung, im Springen waren die Norweger den Deutschen klar überlegen. „Da fing es an“, beschrieb Hermann Weinbuch den Prozess, der nach einem entscheidenden Trainingslager in Oberstdorf am Dienstagabend in Pyeongchang mit Gold, Silber und Bronze endete und mit dem Titel Uneigennützigkeit in Perfektion überschrieben war. „Keiner war sich zu schade, dem anderen zu helfen“, sagte Rießle. „Wir haben uns als Team Schritt für Schritt herausgezogen aus dem Tief“, ergänzte Weinbuch.

Rydzek erkannte nach nur einem Saisonsieg, „dass ich Baustellen hatte, ich bin nicht mit dem Selbstvertrauen der WM hierher gereist.“ In Lahti hatte er im vergangenen Winter alle vier Rennen gewonnen. In Pyeongchang überwand Rydzek nun sogar sein Olympiatrauma. Vor vier Jahren in Sotschi war er ausgerechnet von Rießle in der vorletzten Spitzkurve von den Skiern geholt worden. Rydzek stürzte, ging leer aus, Rießle holte Bronze und sagte nun: „Als wir den letzten Berg hoch sind, musste ich schon daran denken.“

So großartig der Anlass auch war, den Erfolg ausgiebig begießen durfte das Medaillen-Trio am Dienstagabend nicht beim Abstecher ins Deutsche Haus. Bereits am Donnerstag (8.30 Uhr Springen/11.20 Uhr 4x5 Kilometer Langlauf) soll in der Staffel das dritte Gold folgen. „Das Feiern müssen wir Betreuer wohl ein bisschen übernehmen“, erklärte Weinbuch lachend. Der Vater des Erfolgs hatte aber auch vorgesorgt. „Hermann hat uns vorhin noch ein Snickers gegeben, ich hatte es als einziger hier dabei“, sagte Johannes Rydzek bei der Pressekonferenz, bei der er den Kollegen jeweils ein Stückchen abgab. „Wir haben dann brüderlich geteilt“, sagte Rydzek.

Schon jetzt ein richtig starkes Team, diese deutschen Kombinierer.