Olympische Winterspiele

Trump-Anhänger verhöhnen Ski-Rennläuferin Lindsey Vonn

Skeleton-Weltmeisterin Lölling hat die kurze Medaillenflaute in Pyeongchang beendet. Wellinger im Skispringen knapp geschlagen.

Nach Platz sechs: Vonn erhält Hass-Tweets

Pyeongchang. Ski-Superstar Lindsey Vonn hat nach ihrem sechsten Platz im olympischen Super-G von Pyeongchang Spott und Häme über Twitter einstecken müssen. "Du hast bekommen, was du verdienst", "Karma" und "Kein Besuch im Weißen Haus. Das dürfen nur Sieger, keine Nörgler" lauteten drei der vielen Posts von Sympathisanten des US-Präsidenten Donald Trump.

Vonn hatte vor den Winterspielen angekündigt, im Falle eines erneuten Olympiasieges eine Einladung Trumps ins Weiße Haus nicht anzunehmen.

"Es ist okay. Nicht jeder muss mich mögen. Meine Familie liebt mich und ich schlafe gut. Wenn sie mich nicht mögen, ihr Problem", antwortete Vonn via Twitter. Die nächste Chance auf ihr zweites Olympiagold nach 2010 bietet sich der Speed-Spezialistin am Mittwoch (11.00 OZ/3.00 MEZ) in der Abfahrt.

Wellinger verpasst zweiten Triumph nur knapp

Skispringer Andreas Wellinger hat eine Woche nach seinem Triumph von der Normalschanze bei den Winterspielen in Pyeongchang Silber von der Großschanze gewonnen. Der 22 Jahre alte Ruhpoldinger musste sich nach zwei Durchgängen dem Polen Kamil Stoch um 3,4 Punkte geschlagen geben, der in Sotschi von beiden Schanzen triumphiert hatte. Bronze holte sich wie schon von der kleinen Schanze der Norweger Robert Johansson, der sieben Zähler hinter Wellinger lag.

Der Oberstdorfer Karl Geiger und Richard Freitag aus Aue bescherten dem deutschen Team auf den Positionen sieben und neun zwei weitere Top-Ten-Plätze. Markus Eisenbichler aus Siegsdorf landete auf dem 14. Rang.

Kamil Stoch ist nach seinem neuerlichen Triumph nunmehr der fünfte Skispringer der olympischen Geschichte mit mindestens dreimal Gold. Dies schafften zuvor nur Matti Nykänen (Finnland), Simon Ammann (Schweiz/beide 4), Thomas Morgenstern (Österreich) und Jens Weißflog (Oberwiesenthal/beide 3).

Weißflog hatte bei seinem Olympiasieg 1994 die vor Wellinger letzte Medaille eines deutschen Springers von der Großschanze gewonnen. Wellinger hat nach seinem Teamerfolg von Sotschi und seinem Gold in Südkorea nun als zweiter deutscher Skispringer nach Weißflog Edelmetall in allen drei olympischen Wettbewerben geholt.

Lölling rast zu Silber im Skeleton

Kopfüber ins Glück: Skeleton-Weltmeisterin Jacqueline Lölling ist bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme zu Silber gerast. Die 23-Jährige aus Winterberg musste sich nur der britischen Sotschi-Olympiasiegerin Lizzy Yarnold geschlagen geben. Lölling (+0,45 Sekunden) stieß im Ziel einen Freudenschrei aus und reckte die Arme in die Höhe.

Für die deutschen Skeletonis war es die dritte olympische Medaille der Geschichte. 2010 in Vancouver holten Kerstin Szymkowiak und Anja Huber Silber und Bronze. Rang drei in Südkorea ging an die Britin Laura Deas (+0,62 Sekunden). Vizeweltmeisterin Tina Hermann (Königssee/+0.70) und Anna Fernstädt (Berchtesgaden/+0,76) belegten unter den Augen von IOC-Präsident Thomas Bach die Ränge fünf und sechs. Die nach drei Läufen noch in Führung liegende Österreicherin Janine Flock (+0,64) rutschte auf Platz vier ab und hatte Tränen in den Augen.

Nach ihrer knappen Halbzeitführung erlaubte sich Lölling im dritten Lauf zwei Bandenberührungen und ging als Dritte mit einer Zehntelsekunde Rückstand auf Flock ins Finale. Fernstädt und Hermann lagen auf den Rängen fünf und sechs für eine Medaille in Lauerstellung. Trotz eines starken zweiten Tages reichte es für Hermann am Ende aber nicht zu Edelmetall, sie überflügelte nur noch ihre Teamkollegin.

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Lölling zeigte eine solide Fahrt, doch gegen Yarnold reichte es nicht mehr. Die Britin behielt im entscheidenden Lauf im Alpensia Sliding Centre die Nerven und holte mit Bahnrekord zum Abschluss wie schon vor vier Jahren Gold. Ihr traditioneller Rückstand am Start erwies sich für Lölling gegenüber Yarnold als zu große Hypothek.

Deutschland hatte immer wieder starke Skeletonis, doch es reichte meist "nur" zu Erfolgen auf WM- und Weltcup-Ebene. Dann betrat Lölling vor rund drei Jahren die internationale Bühne und stieg gemeinsam mit Hermann gleich in die Weltspitze auf. Hermann wurde 2016 Weltmeisterin, Lölling holte 2017 den Titel und ist zudem schon zweimal Siegerin im Gesamt-Weltcup.

Löllings Problem bleibt der Start

In den vergangenen beiden Jahren gewann sie fast jedes wichtige Rennen – sofern eine Voraussetzung erfüllt war: Lölling ist vor allem auf den langen Eisbahnen weltklasse, weil sie erst spät auf Geschwindigkeit kommt. "Sie hat ein einmaliges Fahrgefühl und weiß genau, wie man die Geschwindigkeit in den Kurven mitnimmt, das kann man nicht lernen", sagt Thomas Schwab, Vorstand des deutschen Verbandes BSD.

Ihre große Schwäche wird Lölling allerdings auch mit viel Training nie besiegen können: Am Start gehört sie zu den langsamsten Pilotinnen, obwohl sie sich hier seit ihrem Sprung in den Weltcup durch hartes Athletiktraining schon stark verbessert hat. Am Ende wurde sie auch dafür mit olympischem Silber belohnt.