Basketball in Hamburg

Warum der neue Towers-Trainer Calles so begehrt ist

Jung und erfolgreich: der Spanier Pedro Calles  (36).

Jung und erfolgreich: der Spanier Pedro Calles (36).

Foto: Alexandra Beier / Bongarts/Getty Images

Der Spanier unterschreibt beim Hamburger Bundesligisten. Der 36-Jährige gilt als eines der größten Trainertalente Europas.

Hamburg. Wie unterschiedlich die Gemütslage an einem schönen, sonnigen und heißen Sommertag sein kann, offenbarten am Freitag die sozialen Netzwerke. „Nur Montage sind doof? Nö, auch ein Freitag kann ganz schön übel beginnen“, twitterte Rasta Vechta, nachdem der Abgang ihres Trainers Pedro Calles zu den Hamburg Towers als perfekt gemeldet wurde. Des einen Leid ist bekanntlich des anderen Freud.

Mit ironischem Unterton reagierte der Wilhelmsburger Club aus der Basketball-Bundes­liga (BBL) voller Vorfreude bei Twitter: „Schraubt eure Erwartungen zurück. Bei der Suche nach einem neuen Coach hat es nur zu einem überdurchschnittlichen BBL-Trainer gereicht“, ließ die Social-Media-Abteilung verlauten.

Towers zahlen Ablöse für Calles

„Pedro vereint alle Fähigkeiten, die es benötigt, gemeinsam unsere Ziele zu erreichen, uns in der Liga zu etablieren. Er hat die Stärke, alles aus seinen Spielern herauszuholen“, sagt Geschäftsführer und Sportdirektor Marvin Willough­by (42), dem es gelungen ist, eines der größten Trainertalente Europas zu verpflichten.

Für den spanischen Wunschkandidaten haben die Hamburger erstmals in ihrer Geschichte eine Ablösesumme für einen Trainer gezahlt. Diese war nötig, weil Calles in Vechta eine Ausstiegsklausel in seinem Arbeitspapier hatte, die er bis 30. Juni ziehen musste. Hört man sich in der Basketballszene um, sind die rund 100.000 Euro, die nach Vechta überwiesen werden müssen, ein gutes Investment, zumal Calles Sportdirektor Willoughby auch einen Teil der Arbeit abnehmen soll.

„Die Towers sind ein professionell geführter Verein mit einer Strategie und ambitionierten Visionen. Mir gefällt, was Marvin Willoughby vorhat und wie er es umsetzen möchte“, sagt Calles, der in der nächsten Woche nach Hamburg kommen und mit Willoughby die Kaderplanung vorantreiben wird.

Warum Calles so beliebt ist

„Ich habe zwar basketballerische Tendenzen, möchte mich aber noch nicht auf einen definitiven Spielstil festlegen. Das mache ich vom Personal abhängig. Nun geht es darum, die richtigen Akteure zu finden, mit denen wir dann auf dem höchstmöglichen Niveau agieren wollen“, ergänzt der neue Cheftrainer. Doch wie ist dieser europaweite Hype um den Jung-Trainer, der erst seit zwei Jahren im Profibereich als Headcoach arbeitet, zu erklären?

Calles gilt als Spieler-besser-Macher, der bei aller Siegermentalität einen guten Mix aus Härte und Kommunikation hat. Dem Internetportal „Basketball.de“ sagte Calles einst: „Es geht nicht nur um Sieg und Niederlage. Es geht darum, seinen Spielern etwas beizubringen und sie am Ende der Saison besser gemacht zu haben. Der Spieler, den du im August bekommst, sollte nicht mehr derselbe sein, wenn er im Juni das Team verlässt.“

In Vechta widersetzte sich Calles der Sponsoren-Forderung

In Vechta hat er mit überschaubaren finanziellen Mitteln ein Team geformt, dass jedes Topteam vor Probleme stellen konnte. Wie geradlinig der Mann aus Córdoba ist, zeigte bei den Niedersachsen der Fall Luc van Slooten (18). Das Toptalent, das als zukünftiges Gesicht des Clubs gilt, hatte in den Augen von Sponsoren zu wenig Einsatzzeit. Doch Calles ließ sich davon nicht beeindrucken.

Sein Credo: Einsatzzeit muss man sich verdienen. Egal ob Veteran oder Toptalent. „Du musst deinen Prinzipien, deinen Verpflichtungen und den Zielen, die du dir am Anfang der Saison gesteckt hast, treu bleiben. Du kannst dies nicht jede Woche ändern, nur um ein einzelnes Spiel zu gewinnen“, lautet das Credo des Spaniers, der den Traum einer Spielerkarriere früh ad acta gelegt hatte.

Nach dem Abitur riet ihm sein Vater, ein Sportwissenschaftsstudium mit Schwerpunkt Basketball zu beginnen und nur noch hobbymäßig auf Korbjagd zu gehen. Das tat er in der spanischen Dritten und Vierten Liga. „Aber das mit dem Hintergedanken, intensiv auf meine und die gegnerischen Coaches zu achten, von ihnen zu lernen und das Spiel zu studieren“, sagte er in einem Interview mit „Basketball in Germany“.

„Calles ist für die Towers ein Glücksfall“

Nebenbei machte er in Spanien seine Trainerscheine, im Jahr 2009 erwarb er die A-Lizenz und beendete seine Spielerlaufbahn. Die Artland Dragons Quakenbrück holten Calles 2012 als Athletiktrainer in die BBL, ein Jahr später wurde er zum Assistenzcoach befördert, ehe er in gleicher Funktion 2015 nach Vechta ging.

Bei Rasta arbeitete er auch mit dem heutigen Towers-Center Jannik Freese zusammen. „Bei Pedro gilt das absolute Leistungsprinzip. Als Spieler weiß man immer, woran man bei ihm ist. Er ist ein autoritärer Spieler-Trainer, der nicht einschüchtert, aber mitreißen kann. Calles ist für die Towers ein Glücksfall“, sagt der 32-Jährige.

Nach fünf Jahren in Vechta, die er als schönste Zeit seines Lebens wertschätzt, will er nun gemeinsam mit Ehefrau Ana, dem einjährigen Juan und der acht Monate alten Carlotta in Hamburg sein Glück suchen und für gute Laune bei den Towers-Fans sorgen.