Basketball-Bundesliga

Towers legen sich auf Nachfolger von Mike Taylor fest

Erfolgscoach mit Babyface: Vechtas Pedro Calles.

Erfolgscoach mit Babyface: Vechtas Pedro Calles.

Foto: imago/Nordphoto

Pedro Calles, der Trainer von Rasta Vechta, könnte noch in dieser Woche als neuer Trainer der Hamburg Towers präsentiert werden.

Hamburg.  Kurze Hose, lässiges Shirt, Kurzhaarschnitt – Marvin Willoughby (42) nahm sich dann doch viel länger Zeit für ein Gespräch, als sein äußeres Erscheinungsbild zunächst vermuten ließ. Im „Time Out“ an der Neuenfelder Straße in Wilhelmsburg gab der Sportchef des Basketball-Bundesligaclubs Hamburg Towers Auskunft zur Situation des Clubs, zur Trainersuche und zu Gedankenspielen für die nächste Saison. „In spätestens zehn Tagen werden wir unseren neuen Trainer präsentieren. Danach stellen wir gemeinsam den Spielerkader zusammen“, sagte Willoughby. Den am 31. Juli auslaufenden Vertrag mit dem US-Amerikaner Mike Taylor (47) hatten die Towers nicht verlängert.

Drei Kandidaten schafften es in die Endauswahl, Näheres nannte der Sportchef nicht, das Profil schon: Bundesliga-Erfahrung, Kompetenz als Kaderplaner, keinen Nebenjob – eine andere Ansprache als Taylor, der als Spieler-Trainer gilt und die Misserfolge vielleicht zu oft schönredete. Falls der Wunschtrainer woanders unter Vertrag stünde, sei das kein Ausschlusskriterium. Nach Abendblatt-Informationen steht der Wechsel von Pedro Calles (36) von Rasta Vechta vor dem Abschluss. Noch in dieser Woche soll die offizielle Bestätigung folgen.

Bei der Trainersuche wurden intern mehr als ein Dutzend Namen diskutiert, zwei davon scheinen bei den Towers zumindest perspektivisch Chancen zu haben: Der bisherige und künftige Co-Trainer Benka Barloschky (32) und Sükran Gencay (34), die in den vergangenen fünf Jahren die Männer des Eimsbütteler TV bis in die 2. Bundesliga Nord ProB führte. „Wir haben uns schon länger mit ihr beschäftigt“, sagte Willough­by. „Eine Cheftrainerin würde irgendwann gut zur Marke Hamburg Towers passen.“ Neben Barloschky soll Athletiktrainer Melvyn Wiredu weiter zum Team gehören, Co-Trainer Austen Rowland nur, wenn der neue Coach nicht seinen eigenen Assistenten mitbringen möchte.

Dem neuen Mann mehr Kompetenzen einräumen

Willoughby wird – als Lehre aus der vergangenen Saison – dem neuen Mann mehr Kompetenzen einräumen, seine eigenen dafür beschneiden: „Grundsätzlich brauchen wir einen Sportdirektor, der sich vornehmlich um die Kaderplanung kümmert, was ich als geschäftsführender Gesellschafter der Towers nicht vollumfänglich leisten kann.“ In schwierigen Zeiten wie diesen, in denen jedes Budget mit vielen Fragezeichen versehen sei, müsse diese Personalie jedoch warten. Dafür soll der Trainer stärker in die Rekrutierung neuer Spieler eingebunden werden, die Rolle als Sportdirektor zum Teil mitübernehmen. Willoughby: „Seine Aufgabe wird es sein, die Typen und Charaktere zu verpflichten, die zu seiner Spielphilosophie passen.“

Dem Vorhalt, er habe zu Beginn der vergangenen Saison möglichst wenig Geld für neue Spieler ausgeben wollen, widerspricht Willoughby: „Wir haben schon einiges ausgegeben, nur eben für die falschen Spieler.“ Der Fehler sei vielmehr gewesen, „dass wir an den falschen Entscheidungen zu lange festgehalten und zu spät reagiert haben“. Ziel müsse es sein, „gleich so gute Spieler zu verpflichten, dass wir niemanden in der Saison auswechseln müssen“. Vor allem die als Führungsspieler Auserkorenen hätten die Erwartungen nicht erfüllt.

Willoughby kann nichts Schlechtes über Mike Taylor sagen

Einem Mike Taylor wiederum, sagte Willoughby, könne er auch nach der Trennung in die Augen blicken, „und vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja noch einmal“. Er könne nichts Schlechtes über ihn sagen, „obwohl schon in unserer Aufstiegssaison 2018/2019 nicht alles Gold war, was glänzte. Wir waren jetzt aber zu der Überzeugung gelangt, dass wir einen Trainer mit einer anderen Ansprache an die Spieler brauchen.“ Kein Towers-Profi habe schließlich in der vergangenen Saison sein Potenzial ausgeschöpft, was auch als Vorwurf an den Trainer verstanden werden kann. Knackpunkt des Verhältnisses war aber wohl Taylors Vertragsverlängerung in Polen, deren Nationalmannschaft er seit 2014 betreut. „Mike durfte im Herbst seinen Vertrag in Polen verlängern, nur hätte er danach auch Spiele gewinnen müssen“, sagte Willoughby. Als Tabellenletzter mit drei Siegen aus 20 Spielen blieben die Towers bei Abbruch der Punktrunde Ende April nur deshalb in der Klasse, weil die Bundesliga auf einen Absteiger verzichtete.

Eine zentrale Erkenntnis der vergangenen Spielzeit sei es gewesen, gesteht der Sportchef, „dass dir die Bundesliga kaum Zeit zum Entwickeln gibt“. Siege seien künftig der Anspruch, „wir wollen wachsen, wir müssen liefern, wir müssen in allen Bereichen besser werden – auch ich. Das traue ich mir aber auch zu.“

Neue Spielzeit verlangt den Bundesliga-Vereinen in der Planung alles ab

Die neue Spielzeit verlangt den Bundesliga-Vereinen in der Planung alles ab. Weder der Termin des Saisonstarts steht fest, mögliche Daten sind Mitte September bis Ende Oktober, noch die Lizenzbedingungen. Die Towers haben vier Szenarien kalkuliert: ohne Zuschauer, mit 500 Besuchern, darunter 100 Tickets für Sponsoren, mit einer Hallen-Auslastung von 40 und unwahrscheinlichen 100 Prozent. Entsprechende Klauseln werden von der Liga in die Spielerverträge aufgenommen. Ziel ist es, Regressansprüche zu vermeiden. Aus der vergangenen Saison müssen die Towers noch Forderungen von bisher 100.000 Euro und maximal 200.000 Euro aus verkauften Tages- und Dauerkarten begleichen. „Zudem haben neben vielen Fans auch 80 Prozent unserer Partner und Sponsoren erklärt, auf noch bestehende Ansprüche verzichten zu wollen. Das hilft uns sehr“, sagte Geschäftsführer Jan Fischer.