Basketball

Talfahrt der Hamburg Towers geht in Göttingen weiter

Göttingens Dennis Crämer (l.)  und Michael Carrera von den Hamburg Towers kämpfen um den Ball.

Göttingens Dennis Crämer (l.) und Michael Carrera von den Hamburg Towers kämpfen um den Ball.

Foto: picture alliance/Fotostand

Der Bundesliga-Aufsteiger kassiert beim 95:101 die achte Niederlage in Folge. Desolates zweites Viertel kostete das Spiel.

Göttingen. Es war ein gewohntes Gefühl für die Profis der Hamburg Towers, als sie am späten Sonnabend in den Bus Richtung Hamburg stiegen. Das 95:101 (37:58) bei der BG Göttingen war für das Tabellenschlusslicht bereits die achte Niederlage in Folge. Ein weiterer Dämpfer im Kampf um den Klassenerhalt. Während die Göttinger Fans sangen: „Zweite Liga, Hamburg ist dabei“, herrschte bei den Towers Ratlosigkeit und Enttäuschung.

„Uns fehlt manchmal die Intelligenz“, kritisierte Shootingguard Heiko Schaffartzik nach der Partie. Auch der sonst so positive Trainer Mike Taylor war vom Auftritt seiner Mannschaft enttäuscht. „Das war ein Rückschritt. Mich enttäuschen unsere Fehler in der Verteidigung. Zudem müssen wir effizienter werden“, sagte Taylor. Es waren Worte, die man so oft in den vergangenen Wochen vom 47-Jährigen gehört hatte.

In der Tat musste man auch nach den 40 Minuten von Göttingen konstatieren, dass die Towers nicht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Mal wieder verpennten die Towers den Start komplett. Fahrig, ohne Struktur in der Offensive, und phasenweise desolatem Abwehrverhalten machten es die Towers dem Überraschungsteam aus Niedersachsen einfach.

Bereits nach fünf Minuten lagen die Towers mit zehn Punkten (4:14) hinten. Ein Weckruf, der zunächst seine Wirkung nicht verfehlte. Nach und nach fanden die Hamburger im ersten Viertel besser in die Partie und führten nach zwölf Minuten sogar mit 27:26. Es sollte die letzte Führung an diesem Abend gewesen sein.

Carrera mit persönlichem Bundesliga-Rekord

Im zweiten Viertel zerlegte Göttingen die Towers in ihre Einzelteile. Die Gastgeber, die ohne ihre beiden Topstars Dylan Osetkowski (Sperre) und Alex Rouff (Rückenverletzung) auskommen mussten, konnten machen, was sie wollten. Zwischenzeitlich glich die Partie einem Dreipunkte-Wettbewerb bei einem Allstar-Wochenende. Göttingen traf am Ende 16 von 35 Dreipunkteversuchen (46 Prozent) Mit dem 21-Punkte Rückstand zur Pause waren die Hamburger noch gut bedient.

Außer dem wie schon in der Vorwoche gegen Crailsheim überragenden Forward Michael Carrera, der mit 31 Punkten eine neue persönliche Bestmarke in der Bundesliga aufstellte, fand kein Spieler auch nur annähernd Normalform. Leistungsträger wie Jorge Gutierrez und Yannick Franke, die beide im kompletten ersten Durchgang ohne Punkte blieben, gaben dem verunsicherten Team keinerlei Stabilität.

„Ich glaube, dass das zwei Viertel sehr wehgetan hat. Immer wenn wir einen Dreier, einen Stop oder einen Defensivrebound gebraucht hätten, war Göttingen erfolgreicher“, sagte Schaffartzik, der nach einer Wadenverletzung in den Kader zurückkehrte, aber ebenfalls enttäuschte.

Towers-Frust wird zunehmend größer

Wie so oft fanden die Towers erst zu ihrem Spiel, als sie mit dem Rücken zur Wand standen und scheinbar aussichtslos zurücklagen. Dank eines starken dritten Viertels (30:17) waren die Hamburger zur Überraschung aller wieder im Spiel. Auch weil Göttingen mit der scheinbar komfortablen Führung, zwei Gänge zurückschaltete. 1:36 Minuten vor dem Ende der Partie waren die Hamburger auf sechs Zähler dran (85:91), doch am Ende machten sich die Towers mit unerklärlichen Ballverlusten das Leben selbst schwer.

Am Ende standen 17 Turnovers in der Statistik. „Ich glaube, wir müssen einen Weg finden, dass wir die Läufe der Gegner minimieren. Da sind wir Spieler in der Verantwortung. Im Großen und Ganzen spielen wir eigentlich sehr gut in den vergangenen Wochen. Wir hatten in jedem Spiel zuletzt die Siegchance, schaffen es nur nicht zu gewinnen“ bilanzierte Schaffartzik.

Und der Frust wird von Niederlage zu Niederlage größer. Kapitän Beau Beech musste nach einem unsportlichen Foul ebenso vorzeitig vom Feld wie Center Bogdan Radosavljevic und Carrera, die beide auch ein technisches Foul kassierten. Dabei hatte Trainer Taylor vor dem Spiel noch eindringlich an die Mannschaft appelliert, das Meckern mit den Schiedsrichtern zu unterlassen. „Wir müssen mehr emotionale Disziplin an den Tag legen“, hatte der 47-Jährige gesagt. Doch seine Worte blieben ungehört.

Und so bleibt nach der neuerlichen Niederlage in Sachen Klassenerhalt nur das Prinzip Hoffnung. Aber enttäuschende Busreisen nach Niederlagen kennen die Profis der Hamburg Towers ja.