BBL

Hamburg Towers nach Overtime-Drama am Tabellenende

Zum Verrücktwerden: Michael Carrera und die Hamburg Towers zogen auch gegen Crailsheim trotz großen Kampfs den Kürzeren.

Zum Verrücktwerden: Michael Carrera und die Hamburg Towers zogen auch gegen Crailsheim trotz großen Kampfs den Kürzeren.

Foto: Witters

Hamburger verlieren auch das Heimspiel gegen Crailsheim. Gegen den Favoriten hatten sie Sekunden vor Schluss sogar noch geführt.

Hamburg. Die Hamburg Towers haben in der Basketball-Bundesliga auch ihr neuntes Heimspiel verloren, stürzten auf den letzten Tabellenplatz ab, der am Saisonende den Abstieg in die Zweite Bundesliga ProA bedeuten würde.

In der zum 23.-mal in Folge mit 3400 Zuschauern ausverkauften edel-optics.de Arena unterlagen sie dem Tabellenvierten Crailsheim Merlins, im Vorjahr ein Abstiegskandidat, mit 91:92 (21:30, 27:15, 19:23, 15:14, 9:10) nach Verlängerung. Bester Werfer: der Mexikaner Jorge Gutiérrez mit 25 Punkten. "Das ist unfassbar bitter, fast schon tragisch“, meinte Towers-Trainer Mike Taylor.

Dreierspezialist Heiko Schaffartzik fehlte wegen einer neuronalen Verhärtung der linken Wade, Center Price Ibeh droht wegen anhaltender Probleme mit seinen Handgelenken bis zum Saisonende auszufallen. Am nächsten Sonnabend müssen die Towers nach Göttingen. Auswärts (drei Erfolge) fiel ihnen das Siegen bisher leichter. Der nächste Versuch, ein Heimspiel zu gewinnen, steht am Sonntag, dem 15. März, um 15 Uhr gegen Ulm an.

Gedenkminute für Towers-Aufsichtsrat Thomas Beyer

Vor dem Tip-off würdigte der Club in einer Gedenkminute Thomas Beyer, dem vor zwei Wochen verstorbenen Aufsichtsratsvorsitzenden des Towers e.V., der für den Breitensportverein einen vielbeachteten Masterplan geschrieben hatte. Der ehemalige Hamburger Sportamtsleiter erlag im Alter von 66 Jahren einem Krebsleiden. Am Donnerstag war er auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt worden.

Der Start ins Spiel misslang danach den Hamburgern – einmal mehr. Nach 90 Sekunden lagen sie 0:7 zurück, weil sie schlecht warfen und ebenso schwach verteidigten. Der starke Venezolaner Michael Carrera (insgesamt 23 Punkte) setzte aber 20 Sekunden später mit seinem Korb zum 2:7 ein erstes Zeichen, und als Spielmacher Gutiérrez nach siebeneinhalb Minuten mit einem Dreier auf 19:20 verkürzte, schienen die Wilhelmsburger wieder im Spiel. Es blieb in diesem Moment ein trügerisches, da kurzes Zwischenhoch. Crailsheim zog schnell wieder auf 30:19 davon, nach zehn Minuten lagen die Towers 21:30 zurück.

Towers gewinnen zweites Viertel nach 16:0-Lauf

Im zweiten Viertel blieb die erhoffte Ergebnisheilung zunächst aus, die Towers trafen selbst aus kurzer Distanz nicht, leisteten sich zudem technische Fehler, ließen in der Verteidigung öfter die Übersicht vermissen. Doch es war der diesmal überragende Gutiérrez, der sein Team mit einer bis zur 17. Minute hundertprozentigen Trefferquote (zu diesem Zeitpunkt 16 Punkte) wieder heranführte.

Als dann der Niederländer Yannick Franke (insgesamt 20 Punkte) in der 28. Minute den 16:0-Lauf mit einen Dreier zum 42:39 krönte, erhoben sich die Fans von ihren Sitzen, bejubelten lautstark die erste Führung der Towers in diesem Spiel. Mit zwei verwandelten Freiwürfen stabilisierte Franke die Führung zur Halbzeit zum 48:45.

Center Radosavljevic mit fünftem Foul vom Feld

Nach dem Seitenwechsel bot die Begegnung weiter spannende Unterhaltung, die Führung wechselte wiederholt. Pech für die Towers: In der 24. Minute musste Center Bogdan Radosavljevic (2 Punkte/2 Rebounds) nach seinem fünften Foul vorzeitig vom Feld. Für seine letzte Aktion gegen Crailsheims Sebastian Herrera gaben die Schiedsrichter nach kurzer Beratung gleich zwei Fouls, eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Die Towers steckten den Rückschlag weg, nach zwei Körben ihres Kapitäns Beau Beech führten sie 67:65, ehe Crailsheims Herrera mit seinem dritten Dreier sein Team mit 68:67 in die letzten regulären zehn Minuten entließ.

Im Schlussabschnitt bauten die Baden-Württemberger ihren Vorsprung bis auf 76:67 (35. Minute) aus. Die Hamburger nutzten ihre guten Wurfchancen nicht, versuchten sich aber zu oft auch aus suboptimalen Positionen. In der 37. Minute musste dann auch Gutiérrez nach seinem zweiten technischen wegen Meckerns vorzeitig vom Feld.

Towers führten schon mit 88:82

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Towers den Rückstand bereits auf 77:81 verkürzt, und sie holten ihn auch ohne ihren Besten auf. Franke gelang 17 Sekunden vor Schluss mit einem Korbleger der Ausgleich zum 82:82. Das reichte für die fünfminütige Verlängerung.

Und in der führten die Towers nach zwei Minuten mit 88:82. Der erste Heimsieg schien zum Greifen nah. Fabian Becks Dreier zum 90:89 für Crailsheim, konterte Carrera zwölf Sekunden vor Schluss zum 91:90 für die Hamburger. Den Fangschuss setzte schließlich DeWayne Russel sechs Sekunden später zum 92:91 für Crailsheim, was finales Entsetzen auf den Rängen auslöste.