Basketball

Warum die Hamburg Towers eine Heimschwäche haben

Towers-Profi Michael Carrera visiert den Korb an, wirft und trifft!

Towers-Profi Michael Carrera visiert den Korb an, wirft und trifft!

Foto: Witters

Hamburger Bundesliga-Basketballer verlieren auch ihr sechstes Bundesligaheimspiel. Wie es jetzt weitergeht.

Hamburg.  Es war ein inzwischen gewohntes Gefühl, mit dem die Profis der Hamburg Towers am frühen Sonntagabend das Parkett der edel-optics.de Arena verließen. Das 72:79 (21:12, 15:30, 24:16, 12:21) gegen Rasta Vechta war die sechste Heimniederlage im sechsten Heimspiel der Basketball-Bundesliga. Dabei war der Aufsteiger diesmal so nah dran an einem Erfolg wie noch nie in dieser Saison. „Das ist Scheiße“, ärgerte sich Kapitän Beau Beech.

„Es ist frustrierend, dass wir auf einem guten Weg sind, uns in die Position gebracht haben, unser erstes Bundesligaheimspiel gewinnen zu können, und es dann doch nicht hinbekommen. Am Ende waren es mal wieder Details, die uns wehgetan haben.“

Towers schnupperten am ersten Heimsieg

In der Tat absolvierten die Towers ihr bestes Heimspiel der Saison. Nachdem die Hamburger nach seinem überragenden ersten Viertel (21:12) und einem fahrigen zweiten (15:30) mit einem Sechs-Punkte-Rückstand in die Kabine gingen, sorgte ein starkes drittes Viertel (24:16) dafür, dass die Hoffnung auf den ersten Bundesligaheimsieg der Clubgeschichte von Minute zu Minute größer wurde.

Noch zu Beginn des Schlussabschnitts führten die Hamburger in einem packenden Nordderby 62:61. Schlechte Entscheidungen in der Offensive und Abstimmungsprobleme im Abwehrverhalten sorgten dann dafür, dass Vechta die Partie noch auf seine Seite zog.

Towers können Gutiérrez-Ausfall nicht kompensieren

Ein Grund, warum die Towers mal wieder Probleme hatten, über 40 Minuten in Wilhelmsburg ihre Leistung abzurufen, war diesmal das Fehlen von Jorge Gutiérrez (31). Der bisher überragende Spielmacher zog sich beim 102:90-Auswärtssieg am Donnerstag bei den Telekom Baskets Bonn einen Pferdekuss oberhalb des Knies sowie eine Prellung seitlich des Gelenks zu. Heute soll eine MRT-Untersuchung Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben.

„Das war eine Vorsichtsmaßnahme. Ich denke nicht, dass er länger ausfallen wird“, sagte Trainer Mike Taylor: „Wir sind eine andere Mannschaft mit Jorge, der uns mit seiner Erfahrung natürlich gefehlt hat. In der ersten Halbzeit haben wir zwei von 15 Dreipunktewürfen getroffen. Das war ein kleiner Flashback, wie es war, als Gutiérrez noch nicht bei uns war – und was er inzwischen für unser Spiel bedeutet“, sagte der 47-Jährige.

Lob für aufblühenden Towers-Youngster

Den Job des Mexikaners teilten sich gegen den Play-off-Anwärter aus Vechta in erster Linie Toptalent Justus Hollatz (18) und Routinier Heiko Schaffartzik (35), der vor den Augen seines Vaters Walter, der seinen 68. Geburtstag in der Halle feierte, mit 15 Punkten – darunter sein 1000. BBL-Korb aus dem Feld – gemeinsam mit Michael Carrera (26) Topscorer der Towers war.

In Abwesenheit von Gutiérrez nutzte Hollatz die Chance, Werbung für sich zu betreiben und wichtige Erfahrungen zu sammeln. Der gebürtige Hamburger warf fünf Punkte, stand gegen Vechta 32:36 Minuten auf dem Parkett. So viel Spielzeit hatte der Publikumsliebling noch nie in seiner jungen Profikarriere. „

Man darf nicht vergessen, dass der Junge erst 18 ist. Justus hat das überragend gemacht. Ich habe es geliebt, wie er gespielt hat“, lobte ihn Trainer Taylor, der ohnehin nicht zu hart mit seinen Spielern ins Gericht gehen wollte.

Towers-Kapitän fordert deutliche Steigerung

Das Kalenderjahr 2019 war für die Towers ein besonderes. Alle Pflichtspiele in der heimischen Arena waren dieses Jahr ausverkauft. „Wir haben uns in Hamburg etabliert, sind sind wichtige Schritte in die richtige Richtung gegangen. Der Höhepunkt war in jedem Fall der Aufstieg Ende April in Chemnitz und der Tiefpunkt, als wir am ersten Bundesliga-Spieltag mit 56 Punkten Differenz bei Meister Bayern München 55:111 verloren haben“, bilanzierte Taylor.

Die Neujahrsvorsätze für 2020 sind klar umrissen. Der Klassenerhalt in der Bundesliga steht über allem. Dafür, das wissen alle Beteiligten, muss der Aufsteiger eine Hausmacht werden. „Es ist toll, dass wir auswärts so gute Leistungen gebracht und drei Siege eingefahren haben“, sagte Kapitän Beech. „Unsere Fans bereiten uns sehr viel Freude, vielleicht lasten wir uns deshalb aber zu viel Druck auf. Uns ist bewusst, dass wir 2020 in den Heimspielen ins Rollen kommen und uns einen echten Heimvorteil erarbeiten müssen“, ergänzte der US-Amerikaner.

Die erste Chance, die Neujahrsvorsätze erfolgreich in die Tat umzusetzen, haben die Towers am 25. Januar (20.30 Uhr), wenn s. Oliver Würzburg in Wilhelmsburg gastiert. Guten Rutsch!