Basketball-Bundesliga

Bayern erteilen Hamburg Towers eine Lehrstunde

Bayerns früherer NBA-Star Greg Monroe setzt sich mit seiner überlegenen Physis gegen die Towers Heiko Schaffartzik (l.) und Yannick Franke durch.

Bayerns früherer NBA-Star Greg Monroe setzt sich mit seiner überlegenen Physis gegen die Towers Heiko Schaffartzik (l.) und Yannick Franke durch.

Foto: Christofstache / WITTERS

Aufsteiger verliert sein erstes Spiel in der BBL beim Meister in München mit 55:111 (17:58). So fallen die Reaktionen der Towers aus.

München. Es war dieses Spiel, auf das die Towers in den acht Wochen ihrer Saisonvorbereitung hingefiebert hatten. Eine Standortbestimmung sollte es werden, eine Lehrstunde wurde es. 55:111 (7:23, 10:35, 17:34, 21:19) verloren die Hamburger ihre Bundesligapremiere beim deutschen Basketballmeister Bayern München.

Unter den 5704 Zuschauern im nicht ausverkauften Audi Dome fehlte Bayern-Präsident und Towers-Freund Uli Hoeneß – die Fußballer treten am Dienstagabend bei Tottenham Hostpur in der Champions League an. Dafür applaudierte Hoeneß' Frau Susanne auf der Tribüne den Münchnern, die ihrerseits den zweithöchsten Bundesligasieg der Vereinsgeschichte feierten.

Towers-Coach Taylor muss neu motivieren

Am Freitag (20.30 Uhr/Inselparkhalle Wilhelmsburg) gegen den Mitteldeutschen BC muss sich zeigen, welche Lehren Team und Trainer aus diesem Auftritt ziehen können. Es braucht eine gehörige Portion Optimismus und die bekannt große Zuversicht des Coaches, um sich ein erfolgreiches Heimdebüt vorstellen zu können.

Für Mike Taylor, der bei jeder gelungenen Aktion seines Teams aufmunternd in die Hände klatschte, hätte es ein Festtag werden können. Grauer Anzug, weißes Oberhemd, graue Krawatte, schwarze Lederschuhe – der Towers-Trainer hatte sich dem Ereignis angemessen gekleidet und war hinterher ziemlich enttäuscht: „Das war ein harter Schlag für uns. Aber wir müssen jetzt natürlich weiter machen.“

Willoughby will kühlen Kopf bewahren

Marvin Willoughby empfand auch ein Stück Demut, als er am Montagabend vor dem Spiel durch die Halle schlenderten. „Es war ein langer Weg bis hierhin. Nicht jeder Plan im Leben lässt sich umsetzen, nicht jeder Traum geht in Erfüllung, dieser schon. Dafür müssen wir dankbar sein, auch wenn das Ergebnis heute ernüchternd war“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter der Towers.

Doch zu viele Emotionen wollte er nicht an sich heranlassen. „Wenn wir in der Bundesliga bestehen wollen, müssen wir kühlen Kopf bewahren, ständig analysieren, was wir wann wie wo besser machen können. Das bleibt meine Aufgabe als Sportchef. Gerade nach einem Spiel wie diesem.“

Bayern München bediente sich in der NBA

Dass die Hamburger in ihrer ersten Erstligabegegnung noch nicht auf Korbhöhe mit den meisterlichen Münchnern werfen würden, konnte niemanden überraschen, dass sie dann so gar nicht ins Spiel fanden, schon. Die Kräfteverhältnisse waren aber auch entsprechend.

Während sich die Bayern zu dieser Saison mit NBA-Center Gregory Monroe (29) verstärkten, der 632 Spiele in der nordamerikanischen Profiliga absolvierte, 417 davon in der Starting Five, in neun Jahren rund 76 Millionen Dollar verdiente, fanden die Towers ihren neuen Spielmacher Kahlil Dukes (23) in der zweiten russischen Liga, nicht gerade als Hotspot des Profibasketballs bekannt. Monroe erzielte 18 Punkte, Dukes vier mit Freiwürfen.

Taylors Ansprache ändert wenig bei den Towers

Nach fünf Minuten nahm Taylor seine erste Auszeit. 4:12 stand es da, und die Hamburger hatten sich zwar in der Defensive zu diesem Zeitpunkt wenig vorzuwerfen, im Angriff fehlte aber nicht nur die Treffsicherheit aus allen Distanzen, auch am Kombinationsfluss und Spielverständnis haperte es.

Die Ansprache des Trainers änderte allerdings wenig am Verlauf. Die Bayern dominierten, die Towers dilettierten. Ihre Würfe fanden weiter nicht ihr Ziel. Sechs Minuten lang blieben die Hamburger ohne Korberfolg, die Unsicherheiten fraßen sich durchs ganze Team, ehe Tevonn Walker 93 Sekunden vor dem Viertelende wenigstens zum 6:19 einnetzte. Der Beginn einer Aufholjagd wurde es nicht.

Schaffartzik kassiert "höchste Klatsche" der Karriere

Immerhin gelang Kapitän Beau Beech zu Beginn des zweiten Viertels der erste erfolgreiche Dreier zum 10:24, nach zuvor sieben Fehlversuchen des Teams. Heiko Schaffartzik hatte ihn frei­gespielt. Der ehemalige Münchner war bei seiner Rückkehr in den Audi Dome mit freundlichem Applaus vom Münchner Publikum begrüßt worden. 1000 Punkte hatte er für die Bayern in zwei Jahren erzielt, gegen sie waren es zehn. Auch Marshawn Powell kam auf zehn Zähler.

Das ist Heiko Schaffartzik:

  • Geburtstag: 3. Januar 1984
  • Position: Guard
  • Größe: 1,83 Meter
  • 2002–2004 ALBA Berlin
  • 2004–2005 Gießen 46ers
  • 2005–2006 Selbytel Baskets Nürnberg
  • 2006–2007 EWE Baskets Oldenburg
  • 2007 Central Hoops Berlin
  • 2007–2008 EnBW Ludwigsburg
  • 2008–2009 LTi Gießen 46ers
  • 2009–2010 New Yorker Phantoms Braunschweig
  • 2010 Türk Telekomspor (Türkei)
  • 2011–2013 ALBA Berlin
  • 2013–2015 FC Bayern München
  • 2015–2016 Limoges CSP (Frankreich)
  • 2016–2018 Nanterre 92 (Frankreich)

„So hatten wir uns das nicht vorgestellt“, sagte Schaffartzik in einer ersten Reaktion. „Die Bayern spielen nun mal in einer anderen Liga, und wir hatten einen unglücklichen Tag. Dann kann so etwas passieren, auch wenn ich nicht gern die höchste Klatsche meiner Karriere kassiere. Wir müssen unsere Lehren aus diesem Spiel ziehen. Der nächste Gegner am Freitag ist vielleicht eher unsere Kragenweite.“

Bayern-Fans verhöhnen die Towers

Die zweite Halbzeit ist dann schnell erzählt. Die Münchner taten das wenige, was noch zu tun war, die Hamburger dribbelten ihren Ansprüchen wenigstens etwas entgegen.

Und zum Schluss freuten sich sogar die Münchner Zuschauer, wenn die Towers mal trafen. Zu oft war das auch in den zweiten 20 Minuten nicht, jedoch weit öfter als zuvor. Das letzte Viertel gewannen sie 21:19. Vielleicht ein Anfang.