Towers gegen Chemnitz

Was Taylor vor dem vorgezogenen Finale optimistisch stimmt

Darf Towers-Coach Mike Taylor im vierten Saisonspiel gegen Chemnitz am Ende endlich jubeln?

Darf Towers-Coach Mike Taylor im vierten Saisonspiel gegen Chemnitz am Ende endlich jubeln?

Foto: Witters

Hamburger Basketballer müssen im zweiten Play-off um den Bundesligaaufstieg die Kurve kriegen. Das Spiel ist ausverkauft.

Hamburg. Es ist erst das zweite von maximal fünf Spielen der Halbfinalserie der 2. Basketballbundesliga, für die Hamburg Towers hat das Wiedersehen mit den Niners Chemnitz heute Abend (19.30 Uhr, airtango.live) in der zum 15. Mal in dieser Saison mit 3400 Zuschauern ausverkauften Wilhelmsburger edel-optics.de-Arena aber fast schon finalen Charakter. Nach der 81:87 (20:20, 19:18, 29:20, 13:29)-Niederlage am Ostersonnabend in Sachsen müssen die Towers jetzt drei der nächsten vier Spiele gewinnen, um den angestrebten Bundesliga-Aufstieg zu realisieren.

Mit dem Siegen hätten die Hamburger bereits in Chemnitz beginnen können, aber ein Zehnpunktevorsprung vor den letzten zehn Minuten reichte erneut nicht, um die Niners zum ersten Mal in dieser Saison zu bezwingen. Schon beim Punktspiel im vergangenen November in Chemnitz (79:90) hatten die Towers eine klare Führung, damals elf Punkte, im Schlussabschnitt verworfen. Diesmal gelang den Chemnitzern vor 2870 Zuschauern in der voll besetzten Richard-Hartmann-Halle 3:30 Minuten vor Schluss die Wende, als sie nach langer Zeit mit 79:78 wieder in Führung gingen.

Taylor sieht keinen Grund zur Panik

„Diesmal wie damals – am Ende war unser Tank leer“, klagt Towers-Trainer Mike Taylor. „Wir haben defensiv zu viele Fehler begangen und gute Wurfpositionen nicht mehr genutzt.“ Dennoch, meint der US-Amerikaner, bestünde kein Grund zu Panik. „Das Spiel war ein sehr gutes zweier Topmannschaften. Ich bin stolz auf unseren Einsatzwillen. In Hamburg werden wir uns zurückkämpfen.“

Auch wenn der Coach kaum etwas anderes sagen darf, es gibt Ansätze für Taylors Optimismus. In allen drei bisherigen Spielen gegen Chemnitz, das Punktspiel im Inselpark verloren die Towers vor einem Monat nach zwischenzeitlichem Feueralarm und 25-minütiger Unterbrechung mit 77:80, waren die Hamburger nicht nur über weite Strecken der Begegnungen ebenbürtig, sie hatten sogar genügend Chancen, die beste Mannschaft der Hauptrunde zu schlagen. Dass es nun dreimal nicht geklappt hat, habe jedoch keinen mentalen Schaden hinterlassen, meint der Trainer.

Taylor beklagt falsche Entscheidungen

„Der Glaube, dass wir es schaffen können, ist ungebrochen“, sagt Taylor. „Ich bin sehr, sehr positiv gestimmt, weil die Jungs und ich gesehen haben, wie Chemnitz zu besiegen ist. Wir haben die Qualität dafür und viele Möglichkeiten in Angriff und Verteidigung. Wir müssen sie nur konsequenter nutzen.“ Zum Beispiel die Korbleger und Freiwürfe in der Schlussphase, von denen nur wenige durchs Netz flutschten. Konditionelle Probleme verneint der Trainer entschieden. „Alle Spieler sind fit, und in Chemnitz hat sich auch niemand verletzt.“ Was ist es dann? „Wir treffen in kritischen und hektischen Situationen nicht immer die richtigen taktischen Entscheidungen“, sagt Taylor.

Zum Matchplan in Chemnitz gehörte es, die Niners aus der Distanz werfen zu lassen, da die Towers-Scouts Dreipunktewürfe als eine der wenigen Schwächen dieser Mannschaft ausgemacht hatten. Das sei jedoch kein Grund gewesen, sagt Taylor, die Chemnitzer 6,75 Meter vom Korb entfernt unbedrängt an den Ball zu lassen. Mit 47 Prozent, sieben von 15 Treffern, lag ihre Erfolgsquote dadurch um rund 15 Prozent höher als im Durchschnitt ihrer vorherigen 18 Saisonspiele.

Immerhin: In der Balleroberung nach Fehlwürfen, den Rebounds, behielten die Towers mit 27:26 die Oberhand. Schwächen offenbarten sie einmal mehr im Zusammenspiel. Während die Chemnitzer Körbe 24-mal von Mitspielern vorbereitet wurden, passierte dies bei den Hamburgern bloß 14-mal. In diesem Bereich hatte die Mannschaft in der Saison schon bessere Werte.

Barhams Formkrise bereitet Sorgen

Sorgen bereitet derzeit auch die Form von Topscorer Andrew Barham, gewöhnlich ein Erfolgsgarant. Der US-Amerikaner schwächelt in den Play-offs, erzielte diesmal in 32:26 Minuten Einsatzzeit, kein Hamburger stand länger auf dem Feld, nur vier Punkte. Landsmann Beau Beech traf dagegen wieder, war mit 21 Punkten treffsicherster Werfer auf dem Parkett. Seine Qualitäten sind auch heute gefragt, wollen die Towers ihre Fans mit einem weiteren Heimspiel verwöhnen. Spiel vier würde nächsten Sonntag stattfinden.

Im zweiten Halbfinale verlor der Tabellenzweite Heidelberg sein erstes Spiel gegen die Nürnberg Falcons (3.) mit 77:87. Die Heidelberger hatten keine Lizenz für die Bundesliga beantragt.