Basketball

Karajica: „Die Towers sind eine Herzensangelegenheit“

Der Diplom-Ingenieur und Unternehmer Tomislav Karajica ist Hauptgesellschafter der Towers.

Der Diplom-Ingenieur und Unternehmer Tomislav Karajica ist Hauptgesellschafter der Towers.

Foto: Andreas Laible

Der Immobilienentwickler Tomislav Karajica über sein Engagement bei den Hamburger Basketballern und seine Pläne.

Hamburg. Tomislav Karajica, Jeans, offenes weißes Hemd, muss noch einige paar Telefongespräche erledigen. Der Tagesablauf des 42 Jahre alten Familienvaters – Inhaber und Gründer der Imvest Gruppe mit Sitz an der Drehbahn, Gesellschafter der Edeloptics GmbH, Hauptgesellschafter des Basketballclubs Hamburg Towers – ist von morgens bis abends verplant.

In Hamburg geboren, in Stellingen aufgewachsen, am Albrecht-Thaer-Gymnasium Abitur gemacht, nimmt sich der mehrmalige deutsche Karatemeister aber immer noch viel Zeit für sein Lieblingsprojekt, die Towers. Der Aufstieg in die Bundesliga bleibt das große Ziel, das die Mannschaft in den nächsten zwei Wochen in den Play-off-Spielen gegen die Niners Chemnitz umsetzen soll.

Am heutigen Sonnabend (19 Uhr, airtango.live) steigt beim besten Team der Hauptrunde die erste der maximal fünf Begegnungen, am Dienstag (19.30 Uhr) folgt in der zum 15. Mal in dieser Saison ausverkauften Wilhelmsburger edel-optics.de-Arena das erste Heimspiel gegen die Sachsen. Drei Siege sind zum Aufstieg nötig.

Hamburger Abendblatt: Herr Karajica, die wichtigste Frage gleich zu Beginn: Steigen die Towers in die Bundesliga auf?

Tomislav Karajica: Wir sind fest davon überzeugt, dass wir einen Spielerkader haben, mit dem wir selbst eine Mannschaft der Klasse der Niners Chemnitz besiegen können, was dann ja den Aufstieg bedeuten würde.

Wenn nicht, wäre auch eine mögliche Wildcard eine Option für Sie?

Darüber machen wir uns keine Gedanken. Wir wollen es sportlich schaffen.

Und falls das nicht gelingen sollte?

Dann werden wir genauso hart weiterarbeiten, um in den nächsten Jahren den Aufstieg immer mehr zu erzwingen. Wir werden uns weiter verstärken, auf dem Spielfeld, im Umfeld, die Strukturen weiter schärfen, bis es schon bald klappt.

Wie erleben Sie als Hauptgesellschafter, der weiß, wie viel an einem Sieg und einer Niederlage hängt, solche Entscheidungsspiele wie jetzt gegen Chemnitz?

Ich habe im Sport schon immer die Neigung zu kleineren emotionalen Ausbrüchen gehabt. Ich versuche mich zu zügeln, um auf einem fairen Level zu bleiben. Aber zum Sport gehören nun mal Emotionen, deshalb lieben wir ihn ja.

Warum engagiert sich ein Projektentwickler ausgerechnet in einem Sportclub? Sport ist schließlich nicht kalkulierbar.

Ich habe jahrelang Karate gemacht. Meine Jugend war vom Sport geprägt. Training, Wettkämpfe, sich durchbeißen. Das waren intensive Jahre als Heranwachsender. Die haben mich geprägt und zudem Interesse für alle Arten von Sport in mir geweckt. Und dass wir dann diese Begeisterung an die heute Zehn-, Zwölfjährigen weitergeben können, die Werte, die der Sport vermittelt, gegenseitiger Respekt in erster Linie, das ist mir ein sehr wichtiges Anliegen. Dafür stehen insbesondere Sportvereine!

Wie sind Sie bei den Towers gelandet?

Jochen Franzke, ein weiterer Gesellschafter der Towers, den ich aus der Immobilienbranche kannte, fragte mich 2013 noch vor der Gründung des Clubs, ob ich nicht als Kleinsponsor einsteigen will. Daraus ist schnell mehr geworden, weil mich die ganze Geschichte fasziniert hat, die Arbeit, die Jan Fischer und Marvin Willough­by mit ihrem Verein Sport ohne Grenzen in Wilhelmsburg damals schon geleistet hatten. Was mich überzeugt hat und heute noch viele unserer Partner überzeugt, ist, dass wir „More than Basketball“ sind. Wir wollen gewinnen, wir sind mega motiviert, wir wollen aber unsere Grundideale weiterleben. Zudem war ich der Meinung, dass Hamburg ein Basketball-Erstligaclub sehr gut zu Gesicht stände.

Wie abhängig sind die Towers von Ihnen?

Gar nicht mehr. Würde ich mein Sponsoring zurückziehen (Karajica sponsert die Towers mit seinen Firmen Imvest und Edeloptics, die Red.), würden die Towers auf demselben Level weiterspielen. Wir fragen uns aber ständig, wie stärken wir den Club, wie machen wir ihn noch unabhängiger von Einzelnen. Das Ziel ist, dass es die Towers in 20, 30 Jahren noch gibt, wenn Marvin, Jan und ich eines Tages nicht mehr dabei sein sollten.

Der Hamburger Sport klagt gern, dass sich die Unternehmen der Stadt zu wenig in den hiesigen Vereinen und Verbänden engagieren. Stimmen Sie da ein?

Es gibt Regionen, in denen es der Sport einfacher hat. Klagen ist aber immer der falsche Weg. Wir müssen uns fragen: Was können wir tun, um interessant für Sponsoren zu werden? Vermarktung, Markenbildung, Reichweitengenerierung, sportlicher Erfolg sind wichtige Parameter, bei denen man über Jahre den Beweis anzutreten hat, dass man einen guten Job macht. Das haben wir bei den Towers in den vergangenen fünf Jahren wohl ganz gut hingekriegt und entsprechendes Vertrauen geschaffen.

Dennoch fällt es auch Ihnen immer noch schwer, große Sponsoren zu finden.

Das stimmt so nicht. Bei den Towers wächst die Zahl der Partner von Saison zu Saison, in dem Hamburger Eisenbahnlogistikunternehmen VTG haben wir im Januar unseren ersten Hauptsponsor gefunden. Mein Eindruck ist, dass es vielen Partnern gefällt, wie Basketball zelebriert wird, dass es ein Event ist, dass alles mit einer gewissen Lässigkeit verbunden wird. Das macht Spaß, das kommt gut an und ist besonders familienfreundlich. Die Quote der Unternehmen, die ihr Engagement bei uns verlängern, ist extrem hoch.

Würden die Towers davon profitieren, wenn der HSV im Mai nicht in die Fußballbundesliga zurückkehrte?

Wenn überhaupt, dann wäre das allenfalls ein sehr kurzfristiger Effekt. Alle Vereine profitieren erfahrungsgemäß am meisten davon, wenn generell ein leistungssportfreundliches Klima in der Stadt herrscht, wenn hier Topmannschaften spielen, dass es nichts Exotisches ist, sich im Profisport zu engagieren. Insofern wünschen wir dem HSV und allen anderen größtmöglichen Erfolg. Der hilft am Ende allen – auch uns.

Sie wollen den Towers eine neue Heimat bauen. Wie ist der Stand beim Elbdome, einer Mehrzweckhalle für bis zu 9000 Zuschauer, die rund 150 Millionen Euro kosten soll und die Sie privatwirtschaftlich finanzieren wollen?

Im Augenblick läuft das Testplanungsverfahren nicht nur für den Elbdome, sondern für den gesamten Eingangsbereich Elbbrücken. Der Elbdome wird dabei aus stadtplanerischer Sicht überprüft. Wie wird er verankert, in welchem Kontext steht er zu anderen Bauten? Das braucht seine Zeit.

Die größte umweltpolitische Herausforderung scheint für den Elbdome die Zuschüttung des Billehafenbeckens, eines Süßwasserwatts, zu sein. Ziehen Sie inzwischen andere Standorte für die Arena in Erwägung?

Es gibt keinen Plan B. Mit allen angesprochenen Thematiken, der Verkehr wäre eine weitere, beschäftigen wir uns seit zweieinhalb Jahren. Sie sind aus unserer Sicht alle lösbar. Der Standort hat zahlreiche Vorteile, etwa dass die U- und S-Bahn-Station Elbbrücken zu Fuß in wenigen Minuten zu erreichen ist.

Im benachbarten Rothenburgsort fürchten viele Menschen wegen des Elbdomes und des gegenüberliegenden Elbtowers die Gentrifizierung ihres Stadtteils.

Kommt der Elbdome, kann der Standort wie ein Scharnier wirken, zu einer Begegnungsstätte werden, mit tollen Themen und Angeboten in und um den Elbdome herum. Das Ziel ist es, dort Menschen zusammenzubringen, und zwar über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg.

Wäre für die Towers der Aufstieg in die Bundesliga ohne die Perspektive Elbdome ein unkalkulierbares Risiko? Um konkurrenzfähig zu sein, müssten Sie wahrscheinlich in Liga eins Ihren Etat von jetzt 2,7 Millionen Euro nahezu verdoppeln.

Um sich in der Bundesliga zu etablieren und nicht jede Saison wieder gegen den Abstieg kämpfen zu müssen, ist eine Arena dieser Größenordnung auf Dauer unverzichtbar. Ohne eine Halle mit dieser Besucherkapazität wird sich keine Handball-, Eishockey- oder Basketballmannschaft in Hamburg langfristig in der Ersten Liga halten können. Das war ja unsere Überlegung: Wie schaffen wir eine nachhaltige Entwicklung der Towers? Das Ergebnis war der Elbdome; den Hamburg aber auch als Arena für andere Veranstaltungen braucht, für Kultur, Konzerte, Messen.

Ist der Elbdome Ihr Herzensprojekt? Und: Kann man sich Emotionen als Projektentwickler überhaupt leisten?

Zweimal ein klares Ja. Wenn Sie von einem Projekt nicht überzeugt sind, wenn da nicht Ihr Herzblut einfließt, können Sie andere auch nicht überzeugen mitzumachen. Das Pilotprojekt von Home United „Hamburger Ding“ am Nobistor basiert gerade auf Emotionen, und auch die Towers spielen dort eine Rolle. Mit unserem wachsenden Partnernetzwerk werden wir Business, Sport und Event neuartig zusammenführen. Dieses zukunftsweisende Grundkonzept erfreut sich so großen Zuspruchs und großer Nachfrage, dass ich mit meinem Partner Rolf Elgeti dabei bin, dieses im deutschsprachigen Raum auszurollen.

Sie haben in den vergangenen Wochen auch den österreichischen Zweitliga-Fußballclub Austria Klagenfurt gekauft und beteiligen sich am insolventen Regionalligaverein Viktoria Berlin. Wie passt das alles zusammen?

Inspiriert durch die Towers ist in mir die Idee gereift, Sport, Events und Orte in einer zukunftsweisenden Symbiose mit analogen und digitalen Inhalten und insbesondere einem sehr starken Partnernetzwerk zu verknüpfen. Aus diesem Grund investiert Home United gezielt in den Sport- und Entertainmentbereich als auch in neue digitale Lösungen.

Wo sehen Sie die Potenziale in Klagenfurt und Berlin?

Zunächst einmal ist uns bei allen Engagements wichtig, dass sie für sich genommen Sinn ergeben und die Rahmenbedingungen gegeben sind, damit die Organisationen mit gezielten Investitionen wirtschaftlich stabilisiert werden können und sich perspektivisch selbst tragen. In Klagenfurt existiert eine hervorragende Infrastruktur, das Wörthersee­stadion ist unglaublich schön. Neben der Arena gibt es eine Nachwuchsakademie und einen Olympiastützpunkt. Das sind beste Voraussetzungen, um den Club erfolgreich und nachhaltig weiterzuentwickeln. In Berlin wiederum kam es durch den plötzlichen Rückzug eines Investors dazu, dass ein unglaublich traditionsreicher und mitgliederstarker Verein in die Insolvenz schlitterte. Wir sind nun dabei, eine schlagkräftige Investorengruppe zusammenzustellen und neue Strukturen mitzugestalten. Bei der Gründung von Home United hatten wir von vornherein auch die Absicht, in den Fußball zu investieren und haben dafür verschiedene Konstellationen analysiert. In Klagenfurt werden wir uns verstärkt selbst engagieren, in Berlin sehen wir uns als Partner in einem Konsortium. Es laufen bereits sehr gute Gespräche mit möglichen Mitstreitern.

Wo soll die Reise mit diesen Clubs hingehen?

Mit Austria Klagenfurt wollen wir so schnell wie möglich zurück in die österreichische Bundesliga. Bei Viktoria Berlin haben wir erst einmal die Insolvenz abgewendet und sichergestellt, dass es dort weitergeht. Jetzt schauen wir, wie wir helfen können, ein nachhaltiges, stabiles Konzept auf die Beine zu stellen.

Um mit Viktoria mittelfristig in die Bundes- oder Zweite Liga aufzusteigen?

Zunächst geht es darum, die Regionalliga zu halten und neue Strukturen zu schaffen. Zurzeit läuft ein Ausgliederungsprozess der Fußballabteilung. Die Bundesliga oder Zweite Liga sind weder die nächsten noch die übernächsten Ziele.

Kann man mit diesen beiden Clubs überhaupt Geld verdienen?

Beide Standorte haben das Potenzial dafür, auch wenn es zunächst viel Arbeit und auch Investitionen braucht. Es ist aber unser Anspruch, dass die Vereine wirtschaftlich funktionieren.

Haben Sie auch überlegt, in Hamburg in einen Fußballclub zu investieren?

Nicht wirklich. In Hamburg konzentriere ich mich ausschließlich auf die Towers. Da sind wir dabei, neben der Profimannschaft einen großen Breitensportclub im Wilhelmsburger Rathausviertel aufzubauen. Für unser Projekt eines Quartiersporthauses, das rund 19 Millionen Euro kosten wird, haben wir vergangene Woche die Zusage vom Bund erhalten, der unser Vorhaben mit 4,5 Millionen Euro unterstützen will. Dazu werden wahrscheinlich finanzielle Hilfen der Stadt kommen. Auf diese Signale hatten wir gewartet, jetzt kann es losgehen.

Austria Klagenfurt, Viktoria Berlin und die Towers sind drei sehr unterschiedliche Projekte. Gibt es da Synergien?

Ich bin zuversichtlich, dass es welche gibt, beispielsweise in der Vermarktung. Auf jeden Fall werden unser Netzwerk und unser Know-how größer. Dadurch könnten sich neue Möglichkeiten bieten.

Planen Sie, sich noch bei weiteren Clubs zu engagieren?

Vorerst nicht. Das bringt ja alles einen Haufen Arbeit mit sich, gerade in diesen Aufbauphasen. Wir fokussieren uns ja nicht nur auf die Profimannschaften, wir wollen wie bei den Towers auch die Vereinsarbeit entwickeln. Das schafft man nicht über Nacht. Wir werden uns aber im Entertainmentbereich und bei digitalen Themen noch breiter aufstellen, unser Netzwerk dahingehend erweitern.

Bei der Betrachtung Ihrer verschiedenen Projekte und der Höhe Ihrer Investments scheint der Aufstieg mit den Towers derzeit nicht Ihr wichtigstes Anliegen zu sein.

Das täuscht. Emotional gibt es da für mich keine Alternative. Wichtig ist für uns allerdings auch, dass wir die Basis des Clubs stärken. Ohne dieses Fundament sind Leuchtturmprojekte wie eine Bundesligamannschaft nicht nachhaltig. Deshalb forcieren wir den Aufbau eines Großsportvereins, den ein wachsender und sich wandelnder Stadtteil wie Wilhelmsburg dringend braucht. Jugend-, Schul- , Sozial- und Stadtteilarbeit waren und sind die Grundwerte der Towers, davon entfernen wir uns auch nicht. Wir versuchen einen Verein aufzubauen, der in sich und unabhängig von den Basketballprofis funktioniert, und das nicht nur ein paar Jahre, sondern über Jahrzehnte.

Sie sind dabei, eine Towers-Stiftung zu gründen. Was wird deren Aufgabe sein?

In die Stiftung werden das Grundstück und das Vereinshaus des Towers e. V. als Vermögenswerte fließen, so dass diese unantastbar sind und nicht für irgendwelche Träumereien des Profisports beliehen werden können.