Basketball

Towers-Headcoach: „Die Erste Liga ist unsere Vision“

Towers-Coach
Hamed Attarbashi (l.) ist auch an der Seitenlinie stets akribisch: Hier
gibt er Jugendnationalspieler Janis Stielow, 20, Anweisungen

Towers-Coach Hamed Attarbashi (l.) ist auch an der Seitenlinie stets akribisch: Hier gibt er Jugendnationalspieler Janis Stielow, 20, Anweisungen

Foto: Witters

Coach Hamed Attarbashis sprach mit dem Hamburger Abendblatt über die erste Spielzeit der neuen Hamburger Basketballer.

Hamburg.  Die Hamburg Towers haben in ihrer Premierensaison in der Zweiten Basketball-Bundesliga ProA begeistert, auch wenn der 0:3-K.-o. im Play-off-Viertelfinale gegen Aufstiegstopfavorit Baskets Würzburg ernüchternd war. Coach Hamed Attarbashi, 38, dessen Vertrag bereits verlängert wurde, spricht im Interview über die vielen Verletzungen, die Kaderplanung und den steigenden Erwartungsdruck.

Hamburger Abendblatt: Zum Saisonausklang waren Sie mit Ihrem Team und Sportdirektor Marvin Willoughby beim HSV und haben die 0:2-Pleite gegen den VfL Wolfsburg mitverfolgt. Wie war’s?

Hamed Attarbashi: Als Erlebnis? Eine schöne Sache! Unsere Amis waren zum ersten Mal in einem Fußballstadion. Aber Marvin und ich haben gelitten. Ich bin glühender HSV-Fan. Als ich nach Deutschland kam, war mein sechsjähriger Nachbar Ronald HSV-Anhänger. Da gab es keine Alternative. Es wird auch diesmal wieder gut gehen. Irgendwie.

Ihre Spielzeit ist nach einer herben 48:90-Niederlage am Freitag in Würzburg vorbei. Sind Sie enttäuscht?

Attarbashi : Klar, ein bisschen, aber das Spiel spiegelt nicht unsere Saison wider, in der wir alle 30 Spieltage auf einem Play-off-Platz standen. Ich konnte den Jungs keinen Vorwurf machen. Es war das dritte Spiel in einer Woche. Wir waren nur zu neunt, unser Kapitän Will Barnes hat wegen Knieproblemen gefehlt. Robert Ferguson war total am Ende, der konnte kaum noch laufen. Mit acht halbwegs gesunden Spielern ist man nicht konkurrenzfähig gegen das mit Abstand beste Team der ProA.

Sie sprechen die Verletzungen an. Müssen Sie künftig Spieler mit schmaleren Krankenakten holen, anders trainieren oder den Physiotherapeuten wechseln?

Attarbashi : Wir haben in den letzten Wochen viel mit den Ärzten und Therapeuten gesprochen, die Verletzungen haben uns total aus der Bahn geworfen. Aber bis auf unsere Youngster Bazou Koné und Janis Stielow hatten wir keine Langzeit-Verletzten, wir hatten auch keine Muskelfaserrisse von falschem Training. Wir sind einfach mit einem sehr kleinen Kader in die Saison gegangen. Wenn ein Unternehmen nur 15 Mitarbeiter hat und ein anderes 20 und wenn von 15 Mitarbeitern zwei krank werden, müssen die anderen noch mehr arbeiten und werden selbst auch eher krank. Unsere Physiotherapeuten aus dem EPI -Zentrum haben rund um die Uhr gearbeitet. Mit den Möglichkeiten dort haben wir im Vergleich zu anderen ProA-Ligisten definitiv einen Vorteil.

Im Saison-Rückblick ist auch der prompte Zuschauerzuspruch für die Towers bemerkenswert. Die Inselparkhalle war regelmäßig mit 3001 Fans ausverkauft.

Attarbashi : Und das ist in Hamburg nicht so einfach. Die Leute kommen, und wir begeistern. Eine Anekdote: Ein Trainer-Freund von mir kann sich die Spiele in der Halle kaum noch angucken, weil er sie nur analytisch gucken will und nicht als Fan. Wenn er aber als Einziger sitzen bleibt, flippen die Leute aus und brüllen ihn an: „Mensch, steh mal auf!“ Ich glaube außerdem, dass wir damit Sympathien gewonnen haben, wie wir als Organisation aufgetreten sind – ehrlich und ohne Hochmut.

Sie als Workaholic planen sicher schon die kommende Saison. Alle Spieler hatten nur Einjahresverträge. Wer bleibt?

Attarbashi : Ich äußere mich noch nicht zu Namen. Wir waren mit allen zufrieden. Klar ist, dass wir die jungen Deutschen gern weiter in Hamburg sehen und mit einem Gerüst weiterarbeiten wollen. Aber das Wettrennen ist global. Ein Terry Thomas, der ein gutes erstes Jahr in Europa hatte, könnte ja auch in Finnland oder Israel spielen.

Wie beurteilen Sie die Kooperation mit Rist Wedel bisher? Von dem ProB-Verein hört man vorsichtige Kritik, sie hätten manchmal gern früher erfahren, wann sie die Spieler zur Verfügung haben.

Attarbashi : Wir können uns alle in vielem verbessern, aber für das erste Jahr war das schon gut. Wir waren erfolgreich, Wedel auch, René Kindzeka und Janis Stielow haben ihre Einsätze in der ProB bekommen. Ich denke, Wedel hat von der Kooperation enorm profitiert. Man muss sich fragen: Wäre ein Stielow überhaupt noch in Hamburg, wenn es die Piraten und die Towers nicht gäbe?

In der Hinterhand haben Sie noch Hamburgs größtes Talent, Louis Olinde, 17. Was macht den Sohn des ehemaligen Bundesliga-Stars Wilbert Olinde aus?

Attarbashi : Er bringt den Körper mit. Er ist sehr groß, dafür sehr beweglich und vielseitig ausgebildet. Und charakterlich ist er ein feiner Junge, hat ein super Elternhaus. Der Vater weiß ja genau, wovon er spricht. Louis ist höflich, bescheiden und zugleich selbstbewusst.

Bisher genossen die Towers Welpenschutz. Nun steigt der Erwartungsdruck. Geschäftsführer Pascal Roller hat mal einen Dreijahresplan mit dem Aufstieg nach der Saison 2016/17 angedeutet.

Attarbashi : Man muss betonen: Es war nicht normal, mit einem Spieleretat aus dem unteren Ligadrittel Achter zu werden. Aber die Vision ist die BBL, und ich glaube an Hamburg und die Geschäftsleitung, die einen super Job macht.

Sportsenator und Dauerkartenbesitzer Michael Neumann (SPD) sagt, die Türme hätten mehr für Wilhelmsburg getan als Millionen Fördergelder. Ist das so?

Attarbashi : Die Zusammenarbeit zwischen den Towers und dem Stadtteil hat jetzt erst begonnen. Wir mussten erst mal spielfähig sein. Es bringt ja nichts, wenn wir Kooperationen mit 20 Schulen haben, aber die Mannschaft alles verliert und es uns nach einem Jahr nicht mehr gibt. Wie viele Leute direkt aus Wilhelmsburg zu unseren Spielen kommen, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass viele Hamburger nach Wilhelmsburg kommen und ihre Meinung ändern. Und vielleicht werden sich deren Kinder, wenn sie studieren, in Wilhelmsburg eine Wohnung suchen. Der Austausch zwischen Hamburg und dem Stadtteil ist extrem angeregt worden.