Pferdesport

Weltelite der Buschreiter misst sich in Luhmühlen

Andreas Dibowski 2018 auf Llanero im Gelände von Luhmühlen.

Andreas Dibowski 2018 auf Llanero im Gelände von Luhmühlen.

Foto: Stefan Lafrentz / imago/Stefan Lafrentz

Das traditionsreiche Vielseitigkeitsturnier startet an diesem Donnerstag – die Verletzungsgefahr soll dieses Jahr geringer werden.

Salzhausen. Es ist der Haupttag der Anreise. Wagen mit Anhänger, große Wohnmobile bestimmen schon seit der Nacht das Straßenbild. Da an diesem Mittwochnachmittag die erste Verfassungsprüfung ansteht, also die Sportpferde den Tierärzten zur Ansicht vorgestellt werden müssen, ist in der Westergellerser Heide und speziell in Luhmühlen, dem Ortsteil von Salzhausen, mächtig Geschäftigkeit angesagt.

Das traditionelle Vielseitigskeitsreitturnier, die „Luhmühlen Horse Trials“, wird in dieser Woche von Donnerstag (13. Juni) bis Sonntag ausgetragen. Neben der internationalen Fünf-Sterne-Prüfung ist es zugleich die 30. Deutsche Meisterschaft in den Disziplinen Dressur (Donnerstag), Geländeritt (Sonnabend) und Springen (Sonntag). Im August wird zudem die sechste Europameisterschaft ausgetragen. „Im Kopf habe ich zurzeit zwei Ordner geöffnet“, sagt Julia Otto (50). „Das eine ist ohne das andere nicht zu denken und zu organisieren.“

Es gibt eine Fohlen- und Verkaufsschau

Auch Julia Otto feiert in diesem Jahr ein kleines Jubiläum. Seit 20 Jahren schon arbeitet die Veranstaltungsexpertin für die Turniergesellschaft Luhmühlen. Erst als Assistentin der Geschäftsleitung, seit 2003 als allein verantwortliche Geschäftsführerin. Arbeiten rund um die Uhr ist angesagt. Bis Donnerstag, dem ersten Wettkampftag, muss alles stehen und für die Fernsehübertragungen (NDR, Sonnabend 16 bis 17 Uhr, Deutsche Meisterschaft Geländeritt, Sonntag 15 bis 16 Uhr, Springen) verkabelt sein. Aber auch das Unterhaltungsprogramm für die Zuschauer mit einem Gelände-Führzügelwettbewerb sowie einer Fohlen- und Verkaufsschau gilt es, ins Sportgeschehen zu integrieren.

Wegen des Pfingstfeiertags am Montag war der Dienstag für alle Helfer sozusagen Großkampftag. „Unser Knackpunkt“, sagt Julia Otto. „Aber wir haben den Ausfall schon fast kompensiert.“ Die gebürtige Hamburgerin ist mit dem ehemalige Amateur-Vielseitigkeitsreiter Hubertus Otto verheiratet. Selbstausbeutung ist in diesen Tagen vor allem für die Ehefrau eine Selbstverständlichkeit.

Olympiakader geht an den Start

Weltweit gehört Luhmühlen zu den sechs größten Vielseitigkeitsprüfungen – mit den internationalen Top-Reitern am Start. In diesem Jahr hat der gesamte deutsche Olympiakader mit all seinen hoch dekorierten Stars gemeldet: Sandra Auffarth, Andreas Dibowski, Michael Jung, Ingrid Klimke, Julia Krajewski, Jörg Kurbel, Andreas Ostholt, Kai Rüder und Josefa Sommer sowie die Perspektiv­kader und Nachwuchskader U25. Insgesamt sind neben den Deutschen auch Reiter aus 17 Nationen am Start. Sogar drei Japaner haben den Weg in die Heide auf sich genommen – 2020 finden die Olympischen Spiele in der Hauptstadt Tokio statt. Aber auch sieben der Top Ten der aktuellen Weltrangliste sind dabei, unter ihnen die Nummer eins: Oliver Townend aus Großbritannien.

Wie schon 2018 heißt der Designer des Parcours Mike Etherington-Smith aus Großbritannien. Zwar überschattete im vergangenen Jahr der Unfall der Belgierin Chloe Raty mit ihrem Wallach Alex Z das Turnier. Das Tier musste nach einem Sturz im Gelände eingeschläfert werden, die Reiterin blieb weitgehend unverletzt. Doch auch in diesem Jahr wurden die Einzelsprünge, Hindernisse und anderen Elemente so gestaltet, „dass sie Sport auf höchstem Niveau garantieren“, wie Etherington-Smith sagt. Und andererseits durch besondere Nachgiebigkeit bei Druck die Gefahr eines Sturzes und daraus resultierender Verletzungsgefahr möglichst klein halten. „Wir haben in dieser Frage seit Monaten die Köpfe zusammengesteckt“, sagt Otto. „Aber ausschließen lässt sich in diesem Sport trotzdem nichts.“