Auswirkungen auf den Sport

Der FC St. Pauli hofft trotz Coronavirus auf volle Ränge

Der FC St. Pauli hofft auch in Zukunft auf volle Ränge im Millerntor-Stadion – wie hier beim letzten Heimspiel gegen den VfL Osnabrück.

Der FC St. Pauli hofft auch in Zukunft auf volle Ränge im Millerntor-Stadion – wie hier beim letzten Heimspiel gegen den VfL Osnabrück.

Foto: Axel Heimken / dpa

Geisterspiele in Fürth und Stuttgart für den HSV. Eishockeyligen beenden die Saison – wohl keine Play-offs für die Crocodiles.

Hamburg. Am Dienstagmorgen verkündete der FC St. Pauli auf seiner Homepage, dass ab sofort auch VIP-Tickets für die kommenden vier Zweitliga-Heimspiele direkt über „unseren neuen Online-Shop“ erworben werden können. Explizit aufgeführt auf der Liste war auch die Begegnung gegen den 1. FC Nürnberg (So, 13.30 Uhr). Der Einzelpreis der VIP-Tickets beträgt 214 (Südtribüne) und 238 Euro (Haupttribüne).

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war überraschend, um nicht zu sagen: irritierend. Schließlich steht seit einigen Tagen das Szenario im Raum, dass es aufgrund der Bedrohung durch das Coronavirus sehr zeitnah in Deutschland keine Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern mehr geben wird. Und so wurden im Laufe des Dienstags auch etliche Nachrichten aus dem In- und Ausland mit diesem Inhalt publik, wie die Übersicht in diesem Bericht zeigt.

Gesundheitssenatorin: Großveranstaltungen nicht pauschal wegen Coronavirus absagen

Der Umgang mit dem Thema in Hamburg blieb dagegen in Bezug auf größere Events in naher Zukunft offen. Auf der Landespressekonferenz stellte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) fest, dass Großveranstaltungen in Hamburg nicht pauschal abgesagt werden müssen. „Es handelt sich um einzelfallbezogene Entscheidungen, bei denen mehrere Faktoren eine Rolle spielen“, sagte sie. Die Teilnehmerzahl sei nur ein Kriterium, aber nicht das alleinige. Auch der Ort der Veranstaltung werde berücksichtigt, ob es sich etwa um eine Freiluftveranstaltung oder einen schlecht belüfteten Raum handele.

Damit wich die Senatorin von der Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) ab, der dafür plädiert, Events ab 1000 Besuchern abzusagen. Was die Aussagen von Prüfer-Storcks konkret für den FC St. Pauli, der ab sofort nicht mehr öffentlich trainiert, und das anstehende Heimspiel gegen Nürnberg bedeuten werden, blieb erst einmal offen. Die Hoffnung, dass die größte Hamburger Sportveranstaltung dieser Woche wie geplant mit den erwarteten knapp 30.000 Zuschauern stattfinden kann, besteht also zunächst weiter.

Diese Hoffnung wurde im Laufe des Tages auch dadurch genährt, dass Bundesliga-Aufsteiger Union Berlin sogar ausdrücklich die Erlaubnis der örtlichen Behörden erhielt, das Heimspiel gegen Bayern München am Sonnabend wie geplant in seinem ausverkauften Stadion (22.012 Zuschauer) auszutragen. Völlig gegensätzlich aber stellt sich die Situation in anderen Regionen, Ländern und Sportarten dar.

Bayern: Die Regierung des Freistaates untersagte bis einschließlich 19. April alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern. Betroffen davon sind alle Heimspiele der bayerischen Fußball-Erst- und Zweitligisten, aber auch das Länderspiel zwischen Deutschland und Italien am 31. März in Nürnberg, das jetzt ebenfalls vor leeren Rängen ausgetragen wird. Auch der HSV wird die Folgen spüren, seine Zweitligapartie am Freitag (18,30 Uhr/Sky) bei Greuther Fürth wird ebenso als Geisterspiel ausgetragen wie das Topspiel in Stuttgart (Baden-Württemberg) am 6. April. „Wir finden es aus sportlicher, atmosphärischer und wirtschaftlicher Sicht extrem schade, dass es nun zu solchen Geisterspielen kommt und wir in Fürth auf unsere treuen und lautstarken Fans verzichten müssen. Wir hoffen aber im Sinne der Bevölkerung, dass diese Maßnahmen zur Verringerung einer weiteren Ausbreitung des Virus beitragen können“, sagte HSV-Chef Bernd Hoffmann. Für das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld am 21. März gibt es noch keine Entscheidung.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Bremen: Neben Bayern haben auch diese drei Bundesländer Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern untersagt (Baden-Württemberg wird wohl kurzfristig folgen). Somit wird auch das Bundesliga-Nachholspiel (Mi, 18.30 Uhr/Sky) zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln ebenso als Geisterspiel durchgeführt wie am Sonnabend das Revierderby zwischen Dortmund und Schalke. Aus Bremen kam die Ansage, dass Werders Heimspiel am Montag gegen Leverkusen „entweder vor leeren Rängen oder gar nicht“ stattfinden wird. Auch die Bundesliga-Handballer des THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt müssen bis mindestens 10. April ohne Zuschauer spielen.

Ausland: Österreich setzt bis Anfang April alle Freiluftveranstaltungen mit mehr als 500 Zuschauern aus, Spanien verfügte, dass die nächsten beiden Spieltage der ersten und zweiten Fußballliga des Landes ohne Zuschauer stattfinden müssen. Dies gilt auch in Frankreich bis zum 15. April und in Portugal zunächst ohne zeitliche Begrenzung.

Basketball: Die Bundesligamänner der Hamburg Towers gehen davon aus, dass die Partie in der edel-optics.de Arena am Sonntag (15 Uhr) gegen Ratiopharm Ulm stattfindet. „Natürlich gehört es bei Großveranstaltungen derzeit dazu, darauf zu verweisen, dass wir Personen mit akuten respiratorischen Symptomen darum bitten, nicht in die Arena zu kommen“, sagt Geschäftsführer Marvin Willoughby. Die Bundesliga hat eine Ligatagung auf diesen Donnerstag vorgezogen. Von Geisterspielen bis zur Aussetzung der restlichen Saison scheint alles möglich. Aufgrund der Verfügung in Bayern ist zudem unklar, ob das nächste Auswärtsspiel der Towers in Bayreuth am Dienstag kommender Woche ohne Zuschauer ausgetragen oder abgesagt wird.

Coronavirus: Das müssen Sie über Fachbegriffe wissen

  • Coronavirus: Eine Klasse von Viren, zu denen der neuartige Erreger gehört
  • SARS-CoV-2: Die genaue Bezeichnung des Virus, das sich von China aus verbreitet
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Eishockey: Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) hat als erste deutsche Profiliga zur drastischsten Maßnahme gegriffen und die Saison 2019/20 für die DEL und die DEL 2 für beendet erklärt. In beiden Ligen gibt es keinen Meister. DEL-Hauptrundensieger Red Bull München, die Adler Mannheim, die Straubing Tigers und die Eisbären Berlin spielen 2020/21 in der Champions League. Die Oberligamänner der Crocodiles werden wohl ebenfalls keine Play-offs bestreiten. Der Deutsche Eishockey-Bund hat für diesen Mittwoch eine Entscheidung angekündigt. Die Achtelfinalserie gegen Peiting soll am Freitag in Farmsen starten. „Für uns wäre es eine Katastrophe, weil uns wichtige Einnahmen wegbrechen würden. Wir müssten erneut eine Lücke schließen, für die wir diesmal nichts können“, sagte Crocodiles-Geschäftsführer Sven Gösch. 2019 hatten die Hamburger wegen eines Antrags auf Insolvenz der Spielbetriebs GmbH nicht an den Play-offs teilnehmen können.

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Rudern: Die Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) ist erheblich gestört, nachdem der Weltverband Fisa die beiden in Italien geplanten Weltcups – 10. bis 12. April in Sabaudia, 1. bis 3. Mai in Varese – abgesagt hat. Damit ist die Olympia-Qualifikation beim Weltcupfinale in Luzern (Schweiz/17. bis 19. Mai) aktuell die einzige Möglichkeit vor der EM im polnischen Posen (5. bis 7. Juni), um die Wettkampfform zu überprüfen.