Zweite Liga

Was Heidenheim besser als der FC St. Pauli macht

Heidenheims Robert Glatzel (M.) behauptet gegen St. Paulis Finn Ole Becker (l.) den Ball.

Heidenheims Robert Glatzel (M.) behauptet gegen St. Paulis Finn Ole Becker (l.) den Ball.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Der Club aus Ost-Württemberg hat die Hamburger sportlich, in der TV-Tabelle und bei Transfereinnahmen überholt. Die Gründe.

Hamburg. Die Bilanz könnte niederschmetternder kaum sein: Fünf Spiele, null Punkte, 2:12 Tore. Das ist in nackten Zahlen das, was der FC St. Pauli bisher in der Voith-Arena in Heidenheim erlebt hat – eine Bilanz des Grauens. Ganz egal, mit welchen Spielern und Trainern das Millerntorteam beim 1. FC Heidenheim, der 2014 seine Premiere in der Zweiten Liga feierte, antrat, es reiste mit einer Niederlage im Gepäck wieder ab.

Dreimal versuchte es Trainer Ewald Lienen, einmal Markus Kauczinski und zuletzt im Frühjahr Jos Luhukay, den Kollegen Frank Schmidt zu überlisten – vergeblich. An diesem Sonntag (13.30 Uhr/Sky) kann Luhukay seinen zweiten Versuch unternehmen, mit St. Pauli den ersten Punkt aus der Stadt an der Brenz mitzunehmen.

Heidenheim landetet in den vergangenen Jahren in Abschlusstabelle dreimal vor dem FC St. Pauli

Die Niederlagenserie in Heidenheim trug auch einen Teil dazu bei, dass der FCH in den vergangenen fünf Jahren in der Abschlusstabelle der Zweiten Liga dreimal vor dem FC St. Pauli landete und die Hamburger damit auch im TV-Ranking überholt hat. Als Gesamt-24. erhält Heidenheim rund 13,1 Millionen Euro aus der nationalen Medienvermarktung, St. Pauli nur rund 11,5 Millionen Euro.

Doch das ist in finanzieller Hinsicht längst nicht alles. Der FCH erzielte in der diesjährigen Sommertransferperiode 9,6 Millionen Euro – vor allem durch den Verkauf von Robert Glatzel (6,0) nach Cardiff, Nikola Dovedan (2,5) nach Nürnberg und Robert Andrich (1,0) zu Union Berlin. Nachhaltig geschwächt wurde das Team dadurch allerdings nicht, weil die Erlöse es ermöglichten, Konstantin Kerschbaumer aus Ingolstadt und Rückkehrer Tim Kleindienst vom SC Freiburg zu verpflichten.

Zum Vergleich: Der FC St. Pauli erzielte im Sommer gar keine Transfereinnahme und gab gerade einmal 680.000 Euro an Ablösen aus. Fünf neue Akteure sind dagegen nur ausgeliehen.

Dritter Cheftrainer seit Ewald Lienen beim FC St. Pauli

Heidenheim kann zudem als Beleg dafür herhalten, dass sich personelle Kontinuität auf dem Trainerposten auszahlt. Während St. Pauli seit Sommer 2017 jetzt den dritten Cheftrainer nach Ewald Lienen beschäftigt, heißt in Heidenheim der Mann an der Seitenlinie bereits seit dem 17. September 2007 Frank Schmidt. Der heute 45 Jahre alte Fußballlehrer führte den FCH aus der Oberliga Baden-Württemberg binnen sieben Jahren in die Zweite Liga.

Seit 2008 ist Offensivspieler und Leistungsträger Marc Schnatterer dabei, der unumstrittene Kapitän der Heidenheimer. Auch dies ist ein großer Unterschied zu der hohen Fluktuation der St.-Pauli-Kapitäne in den vergangenen Jahren. Schnatterer war bei allen fünf Heimsiegen gegen St. Pauli mindestens an jeweils einem Tor beteiligt.

Und warum sollte St. Pauli überhaupt wieder nach Heidenheim reisen? „Wir haben jetzt andere Spieler. Die Vergangenheit zählt nicht“, sagt St. Paulis Mats Möller Daehli. Die Hoffnung stirbt eben zuletzt.

Zweite Liga, 11. Spieltag: Fr., 18.30 Uhr: Kiel – Bochum, Darmstadt – Aue. Sa., 13 Uhr: HSV – Stuttgart, Dresden – Bielefeld, Karlsruhe – Hannover. So., 13.30 Uhr: Heidenheim – St. Pauli, Nürnberg – Regensburg, Osnabrück – Fürth. Mo., 20.30 Uhr: Sandhausen – Wiesbaden.