FC St. Pauli

Henk Veerman: Schritt für Schritt zum Comeback

Henk Veerman schoss in 16 Spielen sechs Tore und bereitete fünf vor.

Henk Veerman schoss in 16 Spielen sechs Tore und bereitete fünf vor.

Foto: Witters

St. Paulis Stürmer hat seinen Kreuzbandriss auskuriert. Der Club braucht den Niederländer dringend im Angriff.

Hamburg.  Am Montag hat Henk Veerman genau in seinen Körper gehört: Wie fühlt er sich an, irgendwelche Pro­bleme? Unliebsame Signale? Vor allem im Knie? Aber da war nichts, gar nichts. „Ich fühle mich sehr gut“, sagte der Stürmer des FC St. Pauli, „es geht mir super.“ Auch beim Training am Nachmittag mischte der lange Niederländer wieder bei den Profis mit, der lange Weg zurück scheint fast vollendet. „Ich muss einfach Schritt für Schritt gehen“, sagt er. Auch Schritt für Schritt kommt man voran.

Kreuzbandriss – das ist immer eine Horrorverletzung für jeden Sportler. Bei Veerman ist es am 22. Dezember 2018 passiert. Das vordere Kreuzband und das Außenband im rechten Knie rissen im Spiel gegen den 1. FC Magdeburg, ohne Verschulden von irgendwem, es war einfach Pech. „Ich hatte danach geplant, in sechs Monaten wieder fit zu sein“, sagt Veerman heute, „das war keine gute Idee.“ Denn natürlich dauerte die Reha viel länger, da sind dann Geduld und Durchhaltevermögen gefragt, auch jetzt noch. „Ich weiß nicht, wann ich wieder in der Zweiten Liga dabei sein kann.“

Gelungener Tag für Veerman

Weit soll der Weg nicht mehr sein. Am vergangenen Sonntag spielte Veerman erfolgreich 71 Minuten in der U-23-Regionalligamannschaft beim 6:0 gegen HSC Hannover. Ein Tor schoss er selbst, eines bereitete er vor. Ein gelungener Tag. „Ich wollte eigentlich 90 Minuten spielen, aber Trainer Jos Luhukay hat mit Regionalligatrainer Joachim Philipkowski ausgemacht, dass es nur 70 Minuten sein sollen.“

Vorsicht ist eben nicht nur die Mutter der Porzellankiste, sondern nach einer so schweren Verletzung auch der vernünftigste Weg zurück zu alter Stärke. Bloß kein Risiko eingehen. Das gilt auch bei Philipp Ziereis, der ebenso wie Veerman dabei ist, nach seinem Kreuzbandriss zurückzukommen. Auch der Innenverteidiger mischt wieder im Profitraining mit und spielte gegen Hannover 70 Minuten. Der erfahrene Trainer Luhukay hat solche Fälle schon oft genug erlebt: „Das Comeback ist auch für den Kopf schwierig.“

Abstand zum Alltag hat ihm gutgetan

Der Niederländer hat seinen Landsmann schnell angerufen, nachdem er Mitte April am Millerntor angeheuert hatte. Der Kontakt war regelmäßig da, wenn auch nicht häufig. Denn Veerman war ja nicht in Hamburg, sondern absolvierte seine Reha im Trainingszentrum der niederländischen Nationalmannschaft in Zeist bei Utrecht und wohnte in seiner Heimatstadt Volendam. „Da ist meine Familie, meine Eltern, das heimische Umfeld, das war gut.“ Zwei Einheiten gab es täglich, harte Arbeit: „Die Physios haben mir gesagt, dass ich sechs, sieben Monate Schmerzen haben werde. So war es auch.“

Ehefrau Alyssa und der kleine Sohn Jake waren auch aus Hamburg mitgekommen. Der Abstand zum Alltag, die Kollegen nicht ständig fröhlich gegen den Ball treten zu sehen, das habe ihm schon gutgetan, sagt Veerman. Erst seit Anfang August ist er wieder in der Stadt und Teil des Teams. „Die neuen Spieler habe ich so von Anfang an kennengelernt, ich bin dabei, das ist alles gut.“

Notwendige Alternative im Angriff

Wenn es jetzt keine Rückschläge mehr gibt, dann sollte es auch nicht mehr zu lange dauern, bis Henk Veerman sein Comeback im Profikader gibt. Mit dem spielstarken 2,01-Meter-Mann hätte St. Pauli eine dringend notwendige Alternative im Angriff. Dass es da durchaus Bedarf gibt, war am Sonnabend bei der 0:1-Niederlage gegen das konsequent verteidigende Darmstadt 98 zu sehen.

Da fehlte auch Außenstürmer Christian Conteh. „Er hätte uns gutgetan mit seiner Schnelligkeit und Unberechenbarkeit“, sagte Luhukay, „seine Oberschenkelprobleme sind aber leider nicht gelöst.“ Auch am Montag konnte der 20-Jährige nicht mittrainieren. „Wir wissen nicht, ob er uns in den nächsten zwei, drei Wochen zur Verfügung steht“, sagt Luhukay. Ein Muskelfaserriss soll es nicht sein, aber was genau die muskulären Beschwerden hervorruft, war auch zu Wochenbeginn nicht klar. In Luis Cordes fehlt zudem mit einer Schambeinentzündung ein weiterer Stürmer, auch sein Comeback ist völlig offen.

Umso wichtiger ist es eben, dass Veerman bald wieder einsatzbereit ist. Ob das schon gegen den FC Heidenheim am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) der Fall sein kann, muss die Woche zeigen und schließlich Luhukay in Absprache mit der medizinischen Abteilung entscheiden. „Wir müssen sehen, was die Woche bringt“, sagt Veerman, „ich wäre auch bereit, wieder in der zweiten Mannschaft zu spielen.“ Nur Geduld, das hat er gelernt in der harten Zeit seiner ersten schweren Verletzung, hilft auf dem Weg zum Ziel. Schritt für Schritt für Schritt.