Zweite Liga

Leo Östigard lobt den Jugendstil des FC St. Pauli

Junge Wilde im Duell: Leo Östigard (l.) und Viktor Gyökeres.

Junge Wilde im Duell: Leo Östigard (l.) und Viktor Gyökeres.

Foto: Witters

Trainer Jos Luhukay hat großen Anteil daran, dass der Kiezclub zu einer Anlaufstelle talentierter Profis wird.

Hamburg. Leo Östigard ärgerte sich, als hätte sein Team gerade wichtige Zweitligapunkte hergeschenkt. „Hey!“, brüllte der Norweger quer über den Platz, als sein Team im Trainingsspiel ein Gegentor kassierte, und schaute böse in Richtung seiner Mitspieler. Von jugendlicher Zurückhaltung ob seines Alters, ist beim 19-Jährigen keine Spur. Im Gegenteil: Östigard ist beim FC St. Pauli ein Paradebeispiel dafür, dass mittlerweile auch junge Spieler Verantwortung übernehmen. „Hier bekommt man als junger Spieler die Chance, sich zu zeigen. Das ist ist das Allerwichtigste. Der Trainer setzt auf uns, und wir Youngster müssen dann die Gelegenheit einfach beim Schopf packen“, sagt der in Molde geborene Abwehrspieler.

Vor allem Trainer Jos Luhukay hat großen Anteil daran, dass der Kiezclub, der lange nicht gerade dafür bekannt war, eine Talentschmiede zu sein, zu einer Anlaufstelle talentierter Profis wird. Es passte irgendwie ins Bild, dass der Niederländer nach dem 0:1 gegen Darmstadt 98 nicht etwa das Fehlen der Säulen Henk Veerman, Philipp Ziereis oder Christopher Avevor beklagte. Nein, der 54-Jährige erwähnte explizit, dass er sich gewünscht hätte, dass die derzeit verletzten Luis Coordes (20), Christian Conteh (20) oder Aurel Loubongo (18) als Alternativen für die Außenbahnen zur Verfügung stehen. Und genau diese Wertschätzung beflügelt die Talente.

Der Leistungsgedanke zählt

„Als ich zu St. Pauli gekommen bin, hat mir der Trainer sofort das Gefühl gegeben, dass er mich wollte. Wir jungen Spieler wissen, dass der Leistungsgedanke zählt. Wer gut trainiert, spielt. Herr Luhukay ist ein guter Mensch und ein guter Trainer“, sagt der Skandinavier. Und von dieser Entwicklung beim Kiezclub profitieren auch diverse Nationalmannschaften. Mit U-21-Nationalspieler Östigard, den beiden deutschen U-20-Spielern Finn Ole Becker (19) und Conteh, U-21-Nationaltorwart Svend Brodersen, Loubongo (U18), Leon Flach (19, U18) sowie Jakub Bednarcyk (20, U20/Polen) und Viktor Gyökeres (21, U21/Schweden) stehen gleich acht Juniorennationalspieler unter Vertrag.

Durch die internationalen Auftritte spielen sich die Talente natürlich auch in den Fokus von finanzstarken Mannschaften. Östigard ist bis zum Sommer vom Premier-League-Club Brighton & Hove Albion ausgeliehen. St. Pauli besitzt keine Kaufoption für das Toptalent. „Es spielen viele Faktoren eine Rolle, was meine Zukunft betrifft“, erklärt der Norweger: „Bleibt Brighton in der Liga? Bleibe ich hier? Gehe ich zu einem anderen Verein? Die Entscheidung will wohl überlegt sein und wird nicht vor Saisonende fallen“, sagt Östigard, der eines ganz sicher weiß: Der Schritt zum FC St. Pauli hat sich für ihn bisher gelohnt.