2. Bundesliga

FC St. Pauli: Katerstimmung nach Derbyrausch

Dimitrios Diamantakos (FC St. Pauli) im Zweikampf mit Moritz Heyer (Osnabrueck).

Dimitrios Diamantakos (FC St. Pauli) im Zweikampf mit Moritz Heyer (Osnabrueck).

Foto: picture alliance / Peter Boehmer

Nach dem 1:1 in Osnabrück überwiegt die Enttäuschung über die eigene Leistung. Dennoch ist das Team seit vier Spielen ungeschlagen.

Osnabrück.  Jos Luhukay unternahm gar nicht erst den Versuch, den Auftritt seiner Mannschaft schönzureden. „Es war ein intensives und spannendes Spiel, aber von unserer Seite kein gutes“, sagt der Trainer des FC St. Pauli nach dem 1:1 (1:1) beim heimstarken Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück. „Unser größtes Problem hatten wir in der mentalen Konzentration und Fokussierung auf das Spiel. Wir haben in der ersten halben Stunde nicht gut angefangen, waren in der Abwehrarbeit nicht konsequent und nicht zielstrebig genug im Ballbesitz“, urteilte er weiter. „Deshalb sind wir auch verdient früh in Rückstand geraten.“

St. Paulianer wirkten zu Anfang passiv und uninspiriert

Sechs Tage nach dem 2:0-Sieg im Stadtderby gegen den HSV waren in der Anfangsphase die Nachwirkungen auf dem Spielfeld offenkundig. Die St. Paulianer wirkten, ganz anders als in ihren ersten drei Auswärtsspielen der Saison, zu Anfang passiv und uninspiriert. Da war es nur konsequent, dass die mit großem Aufwand agierenden Osnabrücker frühzeitig die Führung erzielten.

Nach einem Foul von Daniel Buballa, „eine 50:50-Entscheidung“ (Luhukay), verwandelte Osnabrücks schussstarker Linksverteidiger Kevin Wolze den fälligen Freistoß direkt zum 1:0 (13.). Sechs Minuten später hatte St. Pauli noch das Glück, dass Bashkim Ajdini seine viel zu große Freiheit nicht nutzen konnte, sondern nur den Pfosten traf.

Torjäger Dimitrios Diamantakos war ein genialer Vorarbeiter

„Das Gegentor hat uns dann wachgerüttelt“, analysierte nach dem Schlusspfiff Buballa treffend. Tatsächlich kam sein Team fortan besser ins Spiel und erinnerte in seinen Kombinationen nach vorn wesentlich mehr an die Auswärtsauftritte in Bielefeld (1:1), Stuttgart (1:2) und Dresden (3:3) sowie am vergangenen Montag beim 2:0 gegen den HSV. Und wieder einmal zeigte sich das Millerntorteam in dieser Phase effektiv im Torabschluss. Dabei betätigte sich diesmal Torjäger Dimitrios Diamantakos (vier Saisontreffer) als genialer Vorarbeiter.

Der Grieche düpierte gleich zwei Gegenspieler, passte dann noch mit Übersicht quer zu Ryo Miyaichi, der den Ball mit links an die Unterkante der Latte und zum 1:1 (22.) ins Tornetz setzte. „Wir haben im Training solche Tore schön häufiger geschossen. ich weiß, dass Ryo einen guten Laufweg hat“, lobte später Diamantakos seinen Offensivkollegen.

Diamantakos musste schon nach einer Stunde vom Feld

Danach aber konnte St. Pauli die plötzliche Ernüchterung der Osnabrücker über diesen Ausgleich nicht nutzen. In der zweiten Halbzeit waren dann auf beiden Seiten hochkarätige Torchancen kaum noch zu erleben. Bei St. Pauli lag dies auch daran, dass Diamantakos mit Adduktorenproblemen schon nach gut einer Stunde vom Feld musste. Der eingewechselte Boris Tashchy konnte ihn bei allem Bemühen nicht annähernd gleichwertig ersetzen.

Als sich St. Pauli danach noch selbst mit der Gelb-Roten-Karten gegen den eingewechselten und übermotivierten Youba Diarra dezimierte, hatte nur noch Finn Ole Becker mit seinem Schuss knapp rechts am Tor vorbei eine Chance auf den Siegtreffer. Der wäre nach dem mäßigen Auftritt allerdings des Guten zu viel gewesen. „Wir haben quasi auf ein 1:1 gespielt. Keiner hatte das Gefühl, dass mehr möglich ist. Keiner hatte die Kraft, den Siegtreffer zu erzwingen. Es war heute auf allen Positionen ein bisschen zu wenig“, bilanzierte Buballa erfrischend ehrlich. „Die Gelb-Rote Karte darf uns nicht passieren. Das hat uns das Leben noch einmal schwerer gemacht.“

St. Pauli nahm Euphorie aus dem HSV-Spiel nicht mit

Festzuhalten bleibt, dass St. Pauli es nicht schaffte, die Euphorie des Derbysieges mitzunehmen. Das war ganz offenbar ein mentales Problem, aber wohl auch ein körperliches. Es fehlte zudem die nötige körperliche Frische. „Du kannst die ganze Woche reden, dass der Derbysieg aus den Köpfen muss, um sich auf das nächste Spiel zu konzentrieren. Aber wenn du hier auf den Rasen gehst und dir von den Fans die ,Derbysieger‘-Rufe entgegenschlagen, ist das natürlich wieder präsent“, sagte St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann. „Aber das ist kein Vorwurf an die Fans, aber menschlich eben ganz normal.“

„Ich weiß nicht, ob der eine oder andere gedacht hat, dass es heute einfacher wird als am Montagabend. Das war ganz und gar nicht der Fall. Vielleicht war es sogar am Montag einfacher für uns als heute“, sagte Buballa zu den mentalen Nachwirkungen des Derbysieges.

Noch also ist der „Derby­fluch“ nicht wirklich besiegt. Andererseits ist eine lange Negativserie wie zuletzt im Frühjahr 2011 mit nur einem Punkt aus zwölf Spielen keineswegs zu erwarten. Schlusswort von Kapitän Buballa zum 1:1 in Osnabrück: „Wir sind am Ende mit dem Ergebnis zufrieden, aber ganz und gar nicht mit unserem Spiel.“