FC St. Pauli

James Lawrence sorgt mit seiner Ausstattung für ein Kuriosum

James Lawrence wurde gegen Kiel aus dem Stand zum Matchwinner – und könnte sich nun zu St. Paulis neuem Publikumsliebling entwickeln.

James Lawrence wurde gegen Kiel aus dem Stand zum Matchwinner – und könnte sich nun zu St. Paulis neuem Publikumsliebling entwickeln.

Foto: Imago/Beautiful Sports

St. Paulis Neuzugang spricht über seinen perfekten Kaltstart. Über Matt Penney reden nach dem Sieg gegen Kiel hingegen nur andere.

Hamburg.  James Lawrence war am Dienstagmorgen ein gefragter Mann bei den Kiebitzen des FC St. Pauli. „Congratulations“, riefen die ein Dutzend anwesenden Anhänger dem Innenverteidiger in bestem Schulenglisch entgegen. Der Waliser brauchte nur exakt 95 Minuten, um sich die Sympathien und die Glückwünsche der Fans zu erspielen.

Es war beeindruckend, wie souverän und cool sich der Nationalspieler beim 2:1-Sieg gegen Holstein Kiel am Montagabend in der Innenverteidigung präsentierte. Keine Spur von Nervosität, kaum Abstimmungsprobleme, und als Krönung ebnete der Neuzugang vom RSC Anderlecht mit seinem Kopfballtor zum 1:0 noch den Weg zum Sieg.

Besser hätte das Debüt im neuen Trikot des FC St. Pauli gar nicht ausfallen können. Könnte man zumindest meinen. „Doch klar! Wenn ich zwei Tore erzielt hätte“, scherzte Lawrence, der kurioserweise als einziger Profi beim Kiezclub mit einem Mundschutz spielt. „Mats Möller Daehli hat mir den Ball perfekt serviert. Ich habe am zweiten Pfosten gelauert und gehofft, dass ich an den Ball komme. Ein tolles Gefühl“, sagte Lawrence, der, sofern es die Mannschaft möchte, eine Runde Kaltgetränke spendieren will.

Kaltstart bei spätsommerlichen Temperaturen

„Wenn das hier so ist, dass man nach dem ersten Tor einen ausgeben muss, mache ich das natürlich liebend gern.“ Der Kaltstart bei spätsommerlichen Temperaturen kam für Lawrence nicht komplett überraschend. Lediglich drei Trainingseinheiten genügten, um Trainer Jos Luhukay letztlich von seinen Qualitäten zu überzeugen. „Der Trainer hat mich am Sonntag gefragt, wie ich mich fühle und ob ich bereit für einen Startelfeinsatz gegen Kiel wäre. Ich sagte dann: Ja, von mir aus kann es losgehen“, sagte der Neu-Hamburger, der den Sprung ins kalte Zweitligawasser genossen hat: „Mal ehrlich: Welcher Sportler sagt Nein bei der Frage, ob er bereit ist, zu spielen. Aber ich war ehrlich zum Trainer.“

In der Tat ließ er seinen ehrlichen Worten ehrliche Arbeit folgen. Lawrence strahlte sowohl in der ersten Halbzeit als zentraler Innenverteidiger in der Dreierkette mit Jan-Philipp Kalla und Daniel Buballa, als auch im zweiten Durchgang in der Viererkette Ruhe und Sicherheit aus. Von den Bewegungsabläufen und vom intelligenten Spielaufbau erinnerte er an Justin Hoogma, der als Leihprofi in der Vorsaison ein Leistungsträger bei St. Pauli war. Diese Rolle will auch Lawrence schnellstmöglich einnehmen. „Ich bin hier, um der Mannschaft zu helfen, Spiele zu gewinnen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, zu Hells Bells auf den Rasen zu laufen, die Fans das ganze Spiel über zu hören, und am Ende mit ihnen zu feiern.“, sagte Lawrence. „Das war für uns alle ein ganz wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung.“

Achterbahnfahrt der Gefühle

Den hätte liebend gerne auch Matt Penney gemacht. Der zweite Debütant beim Kiezclub durchlebte im Gegensatz zu Lawrence eine etwas andere Achterbahnfahrt der Gefühle. Für den 21-Jährigen war die Partie gegen Kiel das erste Pflichtspiel seit knapp acht Monaten. Zuletzt hatte der Linksfuß am 27. November 2018 für Sheffield Wednesday in der englischen Zweiten Liga auf dem Platz gestanden. Sein Trainer damals wie gestern: Jos Luhukay. Die fehlende Spielpraxis merkte man dem Engländer deutlich an.
Kaum gewonnene Zweikämpfe, viele Ballverluste, einige Stockfehler im Spielaufbau. Da passte die unnötige Gelb-Rote Karte, die Penney für sein Ballwegschießen in der Nachspielzeit erhalten hatte, ins Gesamtbild eines gebrauchten Abends. Im Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden muss der Neuzugang am Sonnabend zuschauen.

Vorwürfe musste sich Penney, der wortlos durch die Mixed-Zone im Stadion gegangen war, nicht anhören. Allen im Verein war bewusst, dass der variabel einsetzbare Profi eine Anlaufzeit benötigen wird, und sein Einsatz ein gewisses Risiko mit sich bringt. „Matt musste nach drei Trainingseinheiten vor 30.000 Zuschauern seinen Mann stehen, weil sonst unsere Taktik mit Dreierkette nicht aufgegangen wäre“, nahm Sportdirektor Andreas Bornemann den Briten in Schutz: „Matt hatte schwierige Phasen im Spiel, aber ich habe auch einen engagierten Jungen gesehen. So dramatisch schlecht habe ich ihn nicht gesehen.“