DFB-Pokal

Wie die Routiniers St. Pauli in die zweite Runde brachten

Christopher Buchtmann (l.) und Waldemar Sobota.

Christopher Buchtmann (l.) und Waldemar Sobota.

Foto: Imago

Christopher Buchtmann und Waldemar Sobota spielen plötzlich wieder eine wichtige Rolle im Ensemble von Trainer Jos Luhukay.

Hamburg.  Für beide war es der erste Startelfeinsatz in einem Pflichtspiel seit Monaten. Waldemar Sobota hatte zuvor sogar noch nie unter Trainer Jos Luhukay gespielt, Christopher Buchtmann hatte zuletzt am 27. April beim 3:2 gegen Regensburg in der Anfangsformation des FC St. Pauli gestanden. Kürzlich hatte ihm Luhukay noch die nötige Fitness abgesprochen, um von Beginn an spielen und 90 Minuten durchhalten zu können. Und jetzt? Im DFB-Pokalspiel beim VfB Lübeck waren gleich beide erste Wahl, spielten nicht nur 90, sondern volle 120 Minuten plus jeweiliger Nachspielzeit, verwandelten im Elfmeterschießen auch noch ihre Versuche vom Punkt und trugen so zum glücklichen 7:6-Erfolg und Einzug in die zweite Pokal-Hauptrunde bei.

In der größten personellen Not mit insgesamt zehn Ausfällen gab es also die Rückkehr der beiden Routiniers. Buchtmann (27) ist mit 155 Zweitligaspielen seit 2012 längst eines der Gesichter des FC St. Pauli. Sobota (32) spielt schon seine sechste Saison am Millerntor und hat 114 Zweitligaspiele bestritten.

Unerwartete Entscheidung von Luhukay

Vor allem der Einsatz des früheren polnischen Nationalspielers Sobota war eine von jenen unerwarteten Entscheidungen, wie sie Luhukay schon häufiger getroffen hat. „Ich habe mir die Spielpraxis vor einer Woche bei der zweiten Mannschaft geholt. Es war für mich sehr wichtig, dass ich da 90 Minuten durchgezogen habe. Deshalb konnte ich jetzt nicht nur 90, sondern 120 Minuten spielen, auch wenn es am Ende knapp wurde mit den Kräften. Für den Elfmeter hat es ja noch gereicht, auch wenn ich vorher schon einen Krampf bekommen hatte“, erzählte Sobota, der zuvor mit seinem Treffer zum 1:2-Anschluss das Signal für die Wende gegeben hatte. Luhukay lobte den Schuss in den rechten oberen Winkel etwas überschwänglich als „fantastisches Tor“.

Buchtmann wusste derweil zu berichten, dass er nahezu gezwungen wurde, nach den 120 Minuten einen der fünf Elfmeter zu schießen. „Ich habe im Kreis schon gesagt, dass ich bei den beiden Eckbällen zuvor beim Hochspringen schon Krämpfe auf beiden Seiten hatte und dass es mit dem Elfmeterschießen durchaus schwierig werden könnte. Aber der Trainer meinte, dass ich schießen muss, weil ich dafür nicht viel zu laufen brauche. Damit hat er ja recht. Aber ich war am Ende echt platt“, sagte er. Entsprechend schwach schoss er bekanntlich auch, und doch rutschte der Ball noch unter dem Körper des Lübecker Torwarts Lukas Raeder über die Linie.

Buchtmann und Sobota bestätigten Vertrauen

Am Ende fühlte sich Luhukay bestätigt, auf Buchtmann und Sobota gesetzt zu haben. „Beide haben gezeigt, dass sie wertvoll sein können. Das habe ich aber schon vorher gesagt, als sie noch nicht in der ersten Elf waren. Sie sind technisch gute Spieler, die etwas hinzufügen können, vor allem fußballerisch und spielerisch. Das haben sie in Phasen auch gut gemacht. Sie waren immer bemüht, anspielbar zu sein, um etwas zu gestalten“, sagte der Trainer, der jetzt zwei Optionen mehr für die Besetzung des zentralen Mittelfelds hat.

FC St. Pauli in Lübeck

„Wir haben nicht umsonst gesagt, dass wir darauf setzen, dass der eine oder andere zurückkommt“, kommentierte Sportchef Andreas Bornemann das Startelf-Comeback der erfahrenen Akteure. „Ich bin bereit, auch in Stuttgart zu spielen“, sagte Sobota und blickte voraus auf die nächste extrem schwierige Aufgabe am kommenden Sonnabend in der Liga beim prominent besetzten Bundesliga-Absteiger.

Finn Ole Becker wohl wieder einsatzbereit

Sicher haben trotz ihres insgesamt ordentlichen Comebacks aber weder Sobota noch Buchtmann ihren Platz für das Spiel beim VfB Stuttgart. Der hochtalentierte und von Luhukay geförderte Finn Ole Becker (19) dürfte nach seiner Wadenzerrung aller Voraussicht nach wieder einsatzbereit sein. Sein Tempo und seine Handlungsschnelligkeit könnten in einer mehr auf Konter denn auf Ballbesitz ausgerichteten Begegnung den Ausschlag geben.

Eine Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Marketing und Sponsoring sowie den Werten des FC St. Pauli findet am 29. August (19.30 Uhr) im Ballsaal Süd des Millerntor-Stadions statt. Auf dem Podium sitzen die Direktoren Bernd von Geldern (Vertrieb) und Martin Drust (Marketing) sowie Maik Krükemeier (MillernTon).