DFB-Pokal

FC St. Pauli: "Wir waren auf der letzten Rille unterwegs"

Die Profis des FC St. Pauli feiern ihren Torhüter: Robin Himmelmann (rosa Trikot) war der Matchwinner im Elfmeterschießen.

Die Profis des FC St. Pauli feiern ihren Torhüter: Robin Himmelmann (rosa Trikot) war der Matchwinner im Elfmeterschießen.

Foto: dpa

7:6-Sieg nach Elfmeterschießen beim VfB Lübeck im DFB-Pokal. Erster Pflichtspielerfolg seit dem 27. April.

Lübeck.  Als Robin Himmelmann beim Elfmeter von Coimbra Fernandes gerade noch mit der rechten Fußspitze an den Ball kam und so verhinderte, dass dieser die Torlinie überquerte, gab es bei seinen Mitspielern kein Halten mehr. Sie rannten trotz aller vorheriger Strapazen auf ihren Torwart zu und wollten ihn für die Parade fast erdrücken. Es war die entscheidende Situation im aufreibenden, spannenden, aber keineswegs hochklassigen DFB-Pokalspiel des FC St. Pauli beim VfB Lübeck gewesen.

Himmelmann parierte den fünften und damit letzten Elfmeter der Lübecker, St. Pauli hatte nach dem 2:2 nach regulärer Spielzeit und dem 3:3 nach Verlängerung das Elfmeterschießen mit 4:3 für sich entschieden.

Chance, dritte Runde zu erreichen

„Ich reiße mich nicht um den Heldenstatus, sondern bin froh, dass wir nach gefühlten Unendlichkeiten mal eine Runde weitergekommen sind“, sagte Robin Himmelmann, nachdem er die Siegesfeier vor den eigenen, rund 2220 mitgereisten Fans erfolgreich beendet hatte.

So lange war das letzte Mal, als St. Pauli die zweite Runde erreicht hatte, zwar noch gar nicht her. Genauer gesagt, war es vor drei Jahren ebenfalls in Lübeck gewesen. Aber insgesamt war die Pokal-Historie St. Paulis mit acht Erstrunden-Pleiten in den vergangenen 13 Jahren schon desaströs. Und jetzt bietet sich erstmals seit 2005 die Chance, wieder die dritte Runde zu erreichen.

Doch erst einmal gilt es, sich von den körperlichen und mentalen Strapazen des Pokalfights im Stadion Lohmühle zu erholen und das Gefühl des Erfolges ins nächste Zweitligaspiel beim VfB Stuttgart mitzunehmen. „Es ist nach Monaten das erste Pflichtspiel, das wir gewonnen haben“, sagte daher auch Abwehrchef Marvin Knoll. „Es tut gut, dieses Gefühl überhaupt einmal wieder zu haben.“ Tatsächlich hatte es am 27. April mit dem 3:2 gegen Regensburg zum letzten Mal ein Erfolgserlebnis in einem Pflichtspiel gegeben.

Fleiß und Engagement

„Lübeck hat uns das Leben unglaublich schwer gemacht. Wenn man im Elfmeterschießen gewinnt, ist das auch immer eine Glückssituation. Wir sind froh, dass wir eine Runde weitergekommen sind. Es hat uns ungeheuer viel Energie gekostet. Wir haben aber auch viel Fleiß und Engagement gezeigt“, ordnete St. Paulis Trainer Jos Luhukay das Erlebte nüchtern und treffend ein.

Euphorie war ebenso wenig angebracht wie Niedergeschlagenheit. Schließlich hatte niemand erwarten können, dass sich die Hamburger locker würden durchsetzen können. „Wir sind am Ende auf der letzten Rille unterwegs gewesen. Der eine oder andere wollte kräftemäßig raus. Das war ein Arbeitssieg und ein bisschen glücklich“, stellte auch Sportchef An­dreas Bornemann fest.

Der Mann der ersten Halbzeit war einer, der bei St. Pauli bestens bekannt ist: Yannick Deichmann. Der Mittelfeldspieler hatte bis Sommer 2016 für St. Paulis U-23-Team gespielt, war unter Trainer Ewald Lienen auch zu vier Zweitliga-Einsätzen gekommen. Schon in der neunten Minute konnte er sich von den Lübeckers Fans als Torschütze feiern lassen. Mit einem Steilpass schickte Marvin Thiel seinen Stürmer Ahmet Arslan in den Strafraum, dessen Rückpass verwertete Deichmann mit einem Schuss aus zehn Metern zur Führung des VfB.

Langsam und ungenau

St. Pauli tat sich danach gegen eine gut organisierte Defensive der Lübecker schwer, zu Torchancen zu kommen. Viel zu langsam und auch ungenau trugen die Hamburger ihre Angriffe vor. Zudem hatten die leichtgewichtigen Mittelfeldspieler wie Möller Daehli, Sobota und auch Buchtmann ihre Probleme mit den körperlich robusten VfB-Akteuren, die von ihren eigenen Fans für jeden gewonnenen Zweikampf gefeiert wurden – ganz so, wie es eben bei einem Pokalfight eines unterklassigen Teams gegen einen Favoriten üblich ist.

Bei allen Ungenauigkeiten in St. Paulis Spiel nach vorn hatte das Team allerdings auch Pech, als Schiedsrichter Frank Willenborg in der 31. Minute auf Abstoß statt Strafstoß entschied. Lübecks Daniel Halke hatte den schnellen Christian Conteh im Strafraum von den Beinen geholt. Bei einem Videobeweis wäre die Entscheidung korrigiert worden, doch diesen gibt es in der ersten Runde des DFB-Pokals eben nicht.

Von wegen Pokalpleite

Als zehn Minuten nach Wiederbeginn auch noch Thiel das 2:0 für Lübeck erzielte, schien St. Pauli in eine erneute Pokalpleite zu rauschen. Doch dann kam das Team überzeugend zurück und durch Sobotas Schuss in den rechten, oberen Torwinkel (63.) sowie den Kopfball von Dimitrios Diaman­takos (67.) zum 2:2-Ausgleich.

Zur 3:2-Führung aber mussten die Zuschauer bis in die Verlängerung (94.) warten, als Marvin Knoll per Kopf einen Eckstoß verwertete. Doch zum Sieg reichte auch dies nicht, weil Lübecks Ahmet Arslan einen Ballverlust St. Paulis nach eigenem Einwurf zum 3:3 (115.) nutzte.

Im Elfmeterschießen vergab Arslan gleich zu Beginn, doch weil auch St. Paulis Niklas Hoffmann nicht traf, blieb das Elfmeterschießen bis zum Ende spannend. Am meisten Glück hatte Christopher Buchtmann, weil sein Schuss fast von Torwart Lukas Raeder gehalten wurde, dann aber doch unter dessen Körper über de Linie rollte. „Das war der schlechteste Elfmeter, den ich je geschossen habe“, sagte Buchtmann. Am Ende war es ihm ganz egal.