Startelfpllatz

FC St. Pauli: Gedränge im Mittelfeld, „Dimi“ allein im Sturm

Spontanes Gruppenfoto der stolzen Sieger nach einem Trainingsspiel im Zillertal (v. l.): die St. Paulianer Waldemar Sobota, Christopher Avevor, Marvin Knoll, Cenk Sahin, Ersin Zehir (unten), Dimitrios Diamantakos und Daniel Buballa.

Spontanes Gruppenfoto der stolzen Sieger nach einem Trainingsspiel im Zillertal (v. l.): die St. Paulianer Waldemar Sobota, Christopher Avevor, Marvin Knoll, Cenk Sahin, Ersin Zehir (unten), Dimitrios Diamantakos und Daniel Buballa.

Foto: Witters

Beim FC St. Pauli zeichnet sich zwei Wochen vor dem ersten Zweitliga-Punktspiel ab, wer die besten Chancen auf einen Startelfplatz hat.

Hamburg. Nach einem freien Wochenende nehmen die Zweitligaprofis des FC St. Pauli an diesem Montag wieder ihre Arbeit auf. Dabei steht zunächst um 11 Uhr das Shooting für die offiziellen Team- und Einzelfotos auf dem Programm, ehe um 14 Uhr die nächste Trainingseinheit beginnt. Es geht dabei so langsam in die Schlussphase der Vorbereitung auf den Saisonstart in der Zweiten Liga.

Genau in zwei Wochen (29. Juli) hat das Team von Trainer Jos Luhukay im ersten Montagsspiel um 20.30 Uhr bei Arminia Bielefeld anzutreten. Ein Überblick zeigt, wie sich in den einzelnen Mannschaftsteilen nach dem Trainingslager in Mayrhofen die Personallage darstellt, wer beste Aussichten auf einen Startelfplatz hat und wo es den dringendsten Handlungsbedarf für Verstärkungen gibt.

Tor: Hier sind die Verhältnisse klar und unproblematisch. Robin Himmelmann (30) ist die unumstrittene Nummer eins, dahinter geht der ehrgeizige, aber nicht immer ganz stabile Svend Brodersen (22) in seine zweite Saison als Nummer zwei. Für eine Wachablösung ist die Zeit noch nicht reif. Zur festen Nummer drei dürfte Leon Schmidt aufsteigen, der bisher im U-23-Team in der Regionalliga Nord Spielpraxis gesammelt hatte. Dies dürfte auch künftig so bleiben. Schmidt hinterließ im Trainingslager einen guten Eindruck, sodass aktuell keine Notwendigkeit besteht, noch einen weiteren, erfahreneren Keeper, wie es in der vergangenen Saison zunächst Philipp Heerwagen und danach Korbinian Müller waren, zu verpflichten.

Außenverteidigung: Solange Luca Zander nach seiner schweren Schulterverletzung noch nicht wieder in einer spielfähigen Verfassung ist, führt auf der rechten Seite kein Weg an St. Paulis Urgestein Jan-Philipp Kalla (32, seit 2003 dabei) vorbei. Der in der vergangenen Winterpause geholte Jakub Bednarczyk konnte sich in den bisherigen Testspielen nicht als ernsthafte Konkurrenz für den Routinier profilieren. Auf der linken Seite ist Daniel Buballa klar die Nummer eins vor Yiyoung Park, der immer noch seiner Verfassung aus dem Frühjahr 2018 hinterherläuft. Ein überdurchschnittlicher Spieler, der auch wirklich gefährliche Flanken aus vollem Lauf schlagen kann, fehlt hier noch.

Innenverteidigung: Marvin Knoll wurde von Trainer Luhukay seit Beginn der Vorbereitung aus dem defensiven Mittelfeld in die zentrale Abwehr zurückgezogen, weil er als Einziger in diesem Mannschaftsteil einen starken linken Fuß hat. Er ist damit quasi gesetzt. Am stabilsten nach ihm hat sich bisher Christopher Avevor erwiesen. Florian Carstens und – nach fast zwei Jahren Leidenszeit – der immer besser werdende Marc Hornschuh sind einsatzfähige Alternativen. Findet Sportchef Andreas Bornemann einen anderen linksfüßigen Innenverteidiger mit gutem Spielaufbau, wie es im vergangenen Jahr Hoffenheims Leihgabe Justin Hoogma war, dürfte Knoll wieder ins Mittelfeld vorrücken.

Zentrales Mittelfeld: Auch wenn Zugang Rico Benatelli noch länger mit einer offenbar schwerwiegenden Muskelverletzung ausfällt, herrscht hier ein erfreulich großer Konkurrenzkampf, weil Trainer Luhukay sowohl den norwegischen Nationalspieler Mats Möller Daehli als auch den erfahrenen Waldemar Sobota nicht mehr auf den offensiven Außenbahn sondern als „Achter“ sieht. Hier müssen sie versuchen, sich im Vergleich mit Christopher Buchtmann, Finn Ole Becker, Ersin Zehir und später Johannes Flum, wenn dieser wieder einsatzfähig ist, einen Vorteil zu verschaffen, wobei die letztgenannten vier auch als „Sechser“, also defensiver orientiert, spielen können. Marvin Knoll könnte hier als weiterer Konkurrent hinzukommen. „Ich bin jetzt in der achten Saison hier, Konkurrenz gab es auf meiner Position immer. Man kann sich immer nur im Training anbieten und Gas geben“, sagt Buchtmann zu der Situation in der Zen-trale und schiebt hinterher: „Ich bin ja auch kein Schlechter.“

Offensive Außenbahn: Rückkehrer Cenk Sahin scheint sich, unter Jos Luhukay um einen echten Neuanfang zu bemühen. Er wirkt auch neben dem Platz gelöst und flachst mit Kollegen. Sein Tor im jüngsten Testspiel gegen Wattens, als er dank seiner Sprintfähigkeit einen hohen, weiten Ball erlief und damit den gegnerischen Torwart düpierte, dürfte dem Türken weiteres Selbstvertrauen geben. Er kann rechts wie links eingesetzt werden. Dies gilt auch für Ryo Miyaichi, der in den Testspielen und auch im Training manch große Chancen ungenutzt ließ. Seine Erfahrung aber spricht für ihn gegenüber den talentierten und sehr schnellen Luis Coordes, Christian Conteh und Aurel Loubongo M’Boungou, die aber zunächst wohl als „Joker“ auch in der Zweiten Liga eine Option sein können. Zumindest ein Topspieler, der für die von Trainer Luhukay geforderten fünf bis zehn Tore und ebensoviele Torvorlagen pro Saison gut ist, wird noch benötigt.

Mittelstürmer: „Dimi allein zu Haus“ lautet hier das Motto. Dimitrios Diamantakos ist auf dieser Position klar gesetzt, da Neuzugang Boris Tashchy noch länger verletzt ausfällt. Der in den Testspielen auf der zentralen Stürmer-Position ausprobierte Kevin Lankford, der sich aber außen wohler fühlt, hat sich nicht als ernsthafte Alternative profilieren können. Damit liegt auf der Hand, dass hier bis zum Ligastart der größte Handlungsbedarf besteht, zumal nicht absehbar ist, wann Henk Veerman nach seinem im Dezember 2018 erlittenen Kreuzbandriss wieder in ähnlicher Verfassung ist wie vor dieser Verletzung.