Fußball

Zu wenig Spieler: Das riskante Geduldspiel des FC St. Pauli

Bleibt entspannt: St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann (47).

Bleibt entspannt: St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann (47).

Foto: Christian Charisius / dpa

Die Personalnot hat sich durch Verletzungen von Tashchy und Benatelli verschärft. Beide sind bereits nach Hamburg geflogen.

Mayrhofen/Österreich.  An diesem Montag sind es nur noch drei Wochen, bis der FC St. Pauli sein erstes Zweitligaspiel der Saison 2019/20 bestreitet. Doch der Kader ist noch längst nicht komplett. „Wir suchen noch Spieler für jeden Mannschaftsteil“, sagte jetzt nochmals St. Paulis Cheftrainer Jos Luhukay. Das war noch vor den Muskelverletzungen, die sich die bislang einzigen Neuzugänge Boris Tashchy und Rico Benatelli im Training zugezogen haben. Beide flogen am Sonntag nach Hamburg zurück.

Damit hat sich die Situation vor allem in dem Mannschaftsteil deutlich verschärft, in dem es ohnehin den größten Personalmangel gab. Der einzig zweitligaerfahrene Mittelstürmer, der nach heutigem Stand im ersten Punktspiel am 29. Juli bei Arminia Bielefeld einsatzfähig wäre, ist der Grieche Dimitrios Diamantakos. Nach dem Ende der vergangenen Saison hatten gleich drei Stürmer den Kiezclub verlassen, namentlich Alexander Meier, Sami Allagui und Jan-Marc Schneider. Dazu wird sich Trainer Jos Luhukay eher noch ein paar Monate als nur Wochen gedulden müssen, bis sein niederländischer Landsmann Henk Veerman nach dem im Dezember erlittenen Kreuzbandriss wieder annähernd in der Wettkampfform ist, die er im Herbst hatte.

Transfermarkt in diesem Sommer bis zum 2. September geöffnet

Doch während die weitaus meisten anderen Clubs der Zweiten Liga schon eifrig neue Spieler verpflichtet haben, tut sich bei St. Pauli seit Wochen nichts mehr. Mittelfeldspieler Rico Benatelli war noch von dem im April beurlaubten Sportchef Uwe Stöver geholt worden. Danach kam nur noch der jetzt länger ausfallende Boris Tashchy hinzu.

„Es ist klar, dass wir offene Baustellen haben, die wir schließen wollen. Wir haben die klare Vorstellung, dass wir dies möglichst gut, also mit qualitativ hochwertigen Spielern machen wollen“, sagte der offiziell seit 1. Juli tätige Sportchef Andreas Bornemann dem Abendblatt. „Auch wenn sich die Lage durch Tashchys Verletzung verschärft hat, werden wir Ruhe bewahren und wollen zuschlagen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Wir lassen uns nicht treiben und werden nicht nur deshalb schnell Spieler verpflichten, damit sich etwas tut.“

Es ist offensichtlich, dass sich der FC St. Pauli in einer Art Teufelskreis befindet. Je näher der Saisonstart rückt, desto größer ist die Notwendigkeit, den Kader zu verstärken, um konkurrenzfähig in die ersten Spiele zu gehen. Andererseits ist der Transfermarkt in diesem Sommer bis zum 2. September geöffnet und die Bundesliga startet erst drei Wochen nach der Zweiten Liga in die neue Saison. Das heißt, dass Spieler, die bei einem Erstligisten überzählig sind, erst auf den Markt kommen, wenn die Zweite Liga längst begonnen hat.

Das Budget, das Bornemann zur Verfügung hat, ist begrenzt

Hinzu kommt, dass die Spielerberater um St. Paulis Personalnöte wissen und versuchen für ihre Klienten und damit auch für sich Kapital daraus zu schlagen. Dabei ist das Budget, das Bornemann zur Verfügung hat, begrenzt. So fehlen allein durch das Abrutschen des FC St. Pauli im TV-Ranking durch das 1:2 am letzten Spieltag der vergangenen Saison in Fürth rund 1,6 Millionen Euro.

Bornemann weist auf ein weiteres Problem hin: „Wenn man mit einem überschaubaren Budget zeitig gute Spieler verpflichten möchte, muss man sehr früh dran sein, das heißt im November, Dezember oder Januar.“ Da aber waren weder Luhukay noch Bornemann im Amt. „Jos Luhukay hat auch einen anderen fußballerischen Ansatz und damit auch eine andere Vorstellung von den dafür notwendigen Spielern als sein Vorgänger“, sagt Bornemann. Kurzum: Alles, was Uwe Stöver in Absprache mit Ex-Trainer Markus Kauczinski schon vorbereitet hatte, ist nicht mehr viel wert.

„Wir denken auch an Leihgeschäfte von Spielern, die bei Erstligaclubs weniger Einsatzchancen haben, aber uns sofort helfen können. Da das Transferfenster erst am 2. September schließt, müssen wir weiter Geduld haben“, sagt Bornemann. Beruhigend ist das nicht, auch wenn St. Paulis erster Gegner Bielefeld erst zwei neue Spieler verpflichtet hat.