Zweite Bundesliga

FC St. Pauli: Nur keine Angst vor Angstgegner Heidenheim

Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer (l.), hier gegen Jeremy Dudziak, hat gegen den FC St. Pauli bereits vier Treffer erzielt.

Heidenheims Kapitän Marc Schnatterer (l.), hier gegen Jeremy Dudziak, hat gegen den FC St. Pauli bereits vier Treffer erzielt.

Foto: imago sport / imago/Eibner

Trotz niederschmetternder Bilanz: Trainer Jos Luhukay will mutig aufspielen lassen – und erstmals Punkte gegen Heidenheim holen.

Hamburg.  Die Bilanz ist niederschmetternd. Viermal trat der FC St. Pauli bisher beim 1. FC Heidenheim seit dessen Zweitligaaufstieg an, und jedes Mal ging er als Verlierer vom Platz. 1:2, 0:2, 0:2 und 1:3 lauteten die Ergebnisse des Millerntor-Clubs in der Voith-Arena. Am Ostersonntag (13.30 Uhr/Sky und Liveticker abendblatt.de) folgt der fünfte Versuch, wenigstens den ersten Punkt aus der knapp 50.000 Einwohner großen Stadt an der Brenz mitzunehmen. Nach Ewald Lienen (dreimal) und Markus Kauczinski wird sich Jos Luhukay als Cheftrainer in seinem ersten Auswärtsspiel mit dem FC St. Pauli an der Aufgabe beim Angstgegner versuchen.

Den Gegner unter Druck setzen

Dabei geht der Niederländer diese Herausforderung für sich und sein Team erfreulich forsch an. „Wir müssen an unsere eigene Stärke glauben. Die Mannschaft hatte eine leichte Verunsicherung, aber sie hat es in der zweiten Halbzeit gegen Bielefeld richtig gut gemacht. Daran müssen wir anknüpfen. Wir wollen den Gegner unter Druck setzen und mit einem guten Pressing zu Fehlern zwingen“, sagte er am Freitag. Dazu betonte er: „Wir wollen in Heidenheim zu Chancen kommen und das Spiel gewinnen, anstatt schon mit Angst und Schrecken dahin zu fahren.“

Solche Töne waren von seinem Vorgänger Markus Kauczinski nicht zu hören gewesen, wenn ein Spiel gegen ein Topteam anstand, wie es Heidenheim als Tabellensechster mit nur drei Punkten Rückstand auf Platz drei sicherlich wieder ist. Da St. Pauli mit nur einem Punkt weniger unmittelbar dahinter platziert ist, bietet das Spiel ja auch die Chance, wieder am FCH vorbeizuziehen. Dazu müsste dem Team der erste Sieg seit dem 2. März (1:0 in Paderborn) gelingen.

Entwicklung untrennbar mit Marc Schnatterer verbunden

Gleichzeitig aber erkennt Luhukay auch an, wie sich der 1. FC Heidenheim in den vergangenen Jahren entwickelt hat. „Der Verein ist sehr gut strukturiert und organisiert. Dazu haben sie einen Trainer, der in ganz Deutschland mit am längsten im Amt ist“, sagte er am Freitag. Tatsächlich ist Frank Schmidt (45) seit dem 17. September 2007 Chefcoach des Teams, das er von der Oberliga Baden-Württemberg bis in die Zweite Liga führte. „In dem Verein kochen die Emotionen nicht zu schnell zu hoch. Sie geraten nicht gleich in Panik, wenn mal ein, zwei Niederlagen kommen“, sagte Luhukay. „Ich habe einen großen Respekt vor der Entwicklung dort.“

Diese ist neben Frank Schmidt vor allem auch untrennbar mit Kapitän Marc Schnatterer (33) verbunden, der seit fast elf Jahren für den FCH aufläuft. In allen vier bisherigen Zweitliga-Heimspielen gegen St. Pauli war Schnatterer direkt an den Toren seines Teams beteiligt. Drei Treffer bereitete er vor, drei erzielte er selbst. Zuletzt aber stand er beim 1:0-Auswärtssieg seines Teams beim FC Erzgebirge Aue nicht in der Startformation, sondern kam erst für die letzte halbe Stunde auf das Feld. Im Heimspiel gegen einen seiner Lieblingsgegner aber wird Trainer Schmidt auf seinen mit Abstand erfolgreichsten Profi der vergangenen Jahre kaum verzichten. „Wir müssen unnötige Fouls in unserer Hälfte vermeiden“, sagte Luhukay und dachte dabei an Schnatterers starken rechten Fuß, mit dem er gefährliche Freistöße, Eckbälle und Torschüsse treten kann.

Rezept, um Heidenheimer Körpergrößenvorteil auszugleichen

In dieser Saison stehen für Schnatterer auch schon wieder jeweils neun Tore und Torvorlagen zu Buche. „Das sind Topwerte für einen offensiven Außenbahnspieler. Er ist einer der besten Spieler der Liga auf dieser Position“, sagte Luhukay und verband dieses Lob mit einer klaren Forderung. „In nächster Zukunft müssen auch unsere offensiven Links- und Rechtsaußen zwischen fünf und zehn Tore erzielen und zwischen fünf und zehn Assists haben.“ Dazu werden entsprechende Transfers nötig sein.

Ein scheinbar simples Rezept gibt Luhukay aus, um den Heidenheimer Körpergrößenvorteil mit sechs Stammspielern, die 1,90 Meter und mehr lang sind, zu begegnen: „Wenn ich früher am Ball bin, kann der Gegner so groß sein, wie er will. Wenn ich in den Zweikampf komme und mir ein paar Zentimeter fehlen, muss ich mich wehren und das Gewinnergen in mir tragen, um als Sieger aus so einem Duell hervorzugehen.“

Trainer Luhukay kann in Heidenheim auch auf Linksverteidiger Daniel Buballa, Mittelfeldspieler Richard Neudecker und Stürmer Dimitrios Diamantakos zurückgreifen, die zuletzt beim 1:1 gegen Bielefeld noch wieder nicht fit waren. Im Kader wird auch wieder der 18 Jahre alte Finn Ole Becker stehen, der zuletzt gegen die Arminia sein Profidebüt gegeben hatte.

1. FC Heidenheim: Müller – Busch, Mainka, Beermann, Feick – Griesbeck, Dorsch – Schnatterer, Andrich, Dovedan – Glatzel. FC St. Pauli: Himmelmann – Dudziak, Carstens, Hoogma, Buballa – Flum – Miyaichi, Knoll, Buchtmann, Allagui – Meier. Schiedsrichter: Cortus (Röthenbach an der Pegnitz).