Reise nach Valencia

Wie St. Paulis Flugangsthasen das Trainingslager erreichen

Da standen ihm Start und Landung noch bevor: St. Paulis Profi Mats Møller Dæhli am Donnerstag in der Abflughalle des Hamburg Airport Helmut Schmidt.

Da standen ihm Start und Landung noch bevor: St. Paulis Profi Mats Møller Dæhli am Donnerstag in der Abflughalle des Hamburg Airport Helmut Schmidt.

Foto: Witters

Mats Møller Dæhli musste sich sichtlich überwinden, den Flug nach Spanien anzutreten. Weitere Neue nach Alex Meier?

Oliva Nova/Spanien. Mit von Flugangst geplagten Fußballern ist normalerweise nicht zu spaßen. Der FC Arsenal kann ein Lied davon singen. Schließlich ließ sich dessen früherer Star Dennis Bergkamp einst sogar extra eine Klausel in den Vertrag schreiben, Auswärtsspiele ausschließlich auf dem Landweg erreichen zu dürfen.

Beim FC St. Pauli sieht dies etwas anders aus. Dort durfte zwar Sportchef Uwe Stöver aufgrund seiner ausgeprägten Flugangst extra per Kleintransporter ins spanische Trainingslager des Zweitligisten starten. Doch Profi Mats Møller Dæhli musste am Donnerstag den Flug nach Valencia über sich ergehen lassen – trotz flauen Gefühls im Magen.

Buchtmann neckt Møller Dæhli

Schlimmer noch: Der sonst so fröhliche Norweger wurde von seinen Mitspielern noch auf dem Rollfeld des Hamburger Flughafens aufgezogen. "Hast du ein bisschen Angst?", fragte Christopher Buchtmann sichtlich gut gelaunt. Ausgerechnet Buchtmann. Nach Abendblatt-Informationen gehört für den Mittelfeldspieler das Flugzeug ebenfalls nicht gerade zu den bevorzugten Transportmitteln.

Møller Dæhli bejahte jedenfalls die Frage und reagierte ansonsten recht halbherzig auf die weiteren Aufmunterungsversuche seines Kollegen. St. Pauli hielt den Moment fest und stellte das Video ins Internet. Hintergrund: Bei Twitter postet der Kiezclub seit geraumer Zeit unter dem Hashtag #1910SmilesofMats regelmäßige Gute-Laune-Aktionen des blonden Skandinaviers.

Ryanair hat Streiks abgewendet

Doch selbst nach erfolgreicher, wenn auch etwas verspäteter Landung der Ryanair-Maschine war Møller Dæhli noch nicht wieder zum Scherzen zumute. "Wie war der Flug?", wollte das Abendblatt wissen. "Schlecht", antwortete der 23-Jährige und schüttelte den Kopf. Mehr Worte über die Reise über den Wolken wollte der Dauerbrenner, der als einziger Feldspieler St. Paulis bislang 18 Saisonspiele absolvierte, dann wirklich nicht mehr verlieren.

Und aus Møller Dæhlis Sicht gibt es noch eine schlechte Nachricht, die eigentlich eine gute ist: Nach harten Verhandlungen, wegen derer zwischenzeitlich auch der Hinflug auf der Kippe schien, hat sich Ryanair mit der für das spanische Bodenpersonal zuständigen Gewerkschaft SITCPLA Iberia auf das Abwenden von Streiks verständigt. Auch am 17. Januar wird Møller Dæhli also wieder ins Flugzeug steigen müssen.

Kauczinski stellt die Taktik in den Vordergrund

Bis dahin wollen Coach Markus Kauczinski & Co. in Oliva Nova in zehn Trainingseinheiten und zwei Testspielen die Basis für eine erfolgreiche zweite Saisonhälfte legen. "Die komplexe taktische Arbeit wird im Vordergrund stehen“, kündigte Kauczinski an. "Wir werden verschiedene Dinge ausprobieren, vor allem auch im taktischen Bereich und am Spielsystem arbeiten."

In der 25.000-Einwohner-Stadt testet der Kiezclub zweimal. Am Freitag (15 Uhr) gegen den belgischen Erstligisten RSC Charleroi und am kommenden Mittwoch (16 Uhr) gegen den deutschen Drittligisten SV Wehen Wiesbaden. Damit möglichst alle mitgereisten Spieler zum Einsatz kommen können, werden beide Partien über zwei mal 60 Minuten gehen.

Weitere Neue nach Meier nicht ausgeschlossen

Kauczinski will beim Überraschungsdritten weiter den Konkurrenzkampf schüren. "Die Jungs müssen sich immer beweisen, es ist relativ offen. Jeder Spieler hat die Gelegenheit, sich zu zeigen", betonte der 47-Jährige. Ihn freut, "dass wir so viele gute Jungs haben, dass man variieren kann. Im Laufe der Saison hat man gesehen, dass wir jeden gebraucht haben. Wir haben viele Varianten und Möglichkeiten."

Dass nach Winterzugang Alexander Meier als Ersatz für den am Knie verletzten Torjäger Henk Veerman noch weitere Akteure geholt werden, will Kauczinski nicht komplett ausschließen. "Prinzipiell glaube ich, dass wir gut aufgestellt sind. Wir haben einen sehr ausgeglichenen, starken Kader", sagte der Coach. "Wir halten aber Augen und Ohren offen, um vielleicht schon einen Vorgriff auf den Sommer zu machen."

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