Remis in Regensburg

St.-Pauli-Profi übergibt sich – und spielt trotzdem durch

Philipp Ziereis (4.v.l.) musste kurz vor dem Wiederanpfiff schnell auf die Toilette

Philipp Ziereis (4.v.l.) musste kurz vor dem Wiederanpfiff schnell auf die Toilette

Foto: imago/kolbert-press

Beim Auswärtsspiel in Regensburg klagten zwei weitere Spieler in der Pause über Schwindelgefühle.

Regensburg.  Philipp Ziereis musste sich übergeben, Daniel Buballa und Marvin Knoll klagten über Schwindelanfälle – die Halbzeitpause in der Regensburger Continental-Arena war für das Team des FC St. Pauli anders als gewohnt. Am Ende konnten die drei ebenso wie ihre Kollegen aber auch schon wieder ein wenig lächeln.

Das 1:1 (1:0) beim SSV Jahn Regensburg werteten sie schließlich als verdientes und damit auch zufriedenstellendes Ergebnis. Zumindest bis zu diesem Montagabend ist St. Pauli dank des Punktgewinnes Tabellendritter der Zweiten Liga. Und wenn der HSV gegen Union Berlin gewinnt, bleibt dies auch bis zum kommenden Wochenende so.

„Wir wissen noch nicht, was bei den betroffenen Spielern los war“, sagte nach dem Spiel St. Paulis Trainer Markus Kauczinski. „Vielleicht haben wir etwas Falsches gegessen“, mutmaßte Innenverteidiger Ziereis, der kurz vor dem Wiederanpfiff auf die Toilette eilen musste, danach aber bis zum Ende weiterspielte. „Einen bayrischen Schweinsbraten hat es definitiv nicht gegeben“, versicherte der 25-Jährige, der bis 2013 für Jahn Regensburg gespielt hatte.

Veerman startet erstmals mit Allagui

St. Paulis Trainer Kauczinski hatte erstmals in einem Pflichtspiel in dieser Saison auf Sami Allagui und Henk Veerman als Offensiv-Duo von Beginn an gesetzt. Dabei agierte Allagui, der zuletzt immer alleine Sturmspitze gewesen war, etwas zurückgezogen und wich gelegentlich auch auf die Flügel aus. Im Spiel zeigte sich sehr schnell, welchen hauptsächlichen Sinn die Entscheidung für Veerman hatte. Der 2,01 Meter große Niederländer war bei den zahlreichen lang nach vorn gespielten Bällen immer wieder die Anspielstation.

Diese Spielweise war vor allem deshalb nötig, weil die Regensburger durch aggressives Pressing kaum einmal zuließen, dass St. Pauli von hinten heraus das Spiel mit Flachpässen aufbauen konnte. „Das war bestimmt nicht unser bestes Spiel“, räumte Veerman später offen ein. Viele ungenauen Zuspiele und verlorene Zweikämpfe führten tatsächlich immer wieder dazu, dass St. Pauli kaum einmal länger den Ball halten konnte.

Veerman trifft mit dem Schienbein

Aber Henk Veerman hatte ja auch noch seinen Instinkt, bisweilen richtig zu stehen, um einen Treffer zu erzielen. Diesen bewies er bei einem der ganz wenigen guten Konterangriffe St. Paulis in der ersten Halbzeit. In Szene gesetzt von Allagui drang der bis dahin ziemlich unglücklich agierende Mats Möller Daehli rechts in den Strafraum ein, spielte den Ball flach in die Mitte, wo weder Torwart Philipp Pentke noch Verteidiger Asger Sörensen klären konnten. Dahinter lauerte Veerman und schob den Ball zu der zu diesem Zeitpunkt glücklichen 1:0-Führung (40.) für St. Pauli ein.

Dabei traf Veerman den Ball mit dem Schienbein. „Ich war etwas überrascht und hatte nicht viel Zeit zu reagieren“, begründete er später den etwas ungelenk aussehenden Torschuss, der aber äußerst effektiv war. „Ich habe dieses Zuspiel in die Mitte zu Henk die ganze Woche trainiert“, sagte Möller Daehli nach dem Spiel. Der Norweger wurde von Regensburgs Trainer Achim Beierlorzer sogar als einer „der besten Außenbahnspieler der ganzen Liga“ geadelt.

Einzelkritik: Knoll fehlt es an Präzision

Der Sonntagnachmittag hätte für Veerman aber auch noch zu einem ganz großen Triumphtag werden können, wenn er in der 82. Minute nach einem Konter über Richard Neudecker und Allagui frei vor Torwart Pentke die Nerven behalten hätte. Sein Versuch dem Regensburger Keeper durch die Beine zu schießen, misslang ihm. Später war nicht nur St. Paulis Sportchef Uwe Stöver überzeugt: „Das zweite Tor wäre die Entscheidung für uns gewesen.“

Kauczinski: Wir waren nicht gut

So war es nahezu zwangsläufig, dass die kampfstarken und druckvoll agierenden Regensburger zum letztlich verdienten Ausgleich kamen. Jahn-Torjäger Marco Grüttner traf den Pfosten, den Nachschuss von Sagis Adamyan parierte Torwart Robin Himmelmann noch, war aber beim direkt folgenden Schuss des eingewechselten Sebastian Stolze chancenlos. Nach diesem 1:1 (87.) drohte St. Pauli sogar noch kurz, ganz ohne Punkte nach Hause fliegen zu müssen. Doch die letzten brenzligen Situationen, wie den Freistoß von Sörensen, überstand das Team schadlos.

„Am Ende ist der Druck von Regensburg einfach zu groß geworden. Eine Aktion führt dann eben zum Gegentor. Insgesamt ist das Ergebnis in Ordnung. Bei uns hat nicht alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, resümierte St. Paulis Trainer Kauczinski kurz nach dem Schlusspfiff ziemlich realistisch.

Knoll von Regensburg-Fans ausgepfiffen

Im Blickpunkt stand bei den Anhängern beider Clubs Marvin Knoll, der im Sommer vom SSV Jahn zum FC St. Pauli gewechselt war. Bei seinem ersten Freistoß wurde er von etlichen Jahn-Fans ausgepfiffen. Dies nahm der Mittelfeldspieler später sehr gelassen. „Das ist während des Spiels normal. Nach dem Abpfiff haben sie mich freundlich verabschiedet“, berichtete der 27-Jährige, der sich das Trikot von seinem Regensburger Kumpel Marco Grüttner gesichert hatte.

Bevor Knoll in der Kabine seiner Mannschaft unter die Dusche ging, stattete er seinem früheren Team auch noch einen Besuch in der Kabine ab.

„Vor dem Spiel wäre ich mit einem Punkt zufrieden gewesen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Regensburg jetzt seit neun Spielen ungeschlagen ist. Der Auftrag ist jetzt, dass wir im Heimspiel gegen Dresden nachlegen, um die gute Tabellensituation zu bestätigen“, sagte Sportchef Stöver abschließend. Das Fazit des Tages: Bei diesem Punkt musste niemandem schlecht werden.