FC St. Pauli

Vertrag verlängert: Dabei stand Kauczinski schon vor dem Aus

Markus Kauczinski soll bei St. Pauli für Kontinuität auf der Trainerbank sorgen

Markus Kauczinski soll bei St. Pauli für Kontinuität auf der Trainerbank sorgen

Foto: TayDucLam / WITTERS

Der FC St. Pauli verlängert den Vertrag mit seinem Cheftrainer vor dem Spiel in Regensburg bis Juni 2020.

Hamburg.  Was sich seit geraumer Zeit abgezeichnet hatte, hat die Führung des FC St. Pauli am Freitag, zwei Tage vor dem Auswärtsspiel beim SSV Jahn Regensburg, vollzogen. Der Vertrag mit Cheftrainer Markus Kauczinski (48), der am Ende der laufenden Saison ausgelaufen wäre, ist bis zum 30. Juni 2020 verlängert worden. Gleiches gilt für den Kontrakt mit Co-Trainer Markus Gellhaus.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung von Sportchef Uwe Stöver war nicht allein die bisherige Ausbeute von 23 Punkten aus den ersten 13 Spielen in dieser Zweitligasaison, sondern auch die unverkennbar positive Entwicklung der Mannschaft im spielerischen Bereich. Kauczinski hat es in den vergangenen Wochen geschafft, die lange unterschwellig gehegten Zweifel weitgehend auszuräumen, ob er der richtige Trainer ist, um die Mannschaft nach dem Klassenverbleib in der vergangenen Saison jetzt auch fußballerisch weiterzuentwickeln.

„Wir sind der festen Überzeugung, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Wir wollen deshalb die Dinge gemeinsam fortsetzen“, sagte Sportchef Stöver am Freitag. „Deshalb sind die Vertragsverlängerungen folgerichtig. Der Vertrag gilt für die Zweite und Erste Liga“, sagte er weiter.

Schnelle Entscheidung bei Kauczinski

Aus Vereinssicht ist es gleichzeitig wirtschaftlich vernünftig, dass die Verträge lediglich um ein Jahr verlängert wurden. Für den Fall, dass es in den kommenden eineinhalb Jahren doch zu einer Trennung aus sportlichen Gründen kommen sollte, wäre der danach noch zu zahlende Betrag – ob als Abfindung oder weiterlaufende Gehaltszahlung – überschaubar. Es ist daher bemerkenswert, dass Kauczinski offenbar nicht vehement auf eine längere Laufzeit gepocht hat, um zumindest eine finanziell lukrativere Absicherung für den Fall der Fälle zu haben.

„Ich freue mich. Ich fühle mich hier sehr wohl mit der Mannschaft, dem Umfeld, den Fans und der Perspektive, die sich ergeben hat. Ich musste nicht lange überlegen, als der Verein jetzt auf mich zugekommen ist. Das war eine Sache von ein, zwei Tagen“, sagte Kauczinski nach der Unterschrift. Er erinnerte dabei an seinen Start vor knapp einem Jahr: „Ich habe die Mannschaft im Abstiegskampf übernommen. Da war die Idee von allen, gemeinsam etwas zu entwickeln.“

Kauczinski stand schon vor dem Aus

Am 7. Dezember 2017 war er Nachfolger von Olaf Janßen geworden, der nach zwei herben Niederlagen in Fürth (0:4) und Bielefeld (0:5) beurlaubt worden war. Nach einem anfänglichen Aufwärtstrend unter Kau­czinski fiel die Mannschaft am 31. Spieltag auf den Abstiegsrelegationsplatz zurück, ehe sie sich mit einem Kraftakt und Heimsiegen ausgerechnet gegen Greuther Fürth (3:0) und Arminia Bielefeld (1:0) retten konnte.

In die neue Saison startete St. Pauli unter Kauczinski mit zwei Siegen besser als erwartet und war danach sogar Tabellenführer, ehe es vier Pflichtspielniederlagen in Folge, eine im DFB-Pokal, drei in der Liga, gab. Zu diesem Zeitpunkt schien sogar die vorzeitige Trennung von Kauczinski nicht weit entfernt. Der glückliche 1:0-Sieg in Ingolstadt markierte dann aber die Trendwende zum Positiven. Das war am 21. September, also vor nur neun Wochen. Aus den acht Spielen seither holte St. Pauli 17 Punkte und zeigte auch bei seiner einzigen Niederlage in dieser Zeit, dem 0:1 gegen Kiel, eine spielerisch ansprechende Leistung.

Diese Entwicklung, die letztlich die Vertragsverlängerung mit Kau­czinski als logische Konsequenz erscheinen lässt, ist erneut ein Beweis dafür, wie schnelllebig das Profifußballgeschäft insbesondere für Trainer ist. „Es entspricht mir total, dass ich keinen wirklich sicheren Beruf ausübe. Ich mag es, nicht zu wissen, was der nächste Tag, die nächsten Wochen und Monate bringen“, hatte Kau­czinski kürzlich in einem Gespräch mit dem Abendblatt zu diesem Thema gesagt.

Kauczinski macht es Lienen nach

Aus dieser Einstellung heraus willigte er jetzt auch ein, dass der FC St. Pauli ihn zunächst nur bis Ende Juni 2020 an sich bindet. „Wir haben langfristige Ideen und reden auch über 2021 und 2022, weil wir auch über Spielerverträge reden. Aber dafür brauche ich keinen Vertrag“, sagte Kauczinski.

Von den sechs Vorgängern Kau­czinskis als Cheftrainer beim FC St. Pauli (André Schubert, Michael Frontzeck, Roland Vrabec, Thomas Meggle, Ewald Lienen, Janßen) war lediglich Lienen, der jetzt als Technischer Direktor beim Millerntor-Club tätig ist, im Laufe seiner Amtszeit in den Genuss einer Vertragsverlängerung gekommen. Die Aussicht, dass der Club zu einer gewissen Kontinuität auf dieser Position zurückkehrt, ist seit Freitag ein Stück größer geworden.

Kurzfristig aber gilt es, am Sonntag (13.30 Uhr, Sky und Liveticker bei abendblatt.de) bei Jahn Regensburg zu bestehen und den positiven Trend fortzusetzen. Dafür stehen bis auf den Gelb-gesperrten Johannes Flum praktisch alle Spieler zur Verfügung.