FC St. Pauli

Markus Kauczinski: „Bei uns ist niemand schon satt“

Intensive Duelle, wie hier zwischen St. Paulis Richard Neudecker (l.) und Kiels Patrick Herrmann, sind auch am Sonntag zu erwarten

Intensive Duelle, wie hier zwischen St. Paulis Richard Neudecker (l.) und Kiels Patrick Herrmann, sind auch am Sonntag zu erwarten

Foto: Witters

St. Paulis Trainer Kauczinski ist vor dem Spiel gegen Holstein Kiel vom Ehrgeiz seines Teams überzeugt.

Hamburg.  Die altbekannte Fußballer-Weisheit, eine siegreiche Mannschaft auch zum nächsten Spiel unverändert aufzustellen, wird Markus Kauczinski an diesem Sonntag (13.30 Uhr, Sky und Liveticker abendblatt.de) nicht befolgen können. „Christopher Buchtmann steht nicht zur Verfügung“, bestätigte am Freitag der Cheftrainer des FC St. Pauli das, was sich bereits in den Tagen zuvor abgezeichnet hatte. Mit einer Muskelverletzung an der Hinterseite des rechten Oberschenkels, die er sich am Montagabend beim 1:0-Auswärtssieg beim MSV Duisburg zugezogen hatte, fällt der torgefährliche, zentrale Mittelfeldspieler eventuell auch noch beim kommenden Auswärtsspiel am 4. November bei Arminia Bielefeld aus. „Es ist etwas zwischen schwerer Zerrung und leichtem Muskelfaserriss. Da sind die Übergänge ja fließend“, sagte Kauczinski.

Auch wenn personelle Ausfälle für einen Trainer per se nie erfreulich sind, so erleichtert Buchtmanns Fehlen in diesem speziellen Fall die Entscheidung, wie Sami Allagui in die Startelf gegen Holstein Kiel eingebaut werden kann. Als eingewechselter Stürmer hatte er zuletzt für die spielentscheidenden Tore in der Schlussphase gegen den SV Sandhausen zum 2:1 und beim MSV Duisburg zum 1:0 gesorgt. Besser konnte sich der 32-Jährige nicht für eine Rückkehr in St. Paulis Startelf empfehlen. Auch wenn er zuletzt immer wieder betonte, als Mannschaftsspieler die Rolle als „Joker“ zu akzeptieren, so macht er auch keinen Hehl daraus, dass er lieber von Beginn an auf dem Platz steht.

Kauczinski will sich erst einen Tag vorm Spiel entscheiden

Mithin spricht vieles dafür, dass Kauczinski gegen Kiel jetzt Allagui und den 2,01 Meter großen Niederländer Henk Veerman als Doppelspitze ins Rennen schickt, nachdem zuletzt in Duisburg Dimitrios Diamantakos als alleinige Spitze eher glücklos agiert hatte. „Wir haben viel ausprobiert, auch die Variante mit Sami und Dimi im Angriff“, sagte Kauczinski am Freitag und beteuerte, sich endgültig erst einen Tag vor dem Spiel entscheiden zu wollen.

Ebenfalls erst kurzfristig wird feststehen, ob Innenverteidiger Christopher Avevor zur Verfügung steht. Am Donnerstag und Freitag nahm er wegen einer Erkältung nicht am Teamtraining teil. Da der leistungsstarke Abwehrmann, mit dem St. Pauli noch kein Punktspiel in dieser Saison verloren hat, kein Fieber hat, stehen die Chancen auf einen Einsatz nicht so schlecht. Auch deshalb will sich Kauczinski, wie er am Freitag schmunzelnd zugab, auch erst Gedanken über einen Ersatz machen, wenn am Sonntag doch feststehen sollte, dass Avevor ausfällt.

FC St. Pauli derzeit in aussichtsreicher Tabellensituation

Eine Variante wäre, Marvin Knoll aus dem zentralen Mittelfeld zurück auf die Innenverteidiger-Position zu ziehen, für die er ursprünglich auch im Sommer verpflichtet worden war. Die Alternative dazu ist, auf den erst 19 Jahre alten Florian Carstens als Innenverteidiger zu setzen. „Er ist auf jeden Fall im Kader“, verriet Trainer Kauczinski am Freitag.

Nach 13 Punkten aus den jüngsten fünf Spielen hat sich St. Pauli, vor allem dank später Treffer durch eingewechselte Spieler, in eine so aussichtsreiche Tabellensituation gebracht, wie sie selbst Optimisten vor sechs Wochen nach vier Pflichtspielniederlagen in Folge nicht für möglich gehalten hatten. Doch bewirkt der Aufschwung jetzt nicht nur ein gesteigertes und positiv zu bewertendes Selbstvertrauen der Mannschaft, sondern womöglich auch eine kontraproduktive Selbstzufriedenheit? „Diesen Eindruck habe ich gar nicht, auch wenn ich nicht in die Köpfe der Spieler schauen kann. Bei uns ist keiner schon satt. Ich habe nicht das Gefühl, dass sich irgendjemand zurücklehnt“, betonte Kauczinski.

Kauczinski: "Wir müssen uns nicht verstecken"

Selbst wenn die Tabelle nach zehn von 34 Spieltagen kein Zufallsprodukt mehr ist, will St. Paulis Trainer dem jüngst gelungenen Sprung auf den dritten Tabellenplatz nicht allzu viel Bedeutung beimessen. „Wir können etwas und müssen uns nicht verstecken. Aber es geht auch gerade erst richtig los. Wir werden jetzt erst sehen, wie konstant wir sind. Und wir wissen noch nicht, wie wir damit umgehen werden, wenn wir mal wieder ein Spiel verlieren, auch wenn das hoffentlich noch lange hin ist“, sagte der Coach jetzt.

Holstein Kiel ist dabei St. Paulis erster Gegner in dieser Saison, der im mittleren Drittel der Tabelle steht. Während die Hamburger alle Spiele gegen die fünf vor dem elften Spieltag schwächsten Teams gewinnen konnten, setzte es gegen die Topteams Köln und Union Berlin Niederlagen. Gegen den HSV gab es mit dem 0:0 im Volksparkstadion das bisher einzige Unentschieden.

Vor diesem Hintergrund sagt Kauczinski denn auch: „Es gibt so viele harte Gegner in dieser Liga. Ich habe nicht den Eindruck, dass wir besser sind als zehn andere in der Liga. Es kommt immer auf Kleinigkeiten an, wer am Ende gewinnt.“ Das gilt auch gegen Holstein Kiel, das ebenso wie St. Pauli erst drei Spiele verloren hat.