Zweite Bundesliga

Lasse Sobiech soll beim FC St. Pauli für Trendwende sorgen

Abwehrchef Lasse Sobiech darf am Sonnabend in Sandhausen nach zwei
Spielen Sperre wieder auflaufen

Abwehrchef Lasse Sobiech darf am Sonnabend in Sandhausen nach zwei Spielen Sperre wieder auflaufen

Foto: Witters

Abwehrchef will nicht nur auf dem Platz mit Leistung vorangehen, er will auch den Dialog mit den verunsicherten Teamkollegen suchen.

Hamburg.  Mit der Rolle des Hoffnungsträgers kann Lasse Sobiech nur bedingt etwas anfangen. Der Kapitän des FC St. Pauli registriert, dass Trainer Ewald Lienen, seine Mitspieler und die Fans seine Rückkehr nach abgesessener Sperre herbeisehnen. In Zeiten, in denen sportlich kaum etwas zusammenläuft, klammert man sich an jeden noch so kleinen Strohhalm, auch wenn er im Fall des Defensivspezialisten 1,96 Meter groß ist. „Es ist schöner, so etwas zu hören, als: Ob der zurückkommt oder nicht, ist Hose wie Jacke“, sagte der 25-Jährige, wohlwissend, dass er allein die Wende in der Zweiten Bundesliga auch nicht herbeiführen kann. Zumal man konstatieren muss, dass auch der vor allem in der Vorsaison herausragende Abwehrspieler in der bisherigen Spielzeit keinesfalls an diese Leistungen anknüpfen konnte. Auch beim gebürtigen Westfalen gibt es noch viel Luft nach oben.

Hinter Sobiech liegen harte Wochen. Am sechsten Spieltag ließ sich der sonst so kontrollierte und besonnene Innenverteidiger zu einer Tätlichkeit hinreißen. Abseits des Spielgeschehens trat er Gegenspieler Jan Mauersberger in die Kniekehle. Der Unparteiische übersah das Foul, das Schiedsgericht des Deutschen Fußball-Bundes nicht. Die Strafe: zwei Spiele Sperre, 5000 Euro Geldbuße.

Die Frage, ob er auch eine vereinsinterne Strafe bezahlen musste, beantwortete er nur mit einem Grinsen. Ohnehin will Sobiech nicht mehr zurückblicken. „Das Thema ist vorbei. Ich will da gar keine vielen Worte darüber verlieren. Wir haben intern über das gesprochen, und jetzt blicke ich nach vorne. Jetzt darf ich wieder spielen“, sagte Sobiech, der die vergangenen beiden Niederlagen gegen Hannover 96 (0:2) und Erzgebirge Aue (1:2) von einem Platz auf der Südtribüne aus verfolgen musste.

Führungsspieler werden gesucht

Eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der er selbst eine neue Seite an sich erkannt hat. „Ich war selbst überrascht von mir. Als es den zweiten Elfmeter gegen Aue nicht gab, bin ich – durchaus etwas untypisch für mich – impulsiv geworden. Es war total nervig, nur zuschauen zu können“, sagte Sobiech.

Umso wichtiger ist daher die Rückkehr des Abwehrchefs. In der größten Krise seit zwei Jahren werden aktuell mehr denn je Führungsspieler gesucht. Mental starke Spieler, die nicht beim kleinsten Widerstand verkrampfen, sondern als Korsett fungieren, an dem sich die restliche Mannschaft aufrichten kann. Sobiech weiß um die Verantwortung, die er trägt.

Der ehemalige U-21-Nationalspieler will nicht nur im Training auf dem Platz mit Leistung vorangehen, er will auch den vermehrten Dialog mit den verunsicherten Teamkollegen suchen. Er ist in diesen Tagen als Abwehrchef und Psychologe gefordert. „In unserer Situation ist es wichtig, dass es Spieler gibt, die versuchen, das Selbstvertrauen der Kollegen, das natürlich gelitten hat, wieder aufzubauen. Ich hoffe, dass es uns erfahrenen Spielern gelingt“, sagte Sobiech, der sich ohnehin nicht als Einzelkämpfer sieht.

Lienen wirkt zunehmend angeschlagen

So tauscht sich der Mannschaftsrat, der sich aus Sören Gonther, Jan-Philipp Kalla, Bernd Nehrig, Marc Hornschuh, Philipp Heerwagen und eben Sobiech zusammensetzt, regelmäßig aus, was man abseits des grünen Rasens tun kann, um aus der Negativspirale herauszukommen. Vor dem nächsten Abstiegskrimi gegen den SV Sandhausen am Sonnabend (13 Uhr) trifft sich das Team zum Abendessen und gemeinsamen Champions-League-Gucken. Mit Teambuilding aus dem Tabellenkeller: „Gerade in so einer Phase ist es noch wichtiger, als Mannschaft auf und neben dem Platz noch enger zusammenzurücken“, sagte Sobiech, der damit nicht nur seine Mitspieler meint, sondern auch das Trainerteam mit einbezieht.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Ewald Lienen ob der Tatsache, dass es bisher nur einen Sieg in der Liga gab, in die Kritik gerät. Zuletzt wirkte der erfahrene Übungsleiter zunehmend angeschlagen. „Jeder ist bei uns angespannt. Wir Spieler, die Physios, das Trainerteam sicher auch. Es ist eine Scheißsituation, in der wir stecken. Wir haben aber eine gute Kommunikation, keiner dreht hier durch. Das ist eine gute Basis, um wieder erfolgreich zu sein“, sagte Sobiech, der ab Sonnabend wieder aktiv mithelfen kann, dass aus der prekären Situation keine noch bedrohlichere wird.