Zweite Bundesliga

Der FC St. Pauli ist vom Glück verlassen

St. Paulis Angreifer Aziz Bouhaddouz wartet mit seinen Mannschaftskollegen nach der bitteren 1:2-Niederlage
gegen Erzgebirge Aue nun seit fünf Partien auf einen Erfolg

St. Paulis Angreifer Aziz Bouhaddouz wartet mit seinen Mannschaftskollegen nach der bitteren 1:2-Niederlage gegen Erzgebirge Aue nun seit fünf Partien auf einen Erfolg

Foto: Getty Images

Den Hamburgern wird beim Stand von 1:1 gegen Aue ein Elfmeter verweigert – in der 90. Minute kassieren sie das Gegentor zum 1:2.

Hamburg.  Am Ende ließen die Spieler des FC St. Pauli die Köpfe hängen. Wieder hatten sie den ersehnten Befreiungsschlag verpasst und das Heimspiel gegen Erzgebirge Aue trotz früher Führung noch 1:2 verloren. Ein weiterer herber Rückschlag für das Team, das Tabellenletzter bleibt. „Wir sind in dieser Saison nicht gerade vom Glück verfolgt“, haderte Ewald Lienen.

St. Paulis Trainer hatte sich im Vergleich zum 0:2 bei Hannover 96 vor zwei Wochen zu einigen personellen Änderungen entschlossen. So beorderte er Christopher Avevor anstelle von Marc Hornschuh in die Innenverteidigung neben Philipp Ziereis. Hornschuh rückte auf die rechte Außenverteidigerposition, wo er Vegar Eggen Hedenstad ersetzte, der erst am Mittwoch von seiner Länderspielreise mit Norwegen zurückgekommen war. Obwohl er in den beiden EM-Qualifikationsspielen in Aserbaidschan und San Marino nicht zum Einsatz gekommen war, erschien er Lienen wohl nicht frisch genug.

Gleiches galt für Stürmer Aziz Bouhaddouz, der mit dem Nationalteam Marokkos unterwegs war und erst am Mittwochnachmittag wieder nach Hamburg zurückgekommen war. Für ihn rückte Marvin Ducksch in die Startelf. Im defensiven Mittelfeld spielte neu Jeremy Dudziak neben Bernd Nehrig, während Christopher Buchtmann auf die linke offensive Außenbahn rückte. In dieser Formation hatte Lienen bereits am Dienstag trainieren lassen. Danach hatte Lienen ein Einzelgespräch mit Buchtmann geführt und ihm erklärt, warum er ihn auf die vom Spieler ungeliebte Außenposition stellen wollte.

Zwei der neu ins Team gekommenen Akteure standen auch gleich im Blickpunkt. Beim ersten nennenswerten Angriff legte Ducksch den Ball im Strafraum kurz auf den anstürmenden Dudziak ab, der von Aues Innenverteidiger Steve Breitkreuz am Bein getroffen wurde. Schiedsrichter Jochen Drees entschied zu Recht auf Strafstoß. Selbst­sicher schnappte sich Ducksch den Ball und verwandelte souverän mit einem Flachschuss ins linke untere Eck zur frühen 1:0-Führung (3.).

Buballa erneut mit Fehler

Es war der perfekte Start für den als Tabellenschlusslicht der Zweiten Liga ins Spiel gegangenen FC St. Pauli. Doch für Sicherheit sorgte dies bei den Hamburgern nicht wirklich. Immer wieder trugen die Auer gefällige Angriffe vor, wobei vor allem der flinke Fabio Kaufmann mit seinen Flanken von der rechten Seite gefährlich wurde, während den St. Paulianern eine halbe Stunde kaum Kombinationen gelangen. Erst als Buchtmann, von Ducksch freigespielt, das Außennetz traf (32.) und Ducksch wenig später mit einem Volleyschuss an Aues Torwart Daniel Haas scheiterte, schien ein zweiter Treffer möglich. Inzwischen hatten Buchtmann und Dudziak die Positionen getauscht.

Doch wie schon in allen vier Spielen dieser Saison zuvor, in denen die St. Paulianer das 1:0 erzielt hatte, mussten sie den Ausgleich hinnehmen. Zum wiederholten Male ließ sich Linksverteidiger Daniel Buballa düpieren, diesmal vom früh eingewechselten Cebio Soukou. Dessen Pass in die Strafraummitte nutzte Stürmer Pascal Köpke per Hacke zum 1:1 (39.). Dabei stand dessen Gegenspieler Avevor zu weit entfernt, um entscheidend zu stören. Auf der Tribüne freute sich besonders Köpkes Vater Andreas, ehemaliger Nationalkeeper und heute Tortwarttrainer des DFB.

Der FC St. Pauli hatte in seinem Bemühen, endlich zum zweiten Saisonsieg zu kommen, wieder einen Nackenschlag erlitten. Und das in einer Phase, als das Team das Spiel besser in den Griff zu bekommen schien. „Wir haben uns nach der Führung zu sehr nach hinten drängen lassen“, analysierte in der Pause der gesperrte Verteidiger Lasse Sobiech.

Hornschuh rückte in die zentrale Abwehr

Zur zweiten Halbzeit brachte Lienen für den am Hüftbeuger verletzten Nehrig den flinken Cenk Sahin ins Team, der die linke offensive Außenposition besetzte. Dudziak rückte nun wieder ins defensive Mittelfeld. 15 Minuten später war St. Paulis Trainer zum nächsten Wechsel gezwungen, als sich Philipp Ziereis bei einem Klärungsversuch an der Seitenlinie verletzte.

Für ihn kam Hedenstad, Hornschuh rückte in die zentrale Abwehr. St. Pauli musste nun ohne seine drei besten Innenverteidiger auskommen, da ja Kapitän Sören Gonther verletzt und Sobiech gesperrt ist. Das Duo Avevor/Hornschuh war eine absolute Notbesetzung.

Was Lienen in der Folge auf dem Rasen beobachtete, gefiel ihm nicht: „Das sah lange Zeit nicht gut aus.“ Der einzige defensive Fehler zum 1:1 hätte, so der Coach, die Spieler sichtlich nervös werden lassen: „Einige Spieler wussten nicht mehr, wie es geht.“

Für die letzte halbe Stunde sollte Bouhaddouz für mehr offensiven Schwung sorgen. Er ersetzte den wirkungslosen Kyoungrok Choi. Doch zehn Minuten nach seiner Einwechslung fiel Aues Verteidiger Breitkreuz auf seine rechte Wade (73.). Diesmal verweigerte Schiedsrichter Drees einen durchaus berechtigten Strafstoß. Bouhaddouz aber hatte sich bei der Aktion verletzt und humpelte fortan nur noch über den Platz. „Breitkreuz hat ihn bedrängt und fällt ihm dann auf die Hacke, danach war er nicht mehr einsatzfähig.“ Und Bernd Nehrig urteilte: „Wenn man unten steht, hat man einen Negativlauf. Dann bekommt man auch solch einen den Elfmeter an Bouhaddouz nicht, das passt zu unserer Situation.“

Der nächste Aufreger folgte nur vier Minuten später, als Drees einen Treffer von Ducksch wegen Abseits nicht anerkannte – er lag knapp richtig. So passte es zu dem enttäuschenden Abend genauso, dass in der Schlussphase ausgerechnet Breitkreuz nach einem Freistoß per Kopf der eher unverdiente Siegtreffer für Aue (90.) gelang.

Auch Thomas Meggle war es nicht entgangen, dass bei einigen Spielern die Nerven blank liegen. Nur wenige Minuten nach dem verlorenen Schlüsselspiel versuchte er sofort in den Kampfmodus zu gehen: „Für uns muss es jetzt heißen: jetzt erst recht! Wir hatten das Thema schon vor zwei Jahren und schafften den Klassenerhalt durch große Geschlossenheit.“ Den Spielern wolle er Mut zusprechen, damit sie „den Rucksack, der immer schwerer wird, ablegen“. Und er stellte klar: „Es gibt keine Trainerdiskussion.“