2. Bundesliga

Ausgerechnet Mahir Saglik

Der Paderborner trifft beim 3:0 gegen seinen Ex-Club zweimal und dämpft die Aufstiegshoffnungen des FC St. Pauli.

Paderborn. Die Ernüchterung war den Spielern des FC St. Pauli ins Gesicht geschrieben. „Auf die Tabelle müssen wir jetzt nicht mehr schauen“, sagte Innenverteidiger Sören Gonther am Dienstagabend, nachdem sein Team das Zweitliga-Spitzenspiel beim SC Paderborn verdient mit 0:3 (0:1) verloren hatte. Hatten zuvor Spieler und Anhänger des Kiezclubs damit geliebäugelt, mit Siegen in Paderborn und am Freitagabend gegen die SpVgg Greuther Fürth auf den zweiten Tabellenplatz klettern zu können, so ist vorerst das Thema Bundesliga-Aufstieg auf Eis gelegt. Vier Punkte Rückstand auf den Dritten Paderborn und sechs auf den Zweiten Fürth geben keinen Anlass mehr zu irgendwelcher Euphorie.

Mann des Abends war vor 14.441 Zuschauern in der Paderborner Arena nicht ganz unerwartet ein früherer St.Paulianer. Mahir Saglik bewies beim 1:0 (41. Minute) einmal mehr seinen Torjägerinstinkt, als er nach einem abgefälschten Schuss des früheren Hamburgers Daniel Brückner im Strafraum an den Ball kam und ihn an Torwart Philipp Tschauner vorbei ins Tor setzte. Zudem ließ er es sich nicht nehmen, den Strafstoß zum 3:0 (69.) zu verwandeln, ehe er sich auswechseln ließ. „Spiele gegen St. Pauli sind für mich immer noch mit besonderen Gefühlen verbunden. Hier in Paderborn spüre ich das Vertrauen, das ich bei St. Pauli viel zu selten bekommen habe. Und ich zahle es mit meinen Toren zurück“, sagte der Stürmer, der bei St. Paulis früherem Trainer André Schubert aus seiner Sicht viel zu selten zum Einsatz gekommen war.

St. Paulis aktueller Trainer Roland Vrabec hatte sein Team im Vergleich zum enttäuschenden Heimspiel gegen Ingolstadt (0:0) drei Tage zuvor erneut personell umgebaut. Dabei traf es Stürmer Michael Gregoritsch besonders hart. Hatte er am Sonnabend noch in der Startelf gestanden, so war er in Paderborn nicht einmal im Kader. Für ihn rückte Lennart Thy nach seiner Gelbsperre wieder in die Anfangsformation. Neben ihm durfte sich der Niederländer John Verhoek anstelle von Christopher Nöthe versuchen.

Erstmals hatte Mittelfeldspieler Christopher Buchtmann die Aufgabe, die St.-Pauli-Elf als Kapitän auf den Rasen zu führen. Der 21-Jährige war damit in dieser Saison bereits der sechste Spieler des FC St. Pauli, der die Ehre hatte, die schwarze Binde mit dem weißen Totenkopfsymbol am Arm zu tragen. Vor ihm hatten neben dem regulären Kapitän Fabian Boll (Aufbautraining) auch Fin Bartels, Florian Kringe, Markus Thorandt und Jan-Philipp Kalla dieses Amt innegehabt. „Ich war völlig baff, dass ich Kapitän sein sollte“, verriet Buchtmann später. „Ich empfinde es als eine große Ehre. Es ist nur schade, dass bei diesem Spiel so ein Ergebnis herausgekommen ist.“

In der Anfangsphase zeigte sich die Hamburger Elf anfällig und hätte schon nach zwölf Minuten in Rückstand liegen können, als Paderborns Mario Vrancic im Strafraum völlig allein vor Torwart Tschauner auftauchte. Tschauner aber konnte mit seinem rechten Bein abwehren. Auf der Gegenseite bot sich in der 23. Minute die bis dahin beste Konterchance, die aber Marc Rzatkowski mit einem Pass in die Hacken des in den Strafraum strebenden Thy vergab. 17 Minuten später köpfte Innenverteidiger Sören Gonther den Ball nach einem Freistoß von Rzatkowski an den linken Pfosten des Paderborner Tores. St. Pauli schien zu diesem Zeitpunkt das Spiel in den Griff bekommen zu haben, doch es rächte sich, dass die im Ansatz vielversprechenden Aktionen nicht zu einem Torerfolg führten. „In so einem Spiel gegen einen starken Gegner muss ein Pass in die Schnittstelle einfach kommen, wenn man erfolgreich sein will“, kritisierte später Trainer Vrabec.

Das Vorhaben, mit Schwung in die zweite Halbzeit zu gehen und den 0:1-Rückstand zu egalisieren, wurde allerdings schon früh konterkariert. Paderborns schussstarker Mittelfeldspieler Alban Meha zirkelte den Ball aus knapp 20 Metern zum 2:0 (58.) ins lange Eck des St.-Pauli-Tors. Dem dritten Treffer für die Ostwestfalen ging ein umstrittenes Foulspiel des eingewechselten Florian Kringe an Damir Vrancic im Strafraum voraus. Schiedsrichter Wolfgang Stark zögerte verdächtig lange, ehe er sich dann doch zur Elfmeterentscheidung entschloss und damit Saglik die Chance gab, seinen Abend mit dem Tor zum 3:0-Endstand zu krönen.