FC St. Pauli: Millerntor

Mitten im Stadion: Die Kita mit dem Totenkopf

Foto: FC St. Pauli / FC St. Pauli/Susanne Katzenberg

Das "Piraten-Nest" ist die weltweit erste Kindertagesstätte in einem Stadion weltweit. 16 Gruppenräume entstehen auf den vier Ebenen.

Hamburg. Es war im Frühjahr 2008. Der FC St. Pauli spielte nach vier Jahren in der Regionalliga erfolgreich seine erste Zweitligasaison, und im Süden entstand eine neue Tribüne. Aufbruchstimmung, die Christian Violka als Fan hautnah auf der Gegengerade erlebte. Und je höher die imposante Südtribüne wuchs, desto häufiger wanderte sein Blick auf den Leerraum zwischen Süd- und Haupttribüne. "Während eines Heimspiels hatte ich dann die Idee", beschreibt der 44-Jährige die Geburtsstunde des Piraten-Nests, der ersten Kindertagesstätte in einem Stadion weltweit.

Am 28. Juli 2009 machten Corny Littmann, Präsident des FC St. Pauli, und Violka, diesmal in Funktion als Vorstandsmitglied der Pestalozzi-Stiftung Hamburg, das Projekt öffentlich, nun stehen die Rahmendaten fest. 16 Gruppenräume entstehen auf den vier Ebenen, im zweiten und vierten Stock Dachspielgärten auf einer Fläche von insgesamt 350 Quadratmetern - den Blick ins Stadion inklusive. Da der Neubau der im Westen angrenzenden Haupttribüne planmäßig verläuft und im August abgeschlossen sein wird, soll im November 2010 der erste Jahrgang in die Kita einziehen. "Die Resonanz ist sehr positiv", berichtet Beatrice Peter, die bei der Stiftung als Bereichsleiterin für die Kindertagesstätten in Hamburg zuständig ist, "täglich melden sich bei uns Eltern, die sich für das Piraten-Nest interessieren." Nach einem ersten Info-Abend am 3. Februar im Clubheim liegen bereits 70 Anmeldungen für die 100 Plätze im Krippen- und Elementarbereich vor. Eine Nachfrage, die nicht verwundert. "Schließlich gibt es real nur Gewinner", weiß Violka und zählt auf: "den Verein, die Stadion-Betriebsgesellschaft, die Anwohner im Stadtteil und uns."

Neben dem Imagegewinn aufgrund eines weiteren Alleinstellungsmerkmals und der sozialen Komponente profitiert der Klub auch finanziell. An den Kosten von 2,5 Millionen Euro, die die Eckbebauung verschlingt, ist der Zweitligist nicht beteiligt, nutzt die Fläche aber im Stadioninnern unterhalb des Gebäudes für Sitzplätze. 100 sollen es werden, doch die Zahl der Eck-Zuschauer dürfte nach oben korrigiert werden müssen, wie Peter erläutert: "Die Eltern haben die Möglichkeit, am Wochenende das Spiel zu verfolgen, wenn sie mit ihren Kindern in die Kita kommen." Zudem wird Stadionbesuchern ein Betreuungsangebot für ihren Nachwuchs während der 90 Minuten offeriert.

Und auch die Stiftung partizipiert an dem einmaligen Projekt. Beatrice Peter nennt den nutzerfreundlichen Standort, die architektonische Herausforderung und die Kooperationsmöglichkeiten mit dem Verein. Eine Zusammenarbeit mit der Fußballschule des FC St. Pauli ist geplant.

Um Fan-Nachwuchs müssen sich die Braun-Weißen zukünftig nicht sorgen. "Das wirkt natürlich identitätsbildend", sagt Peter, "aber es dürfen auch Kinder im HSV-Trikot in die Kita kommen." Violka nickt zögerlich: "Ja, das geht schon in Ordnung. Selbst ich bin da offen. Allerdings nur bis zum 16. Lebensjahr. Danach kann es nur einen Verein geben."