Terodde mit Corona infiziert

Wie der HSV eine Teamquarantäne verhindert hat

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Kai Schiller
HSV-Torjäger Simon Terodde (l., neben Mannschaftsarzt Wolfgang Schillings) hat sich mit dem Coronavirus infiziert.

HSV-Torjäger Simon Terodde (l., neben Mannschaftsarzt Wolfgang Schillings) hat sich mit dem Coronavirus infiziert.

Foto: Imago / Sven Simon

Der Stürmer muss nach seiner Corona-Infektion in eine 14-tägige Quarantäne. Warum das Spiel gegen Heidenheim trotzdem stattfinden wird.

Hamburg. Um kurz nach drei Uhr schien am Dienstagnachmittag alles wie immer im Volkspark. Zunächst trabte Athletiktrainer Daniel Müßig die lange Treppe vom Stadion in Richtung des Trainingsplatzes herunter, gemütlich folgten Klaus Gjasula und schließlich der Rest der HSV-Mannschaft. Als Letzte eilten Bobby Wood und Aaron Hunt um 15.17 Uhr die Stufen herab. Eine kurze Ansprache von Trainer Daniel Thioune, warmlaufen, Aufwärmprogramm. Ganz normaler Trainings-Alltag beim HSV.

HSV-Profi Terodde mit Corona infiziert

Doch der Schein trog – und das wurde deutlich, wenn man etwas genauer auf den Platz schaute und relativ schnell merkte, wer da fehlte. Fast gleichzeitig mit dem Start des Trainings, um das die HSV-Verantwortlichen hinter den Kulissen den ganzen Tag über gekämpft hatten, verkündete der Club auf seiner Homepage: „Terodde in Quarantäne“.

Bereits am frühen Morgen gab es Gewissheit darüber, was sich Montagnachmittag angedeutet hatte: Das Ergebnis der Laborprobe von Simon Teroddes Corona-PCR-Test fiel wie schon das Ergebnis des PCR-Schnelltests am Vortag positiv aus. Beim HSV reagierte man umgehend: Einerseits wurden alle anderen Profis zu einem erneuten PCR-Schnelltest zum Stadion einbestellt, andererseits wurden die Gesundheitsämter informiert.

Zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, ob eines der Gesundheitsämter auch für Teroddes Erstkontakte (also alle seine Kollegen) Quarantäne anordnen würde.

Quarantäne? Der komplizierte Regelung der Ämter

Der Sport und die Gesundheitsämter: Das ist keine so ganz einfache Geschichte. Ursprünglich war die Idee, dass sich jeweils ein Gesundheitsamt vor Ort um die Clubs kümmert, um die Tests besser zu koordinieren. Erst wenn es positive Fälle gibt, kommen die jeweiligen Gesundheitsämter an den Wohnorten der Profis ins Spiel.

Beispiel Handball-Sport-Verein Hamburg: Dort gab es im September und Oktober neun positive Fälle. Fünf Fälle wurden vom Gesundheitsamt Altona behandelt, das auf eine Zwangsquarantäne für direkte Kontakte verzichtete. Für vier Fälle war das Gesundheitsamt Eimsbüttel zuständig, das sich für das Gegenteil entschied. Das Ende vom Lied: Aufgrund der Eimsbütteler Entscheidung musste doch die ganze Mannschaft in eine 14-tägige Quarantäne.

„Natürlich sind auch die Beziehungen zu den Gesundheitsämtern mitentscheidend“, gab Frank Schmidt, Trainer vom kommenden HSV-Gegner 1. FC Heidenheim, offen im aktuellen Abendblatt-Podcast „HSV – wir müssen reden“ zu. Für die Fußballer des HSV ist nun erneut das Gesundheitsamt Altona zuständig, für Terodde kurioserweise das Amt Eimsbüttel. Die Profis des FC St. Pauli fallen in den Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamts Mitte.

St. Pauli äußert sich über Corona-Fall beim HSV

Bislang waren beide Clubs extrem gut durch die Pandemie gekommen. Beim HSV gab es bis zu dieser Woche nur den Corona-Fall von Stephan Ambrosius, der sich bei der deutschen U-21-Nationalmannschaft infiziert hatte. Und St. Pauli kam sogar komplett ohne Fall durch das Corona-Jahr.

„Die Einschläge kommen immer näher, das kann man nicht wegdiskutieren“, sagte auch St. Paulis Trainer Timo Schultz, kurz nachdem er am Vormittag von dem bestätigten HSV-Fall gehört hatte. „Die Wahrscheinlichkeit wird immer größer. Wir hoffen, dass wir verschont bleiben. Dafür werden wir alles tun. Aber die Garantie hat niemand.“

HSV ist stolz auf seinen Corona-Umgang

Natürlich auch nicht der HSV, der am Dienstag aber alles dafür tat, dass dem Club – anders als am Wochenende Holstein Kiel und Hannover 96 – eine Mannschaftsquarantäne erspart blieb. „Es sind komische Zeiten – und nun hat es leider uns erwischt. Aber ich finde schon, dass wir das alles ziemlich gut gehandhabt haben“, sagte Sportdirektor Michael Mutzel, als er die Bestätigung hatte, dass die Gesundheitsämter Altona und Eimsbüttel den Ausführungen der HSV-Hygienebeauftragen (Mannschaftsarzt Götz Welsch und Teammanager Lennart Coerdt) folgten.

„Wir sind sehr froh, dass unser Hygienekonzept gegriffen hat“, sagte Mutzel, der genau wie der Rest des Kaders dreimal binnen nicht einmal 24 Stunden getestet wurde. „Das war ja auch Sinn und Zweck des Ganzen: dass wir weitermachen können, wenn uns mal ein Fall erwischt. Wir hoffen, dass jetzt kein Fall mehr dazukommen wird.“

HSV setzt auf tägliche Corona-Tests

Doch auch hier will der HSV auf Nummer sicher gehen. Bis zum Spiel gegen Heidenheim, das weiterhin wie geplant am Sonnabend um 13 Uhr stattfinden soll, wird der komplette Kader täglich durch den PCR-Schnelltest der Hamburger Firma SanaGroup getestet. Zudem wurden alle Profis zusätzlich noch einmal dafür sensibilisiert, auf jeden unnötigen Kontakt zu verzichten.

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Wie schwierig das aber in Wahrheit ist, zeigen die Beispiele der beiden U-21-Nationalspieler Stephan Ambrosius und Josha Vagnoman, die trotz Teroddes Erkrankung in der kommenden Woche mit der DFB-Auswahl zur Europameisterschaftsvorrunde nach Ungarn und Slowenien reisen dürfen.

Sosehr sich die beiden Spieler über ihre Nominierungen freuten, so sehr haben die HSV-Verantwortlichen ihre Bedenken: Ungarn gilt mit einer Inzidenz von weit mehr als 500 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Stand: 16. März) als Hochrisikogebiet, in Slowenien liegt die Inzidenz auch noch bei über 200.

Wer ersetzt Terodde beim HSV?

Dass man sich mit zwei Kindern auch bei einer Inzidenz von knapp 100 anstecken kann, musste nun Familienmensch Terodde erfahren. „Ich fühle mich ein bisschen schlapp, habe sonst aber keine typischen Symptome und freue mich, dass die anderen Jungs alle gesund sind“, sagte der Stürmer, der gegen Heidenheim voraussichtlich von Manuel Wintzheimer oder Bobby Wood ersetzt wird.

Doch darüber wollte beim HSV am Dienstag noch niemand nachdenken. „Das Wichtigste ist“, so Mutzel, „dass es Simon einigermaßen gut geht.“

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