DFB-Nominierung

Zwei HSV-Profis fahren zur U-21-EM – trotz 522er-Inzidenz!

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Die beiden HSV-Profis Stephan Ambrosius (l.) und Josha Vagnoman (oben) fahren für Deutschland zur U-21-EM.

Die beiden HSV-Profis Stephan Ambrosius (l.) und Josha Vagnoman (oben) fahren für Deutschland zur U-21-EM.

Foto: Imago / Claus Bergmann

BVB-Juwel Moukoko verdrängt einen dritten Hamburger. Die Europameisterschaft findet in zwei Corona-Hochrisikogebieten statt.

Hamburg. Die beiden HSV-Profis Stephan Ambrosius und Josha Vagnoman fahren wie erwartet zur U-21-EM in Slowenien und Ungarn, wo die Corona-Inzidenz aktuell bei 522,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt. Die Nominierung gab Trainer Stefan Kuntz am Montag bekannt, der zudem für eine kleine, aber nicht mehr ganz so große Überraschung sorgte: Denn auch Dortmunds Sturmjuwel Youssoufa Moukoko gehört erstmals dem wichtigsten Nachwuchsteam des DFB an. Das Nachsehen hat stattdessen der dritte Hamburger, Manuel Wintzheimer, der nicht nominiert wurde.

Sollte Moukoko in der Gruppenphase (24. und 31. März) zum Einsatz kommen, würde er Florian Wirtz (17) als jüngsten Spieler in der Geschichte der U21 ablösen. Der Leverkusener steht überraschend nicht im Aufgebot, was auf eine Nominierung für die A-Nationalmannschaft hindeutet.

„Mit Youssoufa haben wir ein außergewöhnliches Talent in Deutschland, das wir behutsam und leistungsgerecht fördern wollen. In enger Absprache mit Borussia Dortmund haben wir deshalb beschlossen, ihn zu nominieren, weil wir denken, dass seine Teilnahme sowohl der Mannschaft als auch ihm in der Entwicklung weiterhilft“, sagte Kuntz.

U21: Kuntz beruft vier Neulinge

Im September hatte Moukoko sein erstes Spiel für die U20-Auswahl des DFB bestritten, zuvor war er schon für die U16 aufgelaufen. Er wäre auch für Kamerun spielberechtigt, hat sich aber für Deutschland entschieden. In der Bundesliga hatte er am Sonnabend sein drittes Tor im 13. Spiel für den BVB erzielt.

Im Kader für die drei Vorrundenpartien befinden sich in Malick Thiaw (Schalke 04), Mateo Klimowicz (VfB Stuttgart) und Anton Stach (SpVgg Greuther Fürth) drei weitere Spieler, die erstmals für die deutsche U21 zum Einsatz kommen könnten. Auch der zuletzt schon von Joachim Löw nominierte Ridle Baku (VfL Wolfsburg) fährt mit nach Ungarn.

Bayern-Talent Musiala darf nicht zur U21

Nicht im Team steht derweil Bayern Münchens Jungstar Jamal Musiala. Der 18-Jährige, der erst Anfang März vom englischen Verband FA zum DFB gewechselt war, hatte im Herbst in der EM-Qualifikation für Englands U21 gespielt. Für zwei Länder dürfen Spieler nicht binnen eines Wettbewerbs antreten.

Die deutsche Auswahl trifft sich am Sonntag in Frankfurt/Main und reist am Montag nach Ungarn weiter. Dort steht schon am Mittwoch in Szekesfehervar das erste Gruppenspiel gegen den Gastgeber an, die weiteren Gegner sind die Niederlande (27. März) und Rumänien (30. März). Die K.o.-Runde findet erst vom 31. Mai bis 6. Juni statt.

522er-Inzidenz! U-21-EM im Corona-Risikogebiet

Dass die U21-EM überhaupt und dann auch noch in zwei Hochrisikogebieten stattfindet, dürfte weiterhin für Diskussionen sorgen. Ungarn hat laut dem Berliner Robert-Koch-Institut derzeit eine immens hohe Inzidenz von 522,5 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Stand: 15. März). In Slowenien liegt die Inzidenz mit 236,0 zwar fast 50 Prozent unter dem ungarischen Wert. Aus Sicht der meisten Virologen ist dieser Wert allerdings immer noch viel zu hoch für derartigen Reiseverkehr.

Zum Vergleich: In Deutschland, wo ein Lockdown gilt, beträgt die Corona-Inzidenz laut RKI 83, Hamburg kommt laut der Sozialbehörde auf 90,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Wegen Corona: Kritik an U-21-EM

Unter diesen Voraussetzungen fehlen dem Fußball die Argumente, warum das Turnier überhaupt ausgetragen wird. „Der Fußball ist dabei, seine Glaubwürdigkeit zu verlieren", sagte der bekannte Sportkommentator Robby Hunke vor Kurzem im Gespräch mit dem Abendblatt, nachdem er sich zuvor geweigert hatte, für das Champions-League-Spiel von Leipzig gegen Liverpool in die ungarische Hauptstadt Budapest zu reisen.

Hunke: „Die Bundesliga macht es mit ihrem Hygienekonzept sehr gut. Aber diese ganzen internationalen Termine – zum Beispiel im März die U-21-EM in Slowenien und Ungarn – halte ich in der momentanen Pandemie-Situation für überflüssig."

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( wal/sid )

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