Positiver Corona-Test

Wie der HSV eine Teamquarantäne umgehen könnte

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Kai Schiller und Henrik Jacobs
Rick van Drongelen, Gideon Jung, Stephan Ambrosius und Jeremy Dudziak (v.  l.) hoffen, dass sie trotz eines Corona-Falls nicht in eine 14-tägige Mannschaftsquarantäne müssen.

Rick van Drongelen, Gideon Jung, Stephan Ambrosius und Jeremy Dudziak (v.  l.) hoffen, dass sie trotz eines Corona-Falls nicht in eine 14-tägige Mannschaftsquarantäne müssen.

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

Nachdem ein Profi positiv getestet wurde, entscheidet nun das Gesundheitsamt, ob das Spiel gegen Heidenheim stattfinden kann.

Hamburg.  Um kurz nach 15 Uhr herrschte im Volkspark am Montag das große Rätselraten. Peter Dietz, besser bekannt als Helm-Peter, stand vor dem verwaisten Trainingsplatz und zuckte mit den Schultern. „Was ist hier los?“, fragte der HSV-verrückte Fan, der sich kaum ein Training entgehen lässt.

Eine Antwort erhielt das Abendblatt wenige Minuten später: Corona ist los. Um 15.30 Uhr, zur besten Bundesligazeit, bestätigte auch der HSV offiziell über seine sozialen Medien: „Aufgrund eines Verdachtsfalls beim proaktiven Corona-Test heute Morgen wurde das Nachmittagstraining vorsichtshalber abgesagt.“

Damit hat es den HSV nach dem Fall Stephan Ambrosius, der sich im vergangenen Oktober bei der deutschen U-21-Nationalmannschaft infiziert hatte, erstmals in dieser Saison so richtig erwischt. Denn dass der „Verdachtsfall“, der sich durch einen PCR-Schnelltest der Hamburger SanaGroup ergeben hatte, durch das für Dienstagvormittag erwartete Ergebnis des Labortests entkräftet wird, glaubt auch beim HSV niemand.

Bleibt dem HSV trotz Corona-Befunds Quarantäne erspart?

Glück im Unglück: Nur weil der HSV vor dem dann abgesagten Mannschaftstraining am Montag auf Nummer sicher gegangen war und den kompletten Kader mit Schnell- und Labortests zweimal testen ließ, könnte den Hamburgern – anders als am Wochenende Holstein Kiel und Hannover 96 – eine Mannschaftsquarantäne erspart bleiben. Sobald die Laborergebnisse den positiven Corona-Fall bestätigt haben, wollen Mannschaftsarzt Götz Welsch und Teammanager Lennart Coerdt an diesem Dienstag das Gespräch mit dem zuständigen Gesundheitsamt Altona suchen.

Die beiden Hygienebeauftragen des HSV wollen der Behörde darlegen, wie penibel die Spieler seit dem Bochum-Spiel getrennt wurden. Tatsächlich hatten die Profis nach dem gemeinsamen Auslaufen am Sonnabendvormittag keinen gemeinsamen Kontakt mehr – und wurden auch bei den doppelten Corona-Tests am Montagmittag in der Buseinfahrt des Volksparkstadions streng voneinander getrennt. Ein Restrisiko bleibt aber natürlich bestehen. Denn die Inkubationszeit von bis zu sechs Tagen konnte natürlich nicht eingehalten werden.

Zur Erinnerung: Nachdem am Freitag gleich vier Kieler und am Sonnabend ein Hannoveraner positiv getestet wurden, entschieden die lokalen Gesundheitsämter in beiden Fällen, dass sich jeweils die komplette Mannschaft in eine 14-tägige Quarantäne begeben muss. Sollte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen das Gleiche auch für den HSV gelten, müsste aufgrund der Länderspielpause trotzdem „nur“ das Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim verlegt werden. Allerdings wären dann die Nominierungen von Josha Vagnoman und Stephan Am­brosius für die U-21-Europameisterschaft gefährdet.

Heidenheim-Trainer Schmidt spricht über möglichen Saisonabbruch

Besonders aber für Heidenheim wäre eine Absage doppelt bitter, nachdem bereits deren Partie gegen Kiel am vergangenen Freitag unverschuldet abgesagt wurde. „Wir hätten das Spiel gerne gespielt. Holstein hatte zuletzt auch eine sehr hohe Belastung. Das hätte ein kleiner Vorteil für uns gegen spielstarke Kieler sein können“, sagte Heidenheims Trainer Frank Schmidt im Abendblatt-Podcast „HSV – wir müssen reden“.

Schmidt sprach sogar als erster Zweitligatrainer davon, dass ein Saisonabbruch drohen könnte: „Wenn man die jüngsten Ereignisse nimmt, dann könnte es mit dem Spielplan eng werden“, sagte der 47-Jährige, der zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts von dem HSV-Fall wusste. „Keiner kann garantieren, dass es die letzten Fälle waren. Wir sind froh, dass wir jetzt 39 Punkte haben und damit Planungssicherheit für die kommende Saison. Man weiß nicht, was bis zum Ende der Saison noch alles passieren kann.“

Kurios: Bereits das Duell in der Hinrunde stand kurzzeitig auf der Kippe, nachdem Heidenheims Torhüter Kevin Ibrahim und Abwehrspieler Jonas Föhrenbach positiv getestet wurden. In eilig anberaumten Nachtests konnte allerdings gewährleistet werden, dass es sich bei beiden um sogenannte falsch-positive Corona-Fälle handelte. Das Spiel fand statt – und ging aus HSV-Sicht nach 2:0-Führung noch mit 2:3 verloren. Laut Schmidt ein Schlüsselmoment für den weiteren Saisonverlauf seiner Heidenheimer, die die letzten drei Partien gegen den HSV allesamt gewinnen konnten.

HSV-Vormittagstraining bereits abgesagt

Wann und wie genau sich der HSV nun auf die Revanche vorbereiten kann, entscheidet sich am Dienstag, das Vormittagstraining wurde nach dem abgesagten Montagstraining ebenfalls gestrichen. Sollte es allerdings im Laufe des Vormittags grünes Licht vom Gesundheitsamt geben, würden erneut alle Profis an diesem Mittag zu einem Drive-in-Schnelltest am Volksparkstadion einbestellt werden. Nur wenn diese Nachtests negativ ausfallen, könnte Trainer Daniel Thioune mit seinem Team wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Auch auf der Geschäftsstelle des HSV werden im Hinblick auf die Entscheidung des Gesundheitsamtes sämtliche Daumen gedrückt. Noch am Montagvormittag saß man in großer, virtueller Runde zusammen und schwor sich auf den restlichen Saisonverlauf ein. Bislang sei man so gut durch die Corona-Krise gekommen, soll Vorstand Frank Wettstein gesagt haben, da müsse man in den verbleibenden Wochen und Monaten doppelt und dreifach gut aufpassen.

Ein klarer Fall von „denkste“. Wenige Stunden später waren Wettsteins Worte von der Wirklichkeit überholt.

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