HSV-Verteidiger

Tim Leibold im Interview: „Meine Oma war meine Entdeckerin“

Für jeden Spaß zu haben: Tim Leibold im Trainingslager am Tischkicker.

Für jeden Spaß zu haben: Tim Leibold im Trainingslager am Tischkicker.

Foto: TimGroothuis / Witters

Der Linksverteidiger gilt beim HSV als Spaßmacher. Ein Gespräch über "Rumbublerei", Freundin Laura und Heckings Humor.

Lagos. Das Trainingslager in Portugal begann für Tim Leibold mit einer schlechten Nachricht. Als die Mannschaft am Sonntag landete, fehlte zunächst sein Gepäck. Der Linksverteidiger des HSV nahm es mit Humor. „Dann schlafe ich eben nackt“, sagte Leibold, der sich im Teamhotel Cascade in Lagos ein Zimmer mit Lukas Hinterseer teilte. Vor der Rückreise sprang der 26-Jährige am frühen Freitagabend zum Sonnenuntergang noch in den kalten Atlantik. Nicht nackt – sondern in Unterhose.

Abendblatt: Herr Leibold, sind Sie ein Witzbold?

Tim Leibold: Ich weiß, worauf Sie anspielen. Mein Vorstellungsvideo im Sommer mit Jonas Boldt. Ich war gerade frisch verpflichtet. Das war schon lustig. Mit jedem Neuzugang wird ja ein kurzes, witziges Video gedreht. Ich habe es gerne gemacht. Normalerweise bin ich ja für jeden Spaß zu haben.

Abendblatt: Wie viel Spaß macht denn eigentlich ein Trainingslager?

Leibold: Ich finde es toll, wenn man so viel Zeit mit den Jungs verbringen kann. Wenn man dann so gute Bedingungen hat wie hier in Portugal, ist der Spaßfaktor natürlich noch höher. Trotz aller Ernsthaftigkeit im Training darf ein bisschen Rumbublerei nicht fehlen.

Abendblatt: Bitte was?

Leibold: Rumbublerei. Das kommt aus dem Schwäbischen und bedeutet, den einen oder anderen mal aufzuziehen. Meine Oma hat früher immer gesagt, wir sollen aufhören mit dem Rumbubeln. Das hat sich bei mir so eingeprägt.

Abendblatt: Wurde denn hier im Doppelzimmer Leibold/Hinterseer viel rumgebubelt?

Leibold: Dem Österreicher ist manchmal nicht zum Lachen zumute (lacht). Aber im Ernst: Luki ist ein feiner Kerl. Wir verstehen uns echt gut, sind immer bei Auswärtsspielen auf dem Zimmer. Er wohnt in Rissen auch nur 500 Meter Luftlinie von mir entfernt. Wir gehen gerne mit unseren Hunden zum Elbstrand. Auch unsere Partnerinnen verstehen sich gut. Die Chemie passt. Da wird auch mal der eine oder andere Spruch gedrückt.

Abendblatt: Man munkelt, dass auch viel gesungen wird bei Ihnen auf dem Zimmer.

Leibold: Das ist ein Mythos, woher haben Sie das? (lacht) Aber ja, ab und an darf man mal einen Track raushauen. Der Lukas singt gerne mal ein schönes Schlagerlied unter der Dusche.

Abendblatt: Schlager stehen bei Ihnen auch hoch im Kurs, wenn man der Kabinenmusik glaubt.

Leibold: Das stimmt. Meine Eltern haben früher viel Schlager gehört, wenn wir abends auf der Terrasse saßen. Da liefen immer die Scheiben von Andrea Berg oder Udo Jürgens. Ich höre auch gerne mal Kölner Karnevalsmusik. Da stehe ich zu. Bei der Musik, die heutzutage sonst so im Radio läuft, ist das mal eine gute Abwechslung.

Abendblatt: Ihre Freundin Laura arbeitet beim Radio, richtig?

Leibold: Richtig. Seit Januar ist sie freie Mitarbeiterin bei Radio Hamburg. Seitdem schalte ich immer einen anderen Sender ein, damit ich sie nicht hören muss (lacht). Sie hat auch einen guten Humor. Man muss im Leben auch über sich selbst lachen können.

Abendblatt: Und, können Sie gut über sich selbst lachen?

Leibold: Ja, schon. Ich versuche vieles mit Humor zu nehmen und mich selbst nicht immer zu ernst zu nehmen. Mit der Schiene bin ich bislang im Leben sehr gut gefahren. Vielleicht reife ich ja irgendwann noch mal (lacht).

Abendblatt: In jedem Fall haben Sie den HSV-Fans mit neun Vorlagen in der Hinrunde viel Spaß gemacht. War das Ihre beste Halbserie?

Leibold: Nach Zahlen wahrscheinlich schon. Für mich war es wichtig, dass ich konstant spielen durfte, verletzungsfrei geblieben bin und fast keine Trainingseinheit verpasst habe. Ich habe hier auch schnell das Vertrauen im Verein gespürt. Ich bin glücklich, dass ich in der Hinrunde so performen konnte.

Abendblatt: Nun geht es direkt wieder gegen Ihren Ex-Club 1. FC Nürnberg. Im Hinspiel wurden Sie ausgepfiffen. Das 4:0 dürfte Ihnen trotzdem Spaß gemacht haben.

Leibold: Wir haben da wirklich ein gutes Spiel gemacht. Mit jedem Treffer wurde es im Stadion ruhiger. Ich wusste im Vorwege ja aber auch, was dort auf mich zukommt, und habe mich trotzdem einfach auf das Spiel gefreut. Durch den Sieg war es umso schöner, und mit den Pfiffen kam ich auch gut klar.

Abendblatt: Haben Sie in der Hinrunde noch mit Nürnberg gelitten? Für den Club lief es ja nicht sonderlich gut.

Leibold: Ich habe es natürlich verfolgt, weil ich auch noch zu einigen Jungs regelmäßig Kontakt habe. Aber ich bin jetzt beim HSV, da liegt mein Fokus nicht auf anderen Vereinen. Nürnberg ist ja auch ein Konkurrent für uns. Die Vorfreude auf das Rückspiel ist groß. Wir wollen uns wieder steigern und den Spaß haben, den wir am Anfang der Saison hatten.

Abendblatt: Wer ist denn eigentlich in der Mannschaft für den Spaß verantwortlich?

Leibold: Da gibt es einige. Unser Co-Trainer Dirk Bremser hat gute Sprüche drauf. Aber auch mit Jeremy Dudziak, Gideon Jung und Khaled Narey lache ich viel zusammen. Im Witzeerzählen ist Martin Harnik weit vorne. Der hat natürlich auch schon viel Erfahrung (lacht). Ich kenne ihn noch aus Stuttgart. Er ist immer noch derselbe Spaßvogel geblieben.

Abendblatt: Kann Dieter Hecking auch lustig sein?

Leibold: Er ist auch mal für ein Späßchen zu haben. Wenn wir es mit dem Spaß mal übertreiben, weist er uns aber auch wieder in die Schranken. Er strahlt viel Persönlichkeit aus. Das tut gerade den jungen Spielern gut, wenn ein Trainer auch mal dazwischenhauen kann und uns das spüren lässt.

Abendblatt: Wie wichtig ist Spaß im professionellen Fußballgeschäft?

Leibold: Schwer zu sagen. Im Endeffekt verdienen Fußballer viel Geld und werden für Leistung bezahlt. Humor gehört dazu, aber wenn man am Ende Misserfolg hat, kann einem das auch falsch ausgelegt werden. Die Mischung macht‘s. Spaß ist in einer homogenen Mannschaft wichtig. Und die sind wir. Wir haben im Sommer gute Charaktere ins Team bekommen.

Abendblatt: Sie kamen aus dem Süden in den Norden. Wie gefällt Ihnen der Hamburger Humor?

Leibold: Als Schwabe hatte ich da keine Anpassungsprobleme. Ich komme mit den Menschen hier sehr gut klar, egal wo ich gerade bin. Ich hatte auch schon Freunde hier, bevor ich nach Hamburg gewechselt bin.

Abendblatt: Wie sind diese Freundschaften entstanden?

Leibold: In meiner Nürnberger Zeit habe ich mal mit Hanno Behrens einen Urlaub in Costa Rica verbracht. Da waren auch zwei seiner Freunde aus Elmshorn und Hamburg dabei. Seitdem haben wir uns immer mal in Hamburg getroffen.

Abendblatt: Sind die Schwaben lustiger als die Norddeutschen?

Leibold: Vielleicht sind sie etwas anders vom Temperament her. Mit den Hamburgern kann man aber genauso viel Spaß haben wie mit den Menschen aus Süddeutschland, mit denen ich aufgewachsen bin.

Abendblatt: Ihr Vater war Fußballer, Ihr Bruder Steffen ist Fußballer. Wer hat Sie zum Fußball gebracht?

Leibold: Die Initiatorin war meine Oma Gisela. Sie mochte Fußball und hat mir und meinem Bruder damals immer gesagt, dass wir doch mal gegen die Murmel hauen sollen. Sie hat uns dann in der Waschküche das Kicken beigebracht, als sie sich vor die Heizung gestellt und unsere Bälle gehalten hat. Man kann sagen, dass sie meine Entdeckerin war.

Abendblatt: Hat Oma Gisela Sie auch zum VfB Stuttgart gebracht?

Leibold: Da wir in der Nähe von Stuttgart gewohnt haben, hatten wir zum VfB schon immer einen besonderen Bezug. Es gab dann mal die Talenttage beim VfB. Dort sind mein Bruder und ich aufgefallen und dann gleichzeitig in die Stuttgarter Jugend gewechselt. Steffen war sechs Jahre dort, ich acht. Ihm war dann der Job irgendwann wichtiger. Mein Bruder ist jetzt Physiotherapeut und kann zeitlich den Fußball mit dem Beruf nicht mehr so gut vereinbaren.

Abendblatt: Stimmt es, dass Sie sich damals auch mit Alternativen zum Fußball beschäftigt hatten?

Leibold: Stimmt. Der VfB hatte mich in der D-Jugend aussortiert. Ich war entsprechend enttäuscht und habe mir gesagt, zu denen gehe ich nie mehr zurück. Die Kickerei war für mich fast schon abgehakt. Nach meinem Fachabitur habe ich dann überlegt, ob ich studieren gehe.

Abendblatt: Und wie haben Sie den Spaß am Fußball wiedergefunden?

Leibold: Ich habe zunächst für den SGV Freiberg in der Oberliga gekickt. Wir spielten dann mal gegen den VfB Stuttgart II. Hinterher kam Jürgen Kramny und hat mich zum Probetraining eingeladen. So bin ich wieder beim VfB gelandet. Seitdem macht meine Karriere wieder richtig Spaß.​