HSV

Hecking sauer: "Wir müssen auswärts dreckiger spielen"

Kein Trost für Khaled Narey: Der HSV verliert 1:2 beim VfL Osnabrück und könnte als Tabellenführer der Zweiten Liga von Arminia Bielefeld oder dem VfB Stuttgart abgelöst werden.

Kein Trost für Khaled Narey: Der HSV verliert 1:2 beim VfL Osnabrück und könnte als Tabellenführer der Zweiten Liga von Arminia Bielefeld oder dem VfB Stuttgart abgelöst werden.

Foto: Thomas F. Starke / Bongarts/Getty Images

HSV-Trainer reagierte in der Halbzeit radikal. Sportvorstand Jonas Boldt wählte nach dem 1:2 in Osnabrück sehr deutliche Worte.

Osnabrück. Buh! Der VfL Osnabrück bleibt der Schrecken der Hamburger Fußball-Mannschaften. Der HSV hat seinen Aufwärtstrend wieder nicht bestätigen können. Beim 1:2 in Osnabrück konnte die Mannschaft von Dieter Hecking zum sechsten Mal in Folge auswärts nicht gewinnen. Wie schon beim glücklichen 2:1 über Dynamo Dresden geriet der HSV trotz Drängens in Rückstand. In Osnabrück allerdings gelang nicht erneut ein Last-Minute-Tor.

HSV-Sportvorstand Jonas Boldt zeigte sich enttäuscht: "Ohne Zweikampf und Körperkontakt kann man keinen Fußball spielen. Das war beschissen." Torwart Daniel Heuer Fernandes sagte: "Wir hatten uns mehr vorgenommen und sind enttäuscht. Wir hätten vor der Halbzeit nicht das zweite Gegentor kassieren dürfen und müssen uns ankreiden lassen, dass wir nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen sind."

Trainer Dieter Hecking gab sich ernüchtert, aber glockenklar in der Analyse: "Wir haben verdient verloren, haben den Gegner heute durch zu viele unsaubere Aktionen ins Spiel kommen lassen. Wir müssen lernen, auswärts dreckiger zu spielen, mehr in die Zweikämpfe zu investieren.“

Beide Teams hatten nur 13 Gegentore vor dem Spiel. Die Osnabrücker haben jetzt 14, der HSV 15 – auch ein Ausweis für die Abwehrstärke des VfL. Trotzdem bleibt der HSV vorerst Tabellenführer der Zweiten Liga.

Uwe Seeler traf zuletzt in einem Punktspiel gegen Osnabrück

Das letzte Punktspiel zwischen beiden Vereinen hatte der HSV vor 57 Jahren unter anderem durch einen Treffer von Uwe Seeler noch mit 3:1 gewonnen.

Ohne drei Stammkräfte hatte es Trainer Dieter Hecking beim Angstgegner VfL Osnabrück an der Bremer Brücke an diesem Freitag nicht gerade leicht. Kapitän Aaron Hunt fehlt mit Fieber. Dabei hatte gerade er zuletzt das Spiel wieder belebt, als er beim Rückstand gegen Dresden eingewechselt wurde. Das Spiel wurde in letzter Sekunde 2:1 gewonnen. Lukas Hinterseeer ist noch immer verletzt (Oberschenkel), Bakery Jatta nach seiner Roten Karte gesperrt.

In Osnabrück, wo der HSV mehr als einmal Probleme hatte, stürmte Bobby Wood von Anfang an. Und auch Martin Harnik durfte wieder offensiv ran. Harnik spielte gegen Dresden recht stark. Hecking stellte auch mal wieder Gideon Jung in die Startelf. Timo Letschert musste weichen. Im Geheimtraining hatte Jung noch das Leibchen der B-Elf getragen.

HSV in Osnabrück – die Statistik

Zu Beginn gab es eine starke HSV-Szene, für die Kittel verantwortlich war. Eine Ecke hob er auf dem offenbar tiefen und teils holprigen Rasen scheinbar locker Richtung Tor. Dort konnte Osnabrücks Keeper Kühn mit beherztem Einsatz gerade noch verhindern, dass der Ball unter oder direkt an die Latte flog (9. Minute). Das hätte schon zum 1:0 führen können.

Der HSV setzte in der Anfangsphase gute Akzente mit beherzten Zweikämpfen und schnellen Balleroberungen. Doch der schlimme Rasen machte ein feines Kurzpassspiel unmöglich. Immer wieder sah man Profis, die ausrutschten, wegrutschten, stolperten.

Der Rasen war übel, aber keine Ausrede

Doch der stabile Techniker Harnik setzte einen Schlenzer an den Pfosten (23.). Wieder war es ein guter Umschaltmoment der Hamburger nach einer Balleroberung. Allerdings leistete sich Harnik im Mittelfeld einen Ballverlust (34.), den die Osnabrücker fast mit einem Distanzschuss zum 1:0 abschlossen. Doch Heuer Fernandes war auf dem Posten. Ansonsten aber dominierte der HSV das Spiel bis dahin.

Doch dann kam der Auftritt von Niklas Schmidt (37.). In Manier eines Lionel Messi ließ der Osnabrücker vier HSVer stehen und schoss Heuer Fernandes durch die Hosenträger – Tunnel zum 1:0. Und es wurde noch schlimmer: Die Reaktionsschnelligkeit übernahmen plötzlich die Osnabrücker. Blacha schoss zum 2:0 ein (45+2), nachdem er eine Kopfballvorlage auf den Fuß serviert bekam. Van Drongelen schaute im Strafraum direkt vor dem Tor nur zu.

Hecking reagierte in der Halbzeit radikal

Der HSV reagierte in der Halbzeit für Dieter Heckings Verhältnisse schon radikal: Jairo und Kinsombi kamen für den völlig ineffektiven Wood und Moritz. Der Trainer wollte offenbar schneller reagieren als zuletzt gegen Dresden. Und es wirkte Jairo zeigte mit einem Distanzschuss (60.), dass er Torgefahr verströmen kann. Kühn parierte aber hervorragend. Hecking sagte: "Ich hätte zur Pause sechs Spieler auswechseln können!"

Der HSV-Druck stieg. Gleichzeitig lauerten die Osnabrücker auf Konter, um das 3:0 als K.o.-Schlag zu setzen. Doch Kittel sorgte mit einem humorlosen Ball nach gutem Zuspiel von Fein in den Strafraum für den Anschluss: 2:1 (64.).

Das Spiel behielt seinen Charakter: Der HSV lief auf schlechtem Boden an, die Gastgeber verschleppten das Tempo oder zogen es bei Kontern ruckartig an. Hecking brachte dann noch Ewerton für van Drongelen. Heuer Fernandes verhinderte 120 Sekunden vor Schluss das 1:3, indem er eine kurze Abnahme im Fünfmeterraum mit einem Armreflex über die Latte lenkte.

Die Anreise für die Fans gestaltete sich am Freitag schwierig. Wegen der Demonstration von Fridays for Future in Osnabrück kam es zu Behinderungen. Die Polizei bat die Fans um Geduld auf dem Weg ins Stadion. Nach Agenturangaben waren 3500 Demonstranten auf den Straße unterwegs.

Pyro: Polizei ermahnte die Fans

Außerdem mahnte die Polizei die Fans zur Einhaltung der Hausordnung. Damit waren offenbar vor allem die HSV-Fans gemeint. Die Pyro-Strafen für die Hamburger, auch der FC St. Pauli ist gemeint, haben inzwischen Rekord-Niveau erreicht.

Der HSV muss im Kampf um die Tabellenspitze der Zweiten Liga nun auf fremde Hilfe hoffen. Arminia Bielefeld als Zweiter ist punktgleich (29 Punkte) und spielt am Sonntag bei Darmstadt 98. Der VfB Stuttgart als Dritter (26 Punkte) gastiert in Sandhausen.