Fußball

Das verfluchte Jahr des HSV-Kapitäns Aaron Hunt

Am Dienstag traf Aaron Hunt (l.) noch per Elfmeter gegen Stuttgart. Nun fehlt er erneut.

Am Dienstag traf Aaron Hunt (l.) noch per Elfmeter gegen Stuttgart. Nun fehlt er erneut.

Foto: Christian Charisius / dpa

Zum siebten Mal fällt Hunt in 2019 wegen einer Verletzung aus. Ein neuer Vertrag gilt inzwischen als unwahrscheinlich.

Hamburg.  Um 13.30 Uhr fuhr Aaron Hunt am Freitag mit seinem roten Ferrari auf den Spielerparkplatz des HSV. Seine Teamkollegen waren zu diesem Zeitpunkt schon in der Kabine, um sich auf das Training vor dem Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden am Sonntag (13.30 Uhr/Sky und Abendblatt-Liveticker) vorzubereiten. Für den HSV-Kapitän ging es stattdessen direkt zur Behandlung. Mal wieder. Wieder der Oberschenkel. Dieses Mal eine Zerrung. Die nächste Muskelverletzung. Zum siebten Mal im Kalenderjahr 2019 wird der 33-Jährige von einer neuen Verletzung zurückgeworfen.

Dass Hunt am Sonntag mal wieder ausfallen werde, hatte Trainer Dieter Hecking bereits wenige Minuten zuvor auf der offiziellen Pressekonferenz verraten. „Mir tut Aaron einfach leid“, sagte Hecking, als er über die Personallage vor dem elften Spieltag sprach. Am Dienstagabend hatte er Hunt im Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart nach 68 Minuten ausgewechselt. Es war Hunts erster Einsatz nach einer zweiwöchigen Verletzungspause.

Er traf per Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1, konnte dem Spiel aber nur wenig Impulse geben. „Er war nach der Halbzeit nicht mehr so gut drin im Spiel. Deswegen hatte ich ihn ausgewechselt. Ich hatte mich schon gewundert, weil er in der ersten Halbzeit sehr umtriebig war. Nach dem Spiel sagte er mir, er habe wieder etwas gespürt“, berichtete Hecking.

Hunt voraussichtlich zwei Wochen außer Gefecht

Am Morgen danach war dann klar, dass es eine erneute Zerrung war, die Hunt voraussichtlich wieder zwei Wochen außer Gefecht setzt. „Das ist genau das Zermürbende für ihn. Er kämpft sich immer wieder ran“, sagte Hecking und erzählte von einem emotionalen Gespräch. „Aaron war sehr niedergeschlagen am Mittwochmorgen. Ich sehe, dass er sehr unglücklich ist über die Situation. Man merkt ihm an, dass es ihm total auf den Keks geht“, sagte Hecking.

Das verfluchte Jahr des Aaron Hunt begann bereits in der ersten Januarwoche mit dem ersten Faserriss. Zwei weitere Faserrisse in der Rückrunde sorgten dafür, dass Hunt nur sechs von 16 Spielen machen konnte. Dass der Aufstieg misslang, lag vor allem am ständigen Fehlen des Regisseurs. 2,3 Punkte hatte der HSV im Schnitt mit Hunt geholt. 0,9 Punkte waren es ohne ihn. Die junge Mannschaft war nicht in der Lage, seinen ständigen Ausfall zu kompensieren.

Hunt bei der Kaderbesetzung nicht fest eingeplant

Als Hunt vor vier Wochen nach dem Spiel gegen Fürth bei einem Fantreffen in Bargteheide gefragt wurde, was mit seinem Oberschenkel los sei, sagte er: „Ich habe aufgrund der vergangenen Saison eine Vorgeschichte. Es ist meine Schwachstelle“, sagte Hunt und erzählte, wie er mehrfach in die Praxis von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nach München reiste, um sich spritzen zu lassen. „Ich habe Narbengewebe im hinteren Oberschenkel. Dadurch merke ich es ab und an mehr als normal“, sagte Hunt.

Den HSV-Verantwortlichen war die Schwachstelle des Spielmachers vor der Saison bewusst. In der Kaderplanung spielte Hunt nach Abendblatt-Informationen daher auch keine entscheidende Rolle. Als Sportvorstand Jonas Boldt, Sportdirektor Michael Mutzel und Cheftrainer Hecking die einzelnen Positionen im Kader besetzten, planten sie Hunt gar nicht fest ein. Zu unsicher sind dessen Einsatzzeiten. Hunt ist in der Planung der Verantwortlichen nur eine Art Bonusspieler.

Seine Meinung hat in der Mannschaft Gewicht

Der aktuelle sportliche Erfolg bestätigt diese Einschätzung. In den vier Spielen ohne Hunt holte der HSV zehn Punkte. Die Mannschaft ist von ihrem Kapitän nicht mehr abhängig. Mit Sonny Kittel und Jeremy Dudziak haben die Hamburger zwei Kreativspieler verpflichtet, die bislang sehr gut funktionieren und den Ausfall vergessen lassen. Dass Hunt beim HSV nach der Saison noch einmal einen neuen Vertrag als Spieler erhält, ist daher auch unwahrscheinlich.

Trotz aller gesundheitlichen Probleme nimmt Hunt in der HSV-Kabine noch immer eine wichtige Rolle ein. Seine Meinung hat in der Mannschaft Gewicht. Auch deshalb wählte sie ihn vor der Saison erneut zum Kapitän. Gleichzeitig ist es für Hunt umso schwieriger, Einfluss auf das Team zu nehmen, wenn er immer nur abseits des Teams mit dem Reha­coach trainiert.

Doch Hunt hat immer noch ein großes Ziel: den Wiederaufstieg mit dem HSV zu schaffen und einen gewichtigen Teil dazu beizutragen. Daher sagt auch Hecking: „Wir müssen weiterhin alles versuchen, um ihn stabil zu bekommen. Das gestaltet sich schwierig, aber aufgeben werden wir nicht.“ Das gilt für Hecking – und natürlich auch für Hunt. ​