HSV-Hammer

HSV-Trainer Hecking erklärt Papadopoulos' Versetzung

Kyriakos Papadopoulos hat beim HSV keine Zukunft mehr.

Kyriakos Papadopoulos hat beim HSV keine Zukunft mehr.

Foto: Witters

Der griechische Innenverteidiger trainiert nicht mehr bei den Profis mit. Muss der HSV beim Wechsel seines Topverdieners nachzahlen?

Hamburg. Riesenaufregung im Volkspark: Wie der HSV am Mittwoch mitteilte, soll Kyriakos Papadopoulos ab sofort bei der U21 trainieren. Darauf hätten sich Sportvorstand Jonas Boldt und Trainer Dieter Hecking mit dem Griechen und seiner neuen Beratungsagentur Seven United verständigt. Bereits am Dienstag hatte Papadopoulos beim Training der Profis, bei denen er keine Zukunft mehr hat, gefehlt. Von der Maßnahme erhofft sich der HSV, dass der Innenverteidiger sich im Winter einen neuen Verein sucht.

"Aufgrund der für ihn sportlich unbefriedigenden Situation ist Papa mit dem Wunsch an uns herangetreten, den Verein im Winter verlassen zu können", wird Boldt in der Mitteilung zitiert. "Da wir die Spannung im aktuellen Wettbewerb hochhalten wollen, sind wir gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass er sich so lange bei der Regionalliga-Mannschaft fit halten wird."

Papadopoulos soll HSV im Winter verlassen

Papadopoulos zeigte sich laut der Mitteilung kooperativ: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer spielen und dabei alles geben möchte. Die Verantwortlichen haben mir deutlich aufgezeigt, dass dies derzeit nicht möglich ist. Diese Entscheidung habe ich zu akzeptieren."

Das Transferfenster wird den gesamten Januar wieder geöffnet sein. Papadopoulos' Marktwert wird aktuell auf zwei Millionen Euro geschätzt. Wegen der Versetzung in die U21 kann der HSV nun aber nicht mehr mit einer Ablöse rechnen. Zumal der Vertrag des 27 Jahren alten Topverdieners im Sommer ausläuft. Papadopoulos' Gehalt beträgt auch bei reduzierten Bezügen in der Zweiten Liga etwas mehr als zwei Millionen Euro im Jahr.

Hecking: Papadopoulos bat selbst um Versetzung

Hecking bestätigte, was auch aus dem Umfeld seines Spielers zu vernehmen war: dass es Papadopoulos' ausdrücklicher Wunsch gewesen sei, in die U21 versetzt zu werden. "Es war von uns nicht so vorgesehen. Wir hätten ganz normal bis Vertragende mit ihm weitergemacht", betonte der Trainer am Mittwoch auf Abendblatt-Nachfrage. "Aber er war unzufrieden mit der Situation und ist über seinen Berater an Jonas Boldt herangetreten, dass es für ihn die bessere Lösung sei, bis Dezember bei der U21 zu trainieren und anschließend einen neuen Verein zu suchen."

Hecking habe mit Papadopoulos zuvor "zwei, drei offene Gespräche" über dessen Perspektive geführt und ihm aufgezeigt, dass es für ihn schwierig werde, Einsatzzeiten zu bekommen. "Papa hat natürlich damit ein Problem gehabt, weil er immer spielen will und sich topfit fühlt." Letztlich sei der Grieche zu dem Schluss gekommen, einen Vereinswechsel anzustreben. Hecking: "Es ist wichtig, dass er eine Zufriedenheit hat und unsere Ziele nicht gefährdet werden, weil irgendwo in der Kabine Unruhe aufkommt. Wir brauchen einen totalen Fokus, und der ist bei ihm nicht mehr gegeben, wenn er den Verein im Winter sowieso verlassen will."

HSV braucht Papadopoulos nicht mehr

Die sportliche Führung um Trainer Hecking und Vorstand Boldt sieht sich personell in der Innenverteidigung gut aufgestellt. Rick van Drongelen und Gideon Jung haben sich im Abwehrzentrum festgespielt. Zudem kämpfen sich die Langzeitverletzten Timo Letschert und Ewerton mit jedem Tag näher ans Team heran. Mit Talent Jonas David hat Hecking eine weitere Alternative im Kader. Somit ist Papadopoulos aktuell nur noch Innenverteidiger Nummer sechs.

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Spätestens im Sommer wird nun das Kapitel von Papadopoulos, den Ex-Trainer Markus Gisdol einst unbedingt verpflichten wollte, in Hamburg enden. Nach einer halbjährigen Leihe im Winter 2017 erfüllte der HSV Gisdol im anschließenden Sommer den Wunsch, den Verteidiger für 6,5 Millionen Euro aus Leverkusen zu verpflichten.

Dabei ignorierte der Club die in der Branche längst bekannten Knieprobleme von Papadopoulos, der in der Folge immer häufiger verletzungsbedingt ausfiel. Der Verteidiger konnte auch nicht mehr an seine bemerkenswerten Leistungen aus der Rückrunde 2016/17 anknüpfen, als er den HSV zum zwischenzeitlich nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt grätschte.

Papadopoulos reiht sich in prominente HSV-Liste ein

In der laufenden Saison kam Papadopoulos nur im Auftaktspiel gegen Darmstadt (1:1) über die vollen 90 Minuten zum Einsatz. Danach wurde er von Hecking nur noch im Heimspiel gegen Hannover (3:0) für die letzten 14 Spielminuten eingewechselt. Beim Spiel Ende September in Regensburg schaffte es Papadopoulos nicht einmal mehr in den Kader.

Es ist nicht das erste Mal, dass der HSV einen seiner Spieler in die U21 versetzt. In der jüngeren Vergangenheit waren unter anderem die Profis Lewis Holtby, Mergim Mavraj und Walace betroffen. Alle drei spielen inzwischen bei anderen Vereinen.

Muss der HSV für Papadopoulos nachzahlen?

Geld einsparen kann der HSV im Fall eines Verkaufs von Papadopoulos möglicherweise gar nicht. Als der Club ihn 2017 fest verpflichtete, hatten die damaligen Vorstände bei den Verhandlungen mit Bayer Leverkusen nicht nur einer Ablöse von 6,5 Millionen Euro zugestimmt, sondern sich auch auf eine fragwürdige Klausel eingelassen.

Demnach müssten die Hamburger einen zusätzlichen Millionenbetrag überweisen, sollten sie Papadopoulos vor Vertragsende abgeben. Selbst wenn der HSV den Griechen also ablösefrei ziehen lassen und einen Teil des Gehalts übernehmen würde, müsste der Club zusätzlich auch noch Leverkusen ausbezahlen.

Den Vertrag hatte Boldt in seiner damaligen Funktion als Manager von Bayer Leverkusen selbst ausgehandelt. Sollte Papadopoulos im Winter wechseln, wird der HSV nach Abendblatt-Informationen versuchen, mit allen Beteiligten eine Lösung zu finden. Und die würde es dann voraussichtlich auch geben. Der HSV strebt keine Abfindung an. Eine Vertragsauflösung würde die Klausel ohnehin unwirksam machen. Dann allerdings wäre eine Ablöse für Papadopulos fällig.