Mathias Döpfner

Springer-Chef verbindet Anschlag in Halle mit Bakery Jatta

HSV-Profi Bakery Jatta: Die Verwirrung um seinen Namen und die Details seiner Fluchtgeschichte wuchsen sich zu einer Affäre aus. Am Ende gab es von Hamburger Behörden keine Zweifel an der Authentizität seiner Ausweispapiere und seinem Aufenthaltsstatus.

HSV-Profi Bakery Jatta: Die Verwirrung um seinen Namen und die Details seiner Fluchtgeschichte wuchsen sich zu einer Affäre aus. Am Ende gab es von Hamburger Behörden keine Zweifel an der Authentizität seiner Ausweispapiere und seinem Aufenthaltsstatus.

Foto: Witters

Heftige Reaktionen auf Mathias Döpfners Abrechnung mit deutschen Eliten. Springer-Chef: "Bakery Jatta heißt Bakary Daffeh."

Berlin/Hamburg. Der Vorstandsvorsitzende des Axel Springer Verlages (jetzt Axel Springer SE), Mathias Döpfner, hat die Verwirrung um Namen und Alter des HSV-Profis Bakery Jatta in Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Rechtsterroristen in Halle gebracht. Dort waren bei einem Attentat am Mittwoch zwei Menschen getötet worden. Stephan B. wollte offenbar in einem Massaker ähnlich dem von Christchurch Mitglieder der jüdischen Gemeinde töten.

Döpfner schrieb in der „Welt“ am Freitag: „Wenn der HSV-Spieler Bakery Jatta eigentlich Bakary Daffeh heißt und zwei Jahre älter ist, als er angibt, dann ziehen sich die Ermittlungen der Polizei länger als vier Jahre hin, und Journalisten schauen systematisch weg.“ Einige hätten stattdessen die Berichterstattung kritisiert und gesagt, das schüre Ausländerfeindlichkeit.

Döpfner über Halle, Jatta und AKK

Döpfner führte aus, dass man sich angesichts der Berichterstattung und einer Verharmlosung des Antisemitismus nicht über den Hass in der Gesellschaft wundern müsse. Er brachte weitere Beispiele, wie man zuletzt Anfeindungen gegen Juden bagatellisiert habe. Außerdem nannte er es eine „verpasste Chance“, dass auch die Klimaschützer von Extinction Rebellion sich nicht spontan zur Mahnwache an der Berliner Synagoge gesellt hätten.

Die „Sport-Bild“ aus dem Hause Springer hatte die Mutmaßungen über den vermeintlichen wirklichen Namen von Jatta und die Zweifel an der Authentizität seiner Flucht-Geschichte aus Gambia ins Rollen gebracht und auch nach den entlastenden Belegen vorangetrieben. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte und mehrere Behörden hatten Ausweisdokumente von Bakery Jatta geprüft und an der Echtheit auch nach Angaben aus Gambia selbst keine Zweifel. Der HSV und Jatta erwarten von der „Sport-Bild“ eine Entschuldigung.

Reaktionen auf Springer-Chef Döpfner

Springer-Vorstandschef Döpfner kritisierte auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), die nach dem Anschlag von Halle von einem „Alarmzeichen“ sprach. Das sei ein Euphemismus, also eine verbale Beschönigung. „AKK“ habe sich eine „verbalen Entgleisung“ geleistet. Überhaupt hätten die Eliten in Deutschland versagt, weil sie Anfeindungen gegen Juden verharmlost hätten.

Ruprecht Polenz (CDU) schrieb auf Twitter: „Ein hanebüchener Kommentar von Döpfner. Was hat der HSV-Profi Jatta mit dem Anschlag in Halle zu tun?“ Auch der "Bild"-kritische Medienjournalist Stefan Niggemeier schrieb innerhalb einer längeren Reihe von Tweets zu dem Kommentar: "Herr Döpfner, da hat ein deutscher Neonazi zwei Menschen umgebracht und versucht, Dutzende zu töten.‘ ‚Ha! Und dieser schwarze HSV-Spieler aus Afrika gibt sich als jemand anders aus!‘“

Die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach schrieb dagegen: „Danke Mathias Döpfner! Eine lange überfällige Bestandsaufnahme. Ich bin beeindruckt.“ Der Hamburger FDP-Politiker Burkhardt Müller-Sönksen meinte: „Top Kommentar von Dagmar Rosenfeld und Mathias Döpfner. Wo ist Deutschlands politische Klasse?“