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Fall Bakery Jatta: Bezirksamt Mitte beendet Anhörung

Bakery Jatta bedankt sich bei den HSV-Fans für die starke Unterstützung.

Bakery Jatta bedankt sich bei den HSV-Fans für die starke Unterstützung.

Foto: imago / Jan Huebner

Die Behörde hat keine Hinweise darauf, dass es an der Identität des HSV-Profis Zweifel geben könnte. Hannover 96 reagiert.

Hamburg. Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat die Anhörung im Fall von HSV-Profi Bakery Jatta beendet. Das bestätigte Behördensprecherin Sorina Weiland dem Abendblatt. „Das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat die bereits vorliegenden und neue Unterlagen, die im Rahmen der Anhörung vorgelegt wurden, geprüft", sagte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann laut offizieller Mitteilung: "Aus den dem Bezirksamt vorliegenden Unterlagen gehen keine belastbaren Anhaltspunkte hervor, die ausländerrechtliche Maßnahmen begründen würden. Die aufgekommen Zweifel an der Richtigkeit der Angaben haben sich im Rahmen der Anhörung nicht bestätigt.“

Genauere Angaben wolle das Bezirksamt mit Rücksicht auf den Datenschutz nicht machen. "Diese Entscheidung ist aufgrund der Dokumente, die wir vorgelegt haben, folgerichtig", sagte Jattas Anwalt Thomas Bliwier. Bliwier hatte eine angeforderte Stellungnahme sowie einen gültigen Reisepass und einen Auszug aus dem gambischen Geburtenregister beim zuständigen Welcome-Center abgegeben.

"Das ist eine erfreuliche Entwicklung und ein weiterer Schritt in die richtige Richtung", sagte HSV-Trainer Dieter Hecking. Er hatte seinem Angreifer in den vergangenen Wochen öffentlich den Rücken gestärkt. Jatta war am Sonntag nach seinem Tor zum 3:0-Endstand gegen Hannover 96 zum Dank zunächst zu seinem Trainer gerannt.

Hecking: "Wie das Stadion da explodiert ist, war vielleicht der Moment der Saison. Wir haben immer gesagt, dass wir Baka nicht fallen lassen werden. Diese Haltung ist bei den Fans offenbar gut angekommen."

Hecking freut sich für Jatta und kritisiert Harnik-Vorbehalte

Die beim Bezirksamt vorgelegten Dokumente dürften auch bei den Ermittlungen des Kontrollausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine entscheidende Rolle spielen. Nürnberg, Bochum und Karlsruhe hatten Protest gegen ihre Zweitliga-Niederlagen gegen den HSV eingelegt und dies damit begründet, dass Jattas Spielberechtigung auf falschen Angaben zu seiner Identität beruhen könnte.

Jattas Anwalt sieht DFB-Entscheidung "gelassen entgegen"

Den entsprechenden Verdacht hatte ein Bericht der Zeitschrift "Sport-Bild" aufgeworfen. Demnach könnte Jatta in Wahrheit Bakary Daffeh heißen, zweieinhalb Jahre älter sein als angegeben und in Gambia und sowie im Senegal hochklassig Fußball gespielt haben.

Die Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht soll am kommenden Montag in Frankfurt am Main stattfinden. Auch ein Kronzeuge, der Jatta als Daffeh identifizieren will, soll dann vorsprechen. Allerdings könnten selbst eindeutige Beweise gegen Jatta nur dann zu einer Annullierung der Ergebnisse führen, wenn dem HSV ein Fehlverhalten nachgewiesen werden kann. Die Beweislast liegt bei den klagenden Vereinen.

"Wir sehen auch diesem Verfahren gelassen entgegen", sagte Bliwier. Die Frage, ob der "Sport-Bild"-Bericht überhaupt zu einer Prüfung von Jattas Identität seitens des Bezirksamts führen musste, wollte der Jurist nicht kommentieren.

Hannover 96 verzichtet auf Protest

Anders als die Zweitliga-Konkurrenten wird Hannover 96 keinen Protest einlegen. "Wir haben am Sonntag beim Hamburger SV verdient mit 0:3 verloren. Und zwar allein deshalb, weil wir an diesem Tag die schlechtere Mannschaft waren", hieß es am Montag in einer offiziellen Mitteilung des Bundesliga-Absteigers. Im Fußball zähle das, was auf dem Platz passiert. "Alles andere hat auf Sieg oder Niederlage keinen Einfluss. Identität und Herkunft spielen auf dem Rasen glücklicherweise keine Rolle."

96-Trainer Mirko Slomka hatte bereits vor dem Spiel dafür plädiert, auf einen etwaigen Protest zu verzichten. Clubboss Martin Kind hatte sich ähnlich geäußert.