HSV auf Aufstiegskurs

Hecking ist euphorisch, wird aber bei Problemfällen deutlich

Der HSV-Kapitän besuchte gemeinsam mit Bakery Jatta den Fanclub "Stormarn Rauten" – und sprach dabei auch über seine Auswechslung.

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Der neue Spitzenreiter HSV glänzt zu Hause erneut mit Spielfreude und schönen Toren. Trainer Hecking hat trotzdem eine Warnung.

Hamburg. Ansgar Gerdes strahlte auch am Tag danach noch über beide Ohren. „Für uns alle war das gestern im Stadion ein echtes Highlight“, sagte der Vorsitzende des HSV-Fanclubs „Stormarn Rauten“, als er gemeinsam mit rund 50 Fans in der Gartenbaumschule Andresen in Bargteheide die beiden HSV-Profis Aaron Hunt und Bakery Jatta empfing. Am Sonntag stand für die ganze Mannschaft der jährliche Fanclubbesuch auf dem Programm.

Und einen besseren Zeitpunkt hätten sich sowohl die Fans als auch die Spieler für dieses Treffen nicht aussuchen können. 2:0 (0:0) hatte der HSV tags zuvor gegen Greuther Fürth gewonnen und damit die Tabellenführung der Zweiten Liga zurückerobert. Vor allem die Tore durch Jeremy Dudziak (49.) und Sonny Kittel (85.) waren es, die bei den 44.180 Zuschauern im Volksparkstadion für Verzückung sorgten.

Jatta spricht über seine Integration

„Wir können mit der Leistung alle sehr zufrieden sein.“, sagte Bakery Jatta am Sonntag, als die Fans in der Bargteheider Gartenbaumschule ihre Fragen stellen durften. So wurde Jatta gefragt, welche Zeit er über 100 Meter läuft („Jeder weiß, dass ich schnell bin, aber meine 100-Meter-Zeit wurde noch nicht gemessen.“), wie er sich in Deutschland inte­griert habe („Ich fühle mich hier sehr wohl und kann vieles lernen.“) oder wie er an seinen Defiziten arbeite („Ich versuche vor allem meine Stärken einzubringen.“).

Hunt musste beantworten, ob er noch Kontakte nach Bremen pflege („Es gibt sogar noch eine WhatsApp-Gruppe.“), wie er Familie mit Fußball vereinbare („Mein sechs Monate alter Sohn hat mich heute Nacht keine Stunde schlafen lassen.“) oder ob Trainer Dieter Hecking den Spielern Interview-Vorgaben mache („Wir dürfen immer unsere Meinung sagen.“).

Vor allem aber wollten die Fans wissen, ob es denn in dieser Saison mit dem Aufstieg klappt. Schließlich hat der HSV nach dem neunten Spieltag und dem vierten Heimsieg in Folge ohne Gegentor fünf Punkte Vorsprung auf Platz drei (Bielefeld spielt erst am Montag in Osnabrück). „Wir sind auf einem guten Weg, aber die Saison ist noch lang.“, sagte Hunt, der sich wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel auswechseln ließ und die Länderspielpause nutzen wird, um sich auszukurieren. „Ich kann aber schon jetzt sagen, dass wir viel stabiler sind als in der vergangenen Saison.“

Hecking kompromisslos bei HSV-Problemfällen

Tatsächlich ist die größte Erkenntnis des Saisonstarts, dass der HSV im Vergleich zur Vorsaison auch ohne den Kapitän in der Lage ist, überzeugend zu gewinnen. Trainer Hecking, der am Sonntag zur Trainertagung nach Mönchengladbach reiste, nannte als Beleg für diese These das Tor zum 2:0 durch Kittel nach Vorlage von Adrian Fein. „Da hat man gesehen, welche Feingeister wir in unserer Truppe haben“, sagte Hecking mit einem gewollten Wortspiel. „Super Pass, super Ballannahme, super Vollendung. So macht das allen Spaß.“

Es waren für Hecking’sche Verhältnisse fast schon euphorische Worte. Doch Hecking wäre nicht Hecking, wenn er nicht zwei Sätze später auch kritische Töne äußern würde. Insbesondere bei der Frage, wie er den großen Konkurrenzkampf innerhalb des Kaders moderieren wolle, wurde Hecking deutlich. „Wir haben alle ein gemeinsames Ziel. Da kann ich keine Rücksicht nehmen auf die Befindlichkeiten einzelner Spieler. Das werde ich nicht tun“, sagte Hecking.

Etwas überraschend hatte der Trainer mit Sonny Kittel den besten Scorer zunächst auf der Bank gelassen. „Ich war auch etwas überrascht“, sagte der Kreativspieler, bei dem Hecking Müdigkeit im Training ausgemacht hatte. „Wenn er dann immer so eine Reaktion zeigt, ist doch alles gut“, sagte Hecking.

Wie geht Hecking mit Papadopoulos um?

Auch Kyriakos Papadopoulos dürfte nicht amüsiert darüber gewesen sein, dass er bei der Besetzung in der Innenverteidigung für den verletzten Gideon Jung keine Rolle gespielt hat. „Es war eine Entscheidung zwischen Jonas David und Timo Letschert“, sagte Hecking, der sich schließlich für die erfahrene Variante Letschert entschied. Der Niederländer hatte in seinem ersten HSV-Spiel von Beginn an zwar kleine Wackler im Spiel, stellte seinen Trainer aber insgesamt zufrieden und jubelte hinterher über die „unglaublichen Fans“ im Volkspark.

Dudziak: 50 Minuten kein Fisch, kein Fleisch – aber dann ...

Froh dürfte Hecking aktuell aber vor allem über seine Kreativabteilung sein. Es ist lange her, dass der HSV im Mittelfeld so viele feine Fußballer in seinen Reihen hatte. „Wir haben immer die Option, Tore zu machen“, sagte Hecking. Hunt bestätigte am Sonntag beim Fantreffen in Bargteheide die Einschätzung seines Trainers und freute sich besonders über diese neue Qualität: „In der vergangenen Saison hatten wir nur drei, vier torgefährliche Spieler. Jetzt haben wir schon zehn verschiedene Torschützen.“​